E-Mail aus England Quakenbrücker studiert ein Semester lang in Durham

Von Heinz-Gerd Meyer


Quakenbrück/Durham. Markus Engelmann aus Quakenbrück hat ein Semester in England an der Uni in Durham verbracht. Seine Erlebnisse hat er dem „Bersenbrücker Kreisblatt“ in einer E-Mail geschildert.

„‚Du gehst nach England ins Auslandssemester – regnet es dort nicht nur? Was gibt es dort denn in Großbritannien noch außer London? Geh da bloß nicht frühstücken!‘ Das waren die ersten Reaktionen auf meine Ankündigung , in Durham ein Auslandssemester zu absolvieren. Durham ist eine Stadt mit knapp 66.000 Einwohnern im Nordosten Englands. Der historische Stadtkern und besonders das Schloss sowie die Kathedrale erinnern an typisch englische Filme. Und tatsächlich ist die Kathedrale ein Drehort in der Harry Potter Filmreihe.

Hervorragender internationaler Ruf

Dennoch ist die Stadt in Deutschland weitgehend unbekannt. Als ich mir erste Gedanken über ein Auslandssemester machte, hatte ich Durham nicht auf dem Radar. Die Partnerschaft mit der Universität Osnabrück, an der ich zurzeit BWL im Master studiere und der hervorragende internationale Ruf der Durham University haben das jedoch schnell geändert. Nach erfolgreicher Bewerbung ging es im Rahmen des Erasmus-Programms los. Von Durham aus ist es sehr einfach, viele weitere schöne Gegenden in England und auch Schottland zu besuchen. Besonders der Lake-District und die schottische Stadt Edinburgh, in der ich nach dem Auslandssemester noch ein einwöchiges Praktikum anschloss, sind zu empfehlen.

Noten zählen auch an der Heimatuniversität

Trotz der vielen Möglichkeiten und neuen Eindrücke geht es in erster Linie natürlich um das Studium. Da die Noten in der Regel auch an der Heimatuniversität zählen, war es für mich wichtig, gut abzuschneiden. Von meinem Bachelor in VWL in Münster sowie meinem aktuellen Master war ich an Gruppenarbeit nur begrenzt gewöhnt. In Großbritannien wird hingegen sehr viel Wert auf diese Form des Lernens gelegt, und ich fand mich nicht selten in Gruppen mit fünf Teilnehmern wieder, von denen keiner die gleiche Nationalität besaß. An diese Einblicke in die verschiedenen Kulturen werde ich mich mein Leben lang erinnern.

Zweiter Platz beim Ruderwettbewerb

Eine Erinnerung, die ich ebenfalls nicht vergessen werde, war ein Ruderwettbewerb, bei dem ich mit meinem Team den zweiten Platz erreichen konnte. Im Auslandssemester wollte ich eine neue Sportart probieren, und da kam mir direkt die in England prestigeträchtige Sportart Rudern in den Sinn. Die wöchentlichen Rudereinheiten auf dem Fluss Wear, der durch Durham fließt, waren eine gute Abwechselung zum Alltag in der Universität.

Vorlesungsfrei für das Sporttraining

Im Gegensatz zu Deutschland werden viele Sportarten in der Uni auf Wettkampfniveau geführt, und man tritt gegen andere Unis an. Dies stärkt den Zusammenhalt enorm. Der Mittwochnachmittag ist für das Training immer vorlesungsfrei. Ob Rudern im Winter eine gute Idee ist, habe ich mich im Vorfeld auch gefragt, aber das Wetter spielte in den meisten Fällen sehr gut mit. Es regnete zwar mindestens alle zwei Tage, aber das waren häufig nur kurze Schauer und die Sonne war ebenfalls täglich zu sehen. Dies konnten meine Freunde in Deutschland besonders im Dezember nicht behaupten.

Bacon und Bohnen zum Frühstück

Nur vom typisch englischen Essen bin ich tatsächlich nicht komplett überzeugt. Fish and Chips waren häufig recht fad und das Frühstück aus Bohnen, Bacon, Würstchen und Toast noch nicht so richtig für den frühen Morgen geeignet. Aber auch die Briten essen das nicht jeden Tag. Nach einer etwas längeren Nacht kommt einem ein solches Frühstück am späten Vormittag manchmal auch ganz gelegen. Zu lang konnten die Nächte in England jedoch nicht werden. Hier gilt ab zwei Uhr nachts noch die Sperrstunde.

Vorurteile abgebaut

Mittlerweile bin ich zurückgekehrt und setze mein Studium an der Uni Osnabrück fort. Nebenbei arbeite ich, wie auch vor der Zeit in England, bei der Firma Abatus Vermögensmanagement in Dinklage. Viele Erfahrungen werde ich in guter Erinnerung behalten. Man entwickelt sich nicht nur intellektuell, sondern besonders menschlich weiter. Täglich begegnet man neuen Menschen und baut Vorurteile ab. Viele Menschen, denen ich begegnet bin, waren wie die britische Landschaft und das Wetter: anders als erwartet.“