Alltag auf der Hallig Hooge Katja Just liest in der Samtgemeinde Artland

Von Bernard Middendorf

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Von ihrem Alltag auf der Hallig berichtete Autorin Katja Just in der Samtgemeindebücherei Artland. Foto: Bernard MiddendorfVon ihrem Alltag auf der Hallig berichtete Autorin Katja Just in der Samtgemeindebücherei Artland. Foto: Bernard Middendorf

Quakenbrück. Die ehemalige Münchenerin Katja Just ist aus der Metropole auf die kleine Hallig Hooge umgesiedelt. Von ihren Erfahrungen berichtet sie in ihrem Buch „Barfuß auf dem Sommerdeich“, aus dem sie jetzt in der Samtgemeindebücherei las.

Ein paar Tage Urlaub auf einer einsamen Hallig zu verbringen ist das eine – aber gleich das halbe Leben? Wie sich so eine radikale Veränderung anfühlt, erzählte die aus München stammende Autorin Katja Just ihrem Publikum in der Bücherei der Samtgemeinde. Die Metropole München mit gesicherter Existenz verlassen, um sein Leben fortan auf einer kleinen Hallig zu fristen? Dass das – vielleicht gar dauerhaft – gut gehen kann, machte Katja Just klar, die anlässlich der Lesung aus ihrem Buch „Barfuß auf dem Sommerdeich“ in der Bibliothek der Samtgemeinde mit viel Humor, ernsten Untertönen und einer Prise Augenzwinkern von böigen Brisen erzählte, die ihr mitten in der Nordsee entgegenwehten.

Abschied von München, Mann und Motorrad

Katja Just gewann in der ausverkauften Veranstaltung schnell die Sympathien, weil sie lächelnd gestand, dass ihr der radikale Wechsel von einer aussichtsreichen Laufbahn bei der Lufthansa in das bescheidene Dasein auf der Hallig durchaus schwergefallen sei. Sie habe schließlich München, Mann und Motorrad zurückgelassen: „Da hatte ich Tränen in den Augen.“ Der Abschied von Freunden sei bitter, das Hin und Her beim Umzug kräfteraubend gewesen; ihr Partner habe im letzten Moment kalte Füße bekommen: „Meine Gefühle fuhren Achterbahn, ich hatte plötzlich keinen Plan mehr“, gestand die Autorin. Würde sich das Ganze als Fahrt in einen unvollendeten Abschluss erweisen? „Nein“, stellte Just fest, „es wurde ein neuer Lebensabschnitt mit vielen Kapiteln.“ Die Frage, was sie ganz konkret zum „Abenteuer Insel“ bewogen habe, bekomme nur beantwortet, wer das Buch lese, lachte die Autorin verschmitzt.

Im Rhythmus von Ebbe und Flut

Nur wer etwas loslasse, habe den Kopf wirklich frei, deutete Katja Just dann doch ihre Motive an und entführte die Zuhörer in den Hallig-Alltag mit all seinen Schönheiten und Schwierigkeiten. Dort bestimmten Ebbe und Flut, nicht etwa Terminkalender oder Smartphone den Lebensrhythmus. Zeit für Angst oder Zweifel bleibe bei Sturmfluten nicht; das Zusammenleben mit Inselbewohnern sei oft rau, selten herzlich. Die Unendlichkeit müsse man aushalten, Natur, Flora und Fauna genießen, aber: „Entweder man liebt die Hallig oder nicht. Hallig kann nicht jeder !“ Barfuß auf dem Sommerdeich zu balancieren, das war herauszuhören, ist nur eine von vielen Facetten des Halliglebens. Nicht alle sind so romantisch: Zahlende Gäste – im Sommer kommen um die 90.000 von ihnen, oft nur tageweise – sind manchmal nervig, aber wirtschaftlich notwendig. Auch für den Betrieb, den Katja Just von ihren Eltern übernahm. Und schließlich muss ja auch ihr Traumhaus „Landsende-Kate“, ein 300 Jahre altes Gebäude mit Reetdach, das die 39-Jährige kaufte und umbaute, unterhalten werden.

Kurzfilm informiert über Halligleben

Sie genieße ihren friesischen Bauerngarten und die Stille, vermiete aber auch gerne Urlaubsunterkünfte, betonte die unternehmungslustige Schriftstellerin, bevor sie bereitwillig Bücher signierte. Der ZDF-Kurzfilm unter www.youtube.com/watch?v=tAdOWFxejiA&app=desktop - im Vorfeld von der Büchereileitung empfohlen – ist sehenswert, vermittelt er doch einen nachhaltigen Eindruck über die Hallig Hooge und die neue Bewohnerin aus der „Alten Welt“.


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