Serie „Die Kunden und ich“ Quakenbrücker Juwelierin über Reiseklobürsten und dreistes Feilschen

Von Christian Lang

Seit 18 Jahren leitet Annette Schwarte den Laden „Uhren & Schmuck Engel“ in Quakenbrück. Foto: LangSeit 18 Jahren leitet Annette Schwarte den Laden „Uhren & Schmuck Engel“ in Quakenbrück. Foto: Lang

Quakenbrück. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 6: Juwelierin.

Seit 18 Jahren leitet Annette Schwarte den Laden „Uhren & Schmuck Engel“ in Quakenbrück. Im Interview mit unserer Redaktion spricht sie über silberne Reiseklobürsten, Konflikte zwischen Verlobten und dreiste Feilschversuche.

Frau Schwarte, können Sie sich an einen besonders skurrilen Wunsch eines Kunden erinnern?

Eine ältere Frau wollte mal eine Reiseklobürste in Silber haben.

Was soll das denn bitte sein?

Naja, eine Klobürste wohl. Ich hatte vorher auch noch nie gehört, dass es eine Reiseklobürste geben soll. Sie wollte ein sehr exklusives Exemplar haben, aber da konnte ich ihr leider nicht helfen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es sowas überhaupt gibt. Ich kenne zumindest niemanden, der seine Klobürste mit auf Reisen nimmt. (lacht) Das war auf jeden Fall die witzigste Geschichte, die ich hier erlebt habe.

Abgesehen von der Klobürste: Welche Wünsche können Sie nicht erfüllen?

Manchmal kommt es vor, dass etwas, das sich ein Kunde wünscht, rein technisch gar nicht machbar ist. Das geht dann halt nicht. Genauso wie sehr spontane Wünsche. Zum Beispiel, wenn etwas in zwei Tagen fertig sein soll. Das ist aber vor allem bei aufwendigen Wünschen nicht möglich. (Weiterlesen: Pferde-Zahnärztin über eklige Gerüche und ohnmächtige Besitzer)

Haben die Kunden dafür Verständnis, wenn etwas nicht möglich ist oder länger dauern würde?

Eigentlich schon. Sie sagen dann, dass ich die Fachfrau wäre – und sie meinem Urteil vertrauen.

Gibt es in Ihrer Karriere auch einen besonders rührenden oder schönen Moment, an den Sie sich gerne erinnern?

Die Momente sind überwiegend schön. Wenn ein Kunde zufrieden den Laden verlässt oder glücklich darüber ist, dass seine Uhr wieder läuft, mit der er möglicherweise tolle Erinnerungen verbindet, ist das immer sehr schön.

Wie häufig müssen Sie Männern helfen, die einen Verlobungsring für ihre Partnerin suchen?

Eigentlich immer. Es gibt Männer, die genaue Vorstellungen davon haben, was sie wollen. Dann ist es natürlich einfacher für alle Beteiligten. Ganz häufig sind die Männer aber komplett ratlos. (Weiterlesen: Fürstenauer Florist über Valentinstage und verzweifelte Männer)

Wie können Sie diesen Männern dann helfen?

Naja, ich frage den Mann dann meistens, wie der restliche Schmuck ihrer Partnerin aussieht. Trägt sie mehr Gold oder mehr Silber? Häufig kann man sich ein wenig durchfragen und herantasten. Wenn dann doch das Falsche ausgesucht wurde, ist der Umtausch die nächste Option.

Bei der Suche nach Eheringen tauchen Partner und Partnerin gemeinsam bei Ihnen auf. Gibt es dann häufig Konflikte zwischen den Liebenden?

Ja, das kommt schon vor. Wenn die Geschmäcker komplett unterschiedlich sind, muss man das Paar in Ruhe ausdiskutieren lassen. Dann ziehe ich mich erstmal zurück. (lacht)

Das ist doch bestimmt schrecklich unangenehm für Sie, oder?

Inzwischen gar nicht mehr so sehr. Es ist halt so, wie es ist. Manchmal bin ich nur etwas verwundert, dass die Paare solche Fragen nicht vorher geklärt haben. Aber meistens bekommt man es irgendwie hin, dass ein Kompromiss erzielt wird. Manchmal klappt das aber leider nicht. Dann gehen die beiden raus – und man weiß nicht, was draus wird. (Weiterlesen: Quakenbrücker Friseurin über den Vokuhila, nervöse Bräute und Hygiene)

Was sind denn generell die größten Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Kunden?

Schwierig zu sagen. Oftmals sind die Frauen unentschlossener als die Männer. Sie sagen häufiger „Das überlege ich mir nochmal“. Die Männer sagen dagegen eher „Jo, das nehme ich“ oder „Das ist nicht das, was ich wollte“.

Versuchen Kunden oft zu feilschen?

Auf jeden Fall.

Und wie gehen Sie damit um?

Wenn es zu dreist ist, sage ich, dass es nicht geht. Prinzipiell kann man am Preis immer etwas machen. Aber der Kunde darf ihn nicht bestimmen. Das mache immer noch ich.

Haben Sie viele Stammkunden?

Ja, schon. Hier gibt es praktisch keine Laufkundschaft. Wenn jemand zu uns kommt, dann gezielt. Eigentlich leben wir hier von den Stammkunden.

Immer wieder werden Juweliere überfallen. Haben Sie Angst davor, auch ausgeraubt zu werden?

Beklaut worden bin ich im vergangenen März. Da hat sich jemand Schmuck zeigen lassen, dann hat er ihn einfach genommen und ist aus dem Laden gelaufen. Ganz dreist! Ich bin dann hinterhergelaufen, aber das hat nichts genützt. Natürlich hat man Bedenken – auch wenn überall Kameras hängen.

Ohne welchen Schmuck sollte eine Frau nicht das Haus verlassen?

Eigentlich braucht sie alles – Ohrringe, Halskette, Ring. Ein Armband benötigt man jetzt vielleicht nicht unbedingt.

Und ein Mann?

Eine Armbanduhr ist ein Muss. Die jungen Leute gucken mittlerweile nur noch auf ihr Handy, die haben häufig gar keine Armbanduhr. Ich finde es aber sehr schön, wenn man eine Armbanduhr trägt.

Welche Kunden sind besonders anstrengend?

Wenn sie sich zum fünften Mal das Gleiche zeigen lassen – und dann immer noch sagen, dass sie es sich nochmal überlegen würden. (lacht) Die extrem Unentschlossenen sind schon sehr schwierig.

Erkennen Sie bei den Menschen auf den ersten Blick, ob sie teuren Schmuck oder doch nur günstigen Modeschmuck tragen?

Das kommt auf den Schmuck an. Bei Perlen sieht man relativ leicht, ob sie echt sind oder nicht. Bei Uhren gibt es dagegen schon täuschend echte Imitationen – leider. Auch bei Ringen muss man schon genauer hinsehen.

Wie haben sich die Wünsche Ihrer Kunden in den vergangenen 18 Jahren verändert?

Eigentlich lässt sich kein Trend feststellen. Dass, was in ist, wechselt immer. Im Moment ist rosé-vergoldet oder Gold im Kommen – wie auch schon vor einigen Jahren. Man weiß nie, wie lange ein solcher Trend anhält. Ruckzuck kann es schon wieder out sein. Bis ein Trend in Quakenbrück ankommt, ist es woanders schon wieder out. (lacht)