Modellversuch ist beendet Dürfen Traktoren Badberger Umgehung weiter benutzen?

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Vor einem Jahr ist die Ortsumgehung Badbergen für landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben worden – zunächst für eine Testphase. Foto: Christian GeersVor einem Jahr ist die Ortsumgehung Badbergen für landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben worden – zunächst für eine Testphase. Foto: Christian Geers

Badbergen/Quakenbrück. Die Samtgemeinde Artland geht davon aus, dass die Ortsumgehung der Bundesstraße 68 in Badbergen nun dauerhaft für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben wird. Der auf ein Jahr ausgelegte Modellversuch ist beendet. Unfälle mit Traktoren ereigneten sich nicht.

Nach Ablauf der Test- und Erprobungsphase ist der Artländer Samtgemeindebürgermeister Claus Peter Poppe davon überzeugt, dass die Ortsumgehung Badbergen auf Dauer von Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Maschinen befahren werden darf. „Es hat in dieser Zeit keine Unfälle mit Traktoren gegeben. Das bestärkt mich in der Auffassung, dass die endgültige Freigabe erfolgen wird“, sagte der Verwaltungschef im Gespräch mit unserer Redaktion.

Gemeinsames Gespräch

Bereits in der jüngsten Ratssitzung hatte er mitgeteilt, dass es während des Modellversuchs „keine besonderen Vorkommnisse gegeben hat“. Im Klartext: Aus Sicht der Kommune ist es zu keiner Verschärfung der Verkehrssituation oder zu Auffälligkeiten im Unfallgeschehen gekommen. Poppe erläuterte, dass die Samtgemeinde Artland als Untere Verkehrsbehörde nach Ende der Probephase aufgefordert sei, eine endgültige Bewertung vorzunehmen. Dazu hat es am 14. März einen Erörterungstermin mit Vertretern der Polizei und der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr gegeben. Deren Stellungnahmen werden in einem Bericht an das Verkehrsministerium in Hannover als oberste Straßenverkehrsbehörde geschickt – mit dem Fazit der Samtgemeinde, dass es vertretbar sei, die Ortsumgehung dauerhaft für den landwirtschaftlichen Verkehr freizugeben.

Polizei fürchtet Unfälle

Die Polizeiinspektion Osnabrück lehnt dagegen eine dauerhafte Freigabe ab. Zwar ereigneten sich laut Statistik während des einen Jahres auf der Bundesstraße 68 zwischen den Anschlussstellen „Badbergen Nord“ und „Badbergen Süd“ keine Unfälle mit Beteiligung landwirtschaftlicher Fahrzeuge. „Es gab aber zwölf Unfälle mit Sach- und Personenschäden“, teilte Anke Hamker, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Osnabrück, auf Anfrage unserer Redaktion mit. Die Bedenken gegen eine Freigabe seien bereits vor der Testphase ausgesprochen worden, und diese Meinung sei auch vor dem jüngsten Gespräch in Quakenbrück schriftlich wiederholt worden. Die Polizei habe ebenfalls betont, „die Meinung trotz gelaufener Testphase nicht geändert zu haben“, so Hamker. Die Vorschriften für eine Kraftfahrstraße sagten eindeutig aus, „dass landwirtschaftliche Fahrzeuge dort nichts zu suchen haben“. Die Befürchtung der Polizei: Durch Traktoren auf der Ortsumgehung könnte es zu „riskanten Lkw-Überholvorgängen kommen, wenn Lkw langsamere landwirtschaftliche Fahrzeuge überholen“. Allerdings weist die Sprecherin auch darauf hin, dass „begründete Ausnahmen wiederum zulässig sind“.

Straßenbaubehörde: Keine besonderen Probleme festgestellt

Mit am Tisch saß auch die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr als zuständiger Straßenbaulastträger. Deren Vertreter äußerte sich nur zu straßenbaulichen Belangen. „Hier ist festzuhalten, dass uns aus dem vergangenen Jahr keine besonderen, ursächlich dem landwirtschaftlichen Verkehr zuzurechnenden Probleme wie zum Beispiel Schäden oder Verschmutzungen bekannt geworden sind“, sagte der Leiter des Geschäftsbereichs Osnabrück, Cord Lüesse, auf Anfrage. Für die Landesbehörde seien in dieser Frage zwei Punkte von Bedeutung: die grundsätzliche Durchfahrbarkeit der Ortslage Badbergen für den landwirtschaftlichen Verkehr bei Bauarbeiten auf der B68 und die „zügige Befahrbarkeit der Ortsumgehung als Teilstück der überregionalen Straßenverbindung Bundesstraße 68“. Lüesse stellte klar, dass die Samtgemeinde Artland als Untere Verkehrsbehörde das Fazit aus dem Modellversuch selbst ziehen müsse.

Poppe: Entlastung für Badberger Straßennetz

Das Schreiben der Kommune mit den eingearbeiteten Stellungnahmen soll nach den Worten von Claus Peter Poppe „noch vor Ostern“ nach Hannover geschickt werden. „Die Entscheidung könnte vielleicht in ein, zwei Monaten fallen“, hofft der Verwaltungschef. Mit der Freigabe für den landwirtschaftlichen Verkehr soll laut Samtgemeindeverwaltung das „nachgeordnete Straßennetz, insbesondere die Ortsdurchfahrt von Badbergen, die nach der Umgestaltung des Ortskerns verkehrsberuhigt ausgebaut wird, entlastet werden“.


Modellversuch startete im Februar 2017

Im Februar 2017 hatte der damalige niedersächsische Verkehrsminister Olaf Lies entschieden, dass die Ortsumgehung Badbergen auch von Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Maschinen befahren werden darf. Ein gutes halbes Jahr hatten Samtgemeinde Artland und die Gemeinde Badbergen auf diesen Bescheid gewartet. Allerdings erfolgte die Freigabe der B68 für den landwirtschaftlichen Verkehr mit einer Einschränkung: Der Minister hatte einen zwölfmonatigen Modellversuch angeordnet und angekündigt, diesen sofort abzubrechen, wenn es zu „sicherheitsrelevanten Problemen“ kommen sollte. Gemeint waren damit Unfälle mit Beteiligung landwirtschaftlicher Fahrzeuge. Weitere Auflage: Nach Ablauf müsse der Modellversuch ausgewertet werden. Die Samtgemeinde Artland hatte bereits im August 2016 angeordnet, das Zusatzschild mit der amtlichen Bezeichnung 1026-36 „Landwirtschaftlicher Verkehr frei“ anzubringen. Daraufhin hatte sich das Verkehrsministerium eingeschaltet und ließ wissen, dass es „von dritter Seite“ gebeten worden war, die Anordnung zu überprüfen. cg

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