Feuer ist wichtiger als Talent Ex-Quakenbrücker lebt von der Liebe zur Musik

Von Lena Kolde

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Auf seiner Solo-Tour performt Udo Klopke die selbst geschriebenen Lieder, spielt aber gerne auch Stücke seiner musikalischen Vorbilder. Foto: Lena KoldeAuf seiner Solo-Tour performt Udo Klopke die selbst geschriebenen Lieder, spielt aber gerne auch Stücke seiner musikalischen Vorbilder. Foto: Lena Kolde

Menslage. Der gebürtige Quakenbrücker Udo Klopke hat seine Leidenschaft zur Musik zum Beruf gemacht. Als Singer-Songwriter ist er entweder Solo oder mit seiner Band unterwegs. Im Oktober macht er Station in der Theaterwerkstatt.

Es ist 22 Uhr – schon seit zwei Stunden spielt Udo Klopke in der gut gefüllten Karbarosa-Wirtschaft in Menslage. Er hat sichtlich Spaß an dem, was er tut, und überrascht die Zuhörer immer wieder mit spontanen Sprüchen und bekannten, gecoverten Songs. „Every Breath You Take...“, stimmt das Publikum textsicher ein. Mit einem „Wir schweifen ab“, führt Klopke, der gebürtige Quakenbrücker, wieder zurück zu seinen Liedern, die er mit der Gitarre performt. Der Musiker ist bekannt dafür, die Nähe zum Publikum zu suchen. So erzählt er gerne von persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen, die er mit den selbst geschriebenen Songs verbindet. Menslage ist der fünfte Stopp auf seiner Solo-Tour. Zehn weitere liegen noch vor ihm, plus zusätzliche Doppelkonzerte. Und das in nur eineinhalb Monaten. Dabei ist er selbst Booker, Texter und Fahrer. Und trotzdem nimmt er sich Zeit für eine Zugabe und für lange Gespräche nach dem Auftritt. Dass seine Suppe und der servierte Kaffee dabei kalt werden, stört ihn nicht.

Im Oktober 2018 in der Kulturwerkstatt

Nur zu gerne erzählt er von alten und neuen Geschichten aus seinem Leben. „Ich habe als Schüler mal irgendwem erzählt, dass ich singen könnte, daraufhin wurde ich zu einer Probe eingeladen und sang etwas von Toto vor“, beschreibt der mittlerweile in Neuss lebende Musiker die Anfänge seiner Karriere. Das Spielen der Gitarre folgte schnell darauf. „Ein Instrument sucht einen, zu mir passte von Anfang an die Gitarre sehr gut“. Und so war er auch in seiner ersten Band namens „Checker Blinder“ vorne zu sehen. Mittlerweile ist er neben den Solo-Auftritten auch mit seinem Trio unterwegs. 2004 veröffentlichte dieses, damals noch als Quartett, die erste CD. „Wir sind sehr unterschiedliche Typen, aber es passt einfach. Ich schiebe die Dinge oft an, doch dann will ich jemanden in meinem Team haben, der mich bremst, wenn ich mich verrenne. Ich bin froh, die passenden Teamplayer gefunden zu haben“, lobt der 48-jährige seine Kollegen. Im Oktober wird er mit dem Trio unter anderem in der Theaterwerkstatt Quakenbrück zu sehen sein.

Auch der ehemalige Englischlehrer hört zu

„Es ist schön hier, weil ich noch viele alte Freunde habe“, pflegt Klopke einen engen Kontakt zu seiner Heimat, „heute hat sogar mein ehemaliger Englischlehrer zugesehen.“ Da er seine Songs auf Englisch texte und singe, sei dies natürlich eine Ehre. Oft bekommt er Anfragen zu seinen Texten, die er dann auch gerne zur Verfügung stellt. Die häufig gestellte Frage, ob er auch mal auf Deutsch singen könne, beantwortet er mit einem „ungerne“. Er habe das in einer Auftragsarbeit für einen Film schon einmal versucht, aber könne sich auf Englisch besser ausdrücken. Zu seinen Vorbildern zählen Sting, Bob Dylan, Coldplay, aber auch die arabische Band Silvermoon. Allgemein bewundere er Menschen, die neue Richtungen ausprobieren und ihre Fans trotzdem mitnehmen. Dies versucht er auch selbst immer wieder erfolgreich.

Sprung ins kalte Wasser beim Zeltfestival Ruhr

Noch sehr gut erinnert er sich an seinen ersten Solo-Auftritt: „Das war vor drei Jahren auf dem Zeltfestival Ruhr auf einem Vorplatz. Ich kannte das vorher gar nicht und habe es einfach zugesagt. Plötzlich standen da 500 Leute vor mir.“ Doch dieser Sprung ins kalte Wasser hat scheinbar nicht geschadet. Als Musiker müsse man jedoch aufpassen, dass man nicht direkt zu allem „Ja“ sagt, man könne sich schnell überfordern oder in unangenehme Situationen geraten. Aber natürlich dürfe man auch nicht zu lange überlegen, so bekam Udo Klopke schon einmal die Chance eine Musical-Tour zu begleiten. „Ich war der Einzige, der ans Telefon gegangen ist.“ Es spiele also auch Glück eine Rolle.

Die Leidenschaft zum Beruf gemacht

Nach der Schule begann Udo Klopke eine Ausbildung zum Krankenpfleger, das habe ihm gar nicht gefallen, aber es sei wichtig, auch solche Erfahrungen zu sammeln und Dinge durchzuziehen. „Das Wichtigste ist es jedoch, etwas zu finden, womit man sein Leben verbringen möchte“, man solle dabei auch etwas wagen und auf sich selbst hören. Neben der Musik zählt für ihn die Familie mit seiner Frau, zwei Söhnen und einem Hund dazu. „ Das musikalische Interesse hat aber scheinbar eine Generation übersprungen“, lacht der Sänger, der zusätzlich auch noch Gitarrenunterricht gibt. Dafür sei „Feuer wichtiger als Talent“, erklärt er. „Viele setzen nur auf Sicherheit. Natürlich ist es wichtig, dass man sich versorgen kann, aber man sollte seine Leidenschaft nicht aus den Augen verlieren“, spricht der Musiker aus Erfahrung, denn er hat es geschafft, seine „Leidenschaft“ zum Beruf zu machen.


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