Ansichten eines Friedhofsgärtners Thema Grabgestaltung bei der Quakenbrücker Gartenschau

Von Alexandra Lüders

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Den Schwund von Blumenbeeten auf Gräbern bedauert Gärtner Harald Münch. Foto: MünchDen Schwund von Blumenbeeten auf Gräbern bedauert Gärtner Harald Münch. Foto: Münch

Quakenbrück. Am 7. und 8. April 2018 bietet die Quakenbrücker Gartenschau von 10 bis 18 Uhr Besonderes zum Thema Gartenkultur. Zu den Ausstellern gehört der Fürstenauer Gärtner Harald Münch, der Pflanzen und Fotos zur Grabgestaltung präsentiert.

„Als Gärtner sind wir auch Seelsorger und Kulturpfleger, denn wir begleiten die Menschen von der Wiege bis zur Bahre mit Blumenschmuck. Auf diese Weise tragen wir zum Erhalt der Kultur bei“, unterstreicht Münch das vielfältige Aufgabenspektrum seines Handwerkes. Im Bereich der Friedhofsgärtnerei jedoch verändere sich die Kultur derzeit radikal. Es gebe kaum noch Leute, die in bisherigen Traditionen verhaftet seien. Viele würden mit diesen bewusst brechen und nach individuellen Lösungen für die Grabgestaltung suchen.

Gelebtes Leben soll sich widerspiegeln

Wenn sie keine Antworten fänden, kämen sie zu ihm. Denn Münch bietet Angehörigen individuelle Hilfe, indem er seine Bepflanzungen der Formenvielfalt des Grabsteines und dem gelebten Leben des Verstorbenen anpasst. Außerdem spielten Symbole wie die Zahl Drei (Dreieinigkeit), ein Apfelbäumchen (Luther), die Rose (Liebe) oder die Lieblingsblumen des Verstorbenen eine Rolle für die grüne Grabgestaltung. „Der Kunde soll spüren, dass er sich in der gestalteten Fläche wiederfindet.“ Das Grab dürfe aber auch nicht zu viel Menge oder zu viele Farben enthalten, erläutert Münch: „Das bringt Unruhe hinein. Die Auswahl der Pflanzen soll natürlich auch dem Standort angepasst sein.“ Er begreift den Friedhof als den lebendigsten Ort einer Gemeinde. Hier lernten sich Menschen mit einem ähnlichen Schicksal kennen. Es sei aber auch ein Rückzugsort, eine botanische Versammlung und ein grüner Lebensraum für Tiere.

Fotos mit Friedhöfen aus aller Welt

Die zunehmende Verwendung von Steinplatten und Kies auf den Gräbern machten einen Friedhof zur Wüste, bedauert der Fürstenauer. Aufgrund der zunehmenden Urnenbestattungen würden die Grabflächen kleiner, und es könne gärtnerisch weniger gestaltet werden. Auf der Gartenschau will Münch neue Gewächse mitbringen und Interessenten über Alternativen beraten. Er präsentiert auch Fotos mit Friedhöfen aus aller Welt, Zeichnungen und zeigt sowohl verwaiste Orte als auch seine Idealvorstellungen einer grünen Grabgestaltung. Sein Fazit: „Es ist möglich, ganz anders zu denken und zu handeln, wenn jeder nicht nur sein Grab sehen würde.“ Sein Traum sei „eine kunsthandwerkliche Gesamtanlage mit viel Grün, Baumberger Sandstein, Springbrunnen und Parkbänken“, bekennt Harald Münch seine Leidenschaft zu seinem Beruf.


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