Richter: Hauptsache erledigt Quakenbrücker Firma zahlt an abgewiesenen Bewerber

Von Andreas Wenk

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Vor dem Arbeitsgericht in Osnabrück endete der Streit zwischen einem abgewiesenen Bewerber und einem Quakenbrücker Textil- und Sportunternehmen mit einem Vergleich. Foto: Egmont SeilerVor dem Arbeitsgericht in Osnabrück endete der Streit zwischen einem abgewiesenen Bewerber und einem Quakenbrücker Textil- und Sportunternehmen mit einem Vergleich. Foto: Egmont Seiler

awen Quakenbrück/Osnabrück. In einem „mit Bauchschmerzen“ geschlossenen Vergleich einigte sich ein großes Textil- und Sportunternehmen aus Quakenbrück vor dem Arbeitsgericht mit einem von ihm abgewiesenen Bewerber auf eine Zahlung von 3000 Euro.

Am Ende wollten die Prozessbeteiligten das Problem nur noch vom Tisch haben. Nach den Worten des Richters im Juristendeutsch stand letztlich das „Erledigungsinteresse“ im Vordergrund, als beide Parteien in einem kurios erscheinenden Arbeitsgerichtsprozess doch noch einem Vergleich zustimmten. Ausgangspunkt war die Bewerbung eines 58-Jährigen, der bei Google noch als Geistheiler erscheint, dessen Homepage aber nicht mehr aufrufbar ist. Der hatte sich um eine Stelle als Assistent der Produktmanagerin eines großen Textil- und Sportunternehmens in Quakenbrück beworben. Bereits zwei Tage später erhielt er eine Absage.

Kläger fühlte sich diskiminiert

Da in der Stellenbeschreibung von einem „jungen Team“ die Rede war, fühlte sich der Mann diskriminiert, klagte dagegen und verlangte mindestens 6000 Euro Schadensersatz. Das Unternehmen begründete die Absage mit mangelnder Qualifikation, hatte aber schließlich eine 25-jährige Industriekauffrau mit Bachelor-Abschluss zum Vorstellungsgespräch eingeladen, die zumindest formal dem Anforderungsprofil ebenfalls nicht genügte, dafür aber einen interessanten Lebenslauf vorzuweisen hatte. Damit habe sich das beklagte Unternehmen „selbst rausgeschossen“, ließ der Richter in der Verhandlung durchblicken. Der Geschäftsführer hatte vor Gericht deutlich gemacht, dass es ihm nicht um das Geld gehe, sondern eher um eine prinzipielle Frage. Er sah in der Klage als ungerechtfertigt an, wollte dies nicht hinnehmen und warf dem Kläger Rechtsmissbrauch vor.

Vergleich „mit großen Bauchschmerzen“ zugestimmt

Nach kurzer Unterbrechung und einem beratenden Gespräch mit seinem Anwalt erklärte sich der Unternehmer bereit, einem zuvor im Gütetermin unter Vorbehalt zustande gekommenen Vergleich „mit großen Bauchschmerzen“ doch noch zuzustimmen. Nun zahlt das beklagte Unternehmen dem 58-jährigen Bewerber 3000 Euro, was in etwa einem Monatsgehalt in der ausgeschriebenen Position entspricht. Der Kläger war wegen eines privaten Termins nicht zu dem Prozess erschienen. Er hat eine Woche Zeit, sein Fernbleiben zu entschuldigen und einer Ordnungsstrafe zu entgehen. „Gericht geht vor privat“, so der Richter, „sonst kommen wir hier gar nicht mehr zurecht.“ Der Anwalt des Klägers war für den rund einstündigen Termin aus Wiesbaden angereist.


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