Trotz Krankheit Quakenbrücker Ehepaar sieht die schönen Seiten im Leben

Von Alexandra Lüders

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Im Vertrauen auf Gott, auf die Selbstheilungskräfte und ihren Arzt sind Heike und Hans-Joachim Hendricksen dankbar für die geschenkte gemeinsame Zeit. Foto: Alexandra LüdersIm Vertrauen auf Gott, auf die Selbstheilungskräfte und ihren Arzt sind Heike und Hans-Joachim Hendricksen dankbar für die geschenkte gemeinsame Zeit. Foto: Alexandra Lüders

Quakenbrück. Als bei Hans-Joachim Hendricksen vor fünf Jahren ein Hirntumor diagnostiziert wird, ist der Schock groß. Doch mit seiner Frau Heike schafft er es, dass die Krankheit nicht sein Leben bestimmt. Eine Geschichte, die Mut macht.

„Wir empfinden dieses Schicksal nicht als Strafe, sondern nehmen es an und leben mit den Einschränkungen“, erzählen Heike (57) und Hans-Joachim Hendricksen (59), wie eine Diagnose vor fünf Jahren ihr Leben verändert hat. Nach langem Zögern haben sie mich zu einem Gespräch eingeladen, um Menschen mit einem ähnlichen Schicksal Mut zu machen. Denn ihre österliche Botschaft lautet: Wir tun alles, um dem Leben schöne Seiten abzugewinnen und die Balance zwischen Gesundheit und Krankheit zu halten. Im Vertrauen auf Gott, auf die Selbstheilungskräfte und ihren Arzt ist das Paar dankbar für die geschenkte gemeinsame Zeit.

Täglich neue Impulse

Als ich vor Hendricksens Garten parke, strecken zahlreiche Frühjahrsblüher ihre Köpfe aus dem Boden, und sonnenbeschienene Bänke laden zum Verweilen ein. Bei wärmeren Temperaturen sitzt das Ehepaar auf seiner Lieblingsbank vor dem Haus, trinkt einen Cappuccino und schöpft täglich neue Impulse aus dem Buch „Leben ist mehr“. „Das ist unsere Quelle geistlicher Nahrung, weil Gottesdienstbesuche für meinen Mann zu anstrengend sind“, sagt Heike Hendricksen.

Ehepaar änderte nicht nur das Leben

Heute haben sie sich in ihrem Haus auf meinen Besuch vorbereitet, den Kamin geheizt und eine Kerze angezündet. Eine gespannte Vorfreude schlägt mir entgegen. Ein hübscher kleiner Laufstall verrät, dass hier manchmal auch die Enkelkinder zu Gast sind. Das lichtdurchflutete Zimmer mit den modernen Gemälden schafft eine Atmosphäre des Wohlbefindens. Hendricksens haben bei einer Renovierung die dunkle Vertäfelung entfernt und durch einen hellen Anstrich ihr häusliches Umfeld positiv verändert. Das gehört ebenso zu ihrem Konzept wie viele andere Dinge, seit Hans-Joachim Hendricksen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf die Diagnose Glioblastom (Hintumor) als Erklärung für seine Beschwerden erhielt.

Krankheit riss ihn aus dem Leben

Schlagartig riss die Erkrankung ihn aus seinem früheren Küsterberuf, und es brachen schwere Zeiten an. „Wir mussten uns mehr und mehr mit der Endlichkeit auseinandersetzen. Er glaubte damals, dass das Ende alles Irdischen gekommen sei. Seine Tagebuch-Aufzeichnungen verrieten seine bedrückte Stimmung“, erinnert sich seine Ehefrau mitfühlend. Doch nach einer Bestrahlung und einer Chemo-Dauermedikation keimte schließlich Hoffnung auf. „Eigentlich ist der Krankheitsverlauf eines so aggressiven Tumors ein ganz anderer. Es grenzt an ein Wunder, was bei Ihnen passiert ist. Als Küster von St. Sylvester haben Sie wohl einen guten Draht nach oben?“, freute sich der behandelnde Arzt. „Wir sind Gott dankbar, dass wir bisher durch alle Tiefen durchgekommen sind. Manchmal aber plagen uns Zweifel, und wir spüren beispielsweise während der Grippephase wieder Ängste, pendeln zwischen Sorge und Hoffnung hin und her. Es ist eine Gratwanderung“, verrät Heike Hendricksen.

Balance zwischen Gesundheit und Krankheit

Doch als Pflegerin ihres Mannes ist die Achtsamkeit ihr eine gute Ratgeberin geworden. „Wir leben still und zurückgezogen, erfreuen uns das ganz Jahr an den Farben in unserem Garten und an netten Besuchern. Wir nehmen auch alles nicht so fürchterlich wichtig, sind dankbar für jeden Tag, an dem wir nicht an die Erkrankung denken. Das hilft uns, die Balance zwischen Gesundheit und Krankheit zu halten. Über allem empfinden wir es als großes Glück, dass wir zusammen sein können“, gesteht Heike Hendricksen. Für sie ist die gemeinsame Zeit mit ihrem Mann ein kostbarer Schatz, den sie gut behütet. Die Budwig-Diät (Öl-Eiweiß-Kost) und das selbst gebackene Brot aus frisch gemahlenem Korn sind ebenso ihre Helfer wie die medizinischen Therapien und die lieben Nachbarn.

Eine andere Sicht

Selbst Hans-Joachim Hendricksen hat trotz aller Betroffenheit eine andere Sicht auf die Dinge bekommen. „Ich sehe den Tag heute ganz anders, lasse alles mehr auf mich zukommen, habe gelernt, positiv in die Zukunft zu blicken und Veränderungen anzunehmen. Auch, dass ich noch unsere Enkel genießen kann, ist ein tolles Geschenk. Endzeitstimmung ist nichts für uns. Weinen und Lachen liegen bei uns eng beieinander“, unterstreicht der 59-jährige. Die Krankheit und die Behandlungen haben den ehemaligen Ironman-Triathleten nicht nur äußerlich stark verändert. Sein Radius wurde eingeschränkt, und er kann umfassenden Vorträgen und Diskussionen nicht mehr folgen – eine weitere Herausforderung an seine Selbstakzeptanz, die er bisher gut gemeistert hat.


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