Auch Bersenbrück und Rieste dabei Quakenbrück knipst zur „Earth Hour“ das Licht aus

Von Lena Kolde, Miriam Heidemann und Christian Geers


lena/mihe/cg Altkreis Bersenbrück. Auch in Quakenbrück, Bersenbrück und Rieste gingen am Samstagabend für eine Stunde die Lichter aus. Die Kommunen beteiligen sich an der weltweiten Klimaschutzaktion „Earth Hour“ (Stunde der Erde). Sie soll auf die Folgen des Klimawandels für Mensch und Natur aufmerksam machen.

In Quakenbrück erlebte die zwölfte Auflage der „Earth Hour“ eine Premiere: Um 20.30 Uhr gingen für eine Stunde die Straßenlaternen rund um das Rathaus am Marktplatz aus. Die Initiative Quakenbrück (IQ) hatte sich passend zu dem Projekt „Radstadt des Nordens“ gemeinsam mit dem stadtbekannten Musiker Bob Giddens etwas Besonderes einfallen lassen. Nur mit ihrer Muskelkraft betrieben vier Radfahrer ein Dynamosystem der Band Cliff Barnes and the Fear of Winning um Bob Giddens. Der durch die Pedalkraft erzeugte Strom brachte schließlich den Schriftzug „Radstadt des Nordens“, der an einem Bauzaun auf dem Marktplatz angebracht war, zum Leuchten.

Werbung für die „Radstadt des Nordens“

Die Band ist seit Jahrzehnten mit dem Pedal-Power System erfolgreich auf der ganzen Welt unterwegs, auch in Berlin präsentierten die Quakenbrücker ihr Dynamosystem. Für ein Musikvideo hatte die Gruppe aus dem Artland bereits das Bahnhofsgebäude nur mit Pedalkraft erleuchtet. „Die Radstadt Quakenbrück steht für eine nachhaltige Mobilität der Zukunft. Radfahren ist der einfachste und kostengünstigste Klimaschutz“, erklärt Initiator Bob Giddens, der Lastenfahrräder und – anhänger mit seiner Firma USED vertreibt. Außerdem sei die dunkle Stadt eine gute Gelegenheit, die Stadt mit anderen Augen zu sehen und untereinander über die eigenen Gewohnheiten ins Gespräch zu kommen, findet Moritz Jacobsen, Projektmanager der Initiative Quakenbrück. Plötzlich frage man sich Dinge wie „Brauchen wir immer so viel Licht?“, oder man nehme sich vor jetzt wirklich wieder mehr mit dem Rad zu fahren. Darum kann sich die Quakenbrücker Werbegemeinschaft gut vorstellen, ab jetzt jedes Jahr bei der Aktion der Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) mitzumachen. „Das ist ein passender Auftakt zur Fahrradsaison und vielleicht müssen wir im nächsten Jahr auch nicht ‚gegen‘ die Dragons antreten“, scherzte Jacobsen. Denn viele Quakenbrücker drückten während der „Earth Hour“ den Artland Dragons beim Play-Off-Spiel in der Artland Arena die Daumen.

UWG Initiator in Bersenbrück

Für 60 Minuten knipste am Samstagabend auch die Stadt Bersenbrück die Lichter an den öffentlichen Gebäuden aus. Auch einige Geschäfte nahmen an der Aktion für den Klimaschutz teil. „Wir alle sollten uns Gedanken machen, wie wir mit dieser Welt umgehen. Wir haben nur diese eine, und sie ist sehr verletzlich, und wir sind sehr abhängig“, sagte Wolfgang Rathmann von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) Bersenbrück. Auf ihre Initiative hatte die Stadt entschieden, sich erstmals an der „Earth Hour“ zu beteiligen. Nur die Straßenlaternen blieben aus Sicherheitsgründen an. „Diese Aktion soll daran erinnern, dass wir für uns verantwortlich sind, und welche Art von Welt wir unseren Kindern hinterlassen“, so Rathmann. Die „Earth Hour“ sei eine Möglichkeit auch in Bersenbrück für den Klimaschutz zu werben. Der Klimaschutz gehe jeden etwas an, so sollte sich auch jeder verantwortlich fühlen.

Nachtwächtertour führt auch ins ehemalige Kloster

Neben dem Ausschalten der Lichter gehörte in Bersenbrück auch eine Nachtwächtertour durch den historischen Stadtkern zur abendlichen Aktion. Mit Laternen und Taschenlampen ausgerüstet, begaben sich die Anwesenden unter Führung der Nachtwächterin Gabriele Sandbrink auf einen Rundgang, der zeigte: Auch im Dunkeln gibt es einiges zu entdecken. Die Teilnehmer begaben sich zur historischen Spurensuche auf die Klosterinsel. Sandbrink führte in das Gebäude der ehemaligen Klosteranlage und informierte mit kleinen Anekdoten über das Leben der Bersenbrücker Zisterzienserinnen. Auch ein Abstecher in die im Dunkeln liegende katholische St.-Vincentius-Kirche hielt Spannendes bereit. Schließlich sehe man im Dunkeln mit anderen Augen, wie Nachtwächterin Sandbrink versprach. Bersenbrücker Kulturschätze konnten aus nächster Nähe in Augenschein genommen werden. „In vielen kleinen Gemeinden ist die Earth Hour schon ein Thema“, sagte UWG-Mitglied Steffen Zander. Auch Bersenbrück könne nur davon profitieren, und so hoffe er, dass die Stadt auch in den kommenden Jahren ein lebendiger Teil der Aktion bleibe.

Riester Rathaus bleibt ebenfalls dunkel

Zu den kleineren Gemeinden gehörte auch die Gemeinde Rieste. Für eine Stunde blieb die Innen- und Außenbeleuchtung des Rathauses ausgeschaltet. Rat und Verwaltung der Gemeinde Rieste unterstützten mit dieser symbolischen Maßnahme den Klimaschutz in der Kommune, berichtete Ratsherr Markus Revermann (UWG). Er sprach sich dafür aus, neben einem sparsamen Umgang mit Strom und Energie weitere Möglichkeiten zu nutzen und energetische Einsparungen vorzunehmen. So würden in Rieste bereits bei Straßenlaternen die herkömmlichen Lampen durch sparsame LED- Leuchtmittel ausgetauscht oder energetische Sanierungen an Gebäuden vorgenommen, „was sich nicht nur klimatisch, sondern auch finanziell für die Gemeinde auswirkt“, so Revermann.