Serie „Die Kunden und ich“ Quakenbrücker Friseurin über den Vokuhila, nervöse Bräute und Hygiene

Meine Nachrichten

Um das Thema Samtgemeinde Artland Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Norma Garwels hat 2013 ihren Meister gemacht. Foto: LangNorma Garwels hat 2013 ihren Meister gemacht. Foto: Lang

Quakenbrück. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 3: eine Friseurin.

Norma Garwels ist Inhaberin eines Friseursalons in Quakenbrück. Im Interview spricht sie über die Rückkehr des Vokuhila, Kunden, die sich nicht entscheiden können, und passende Small-Talk-Themen.

Frau Garwels, welches war der kurioseste Wunsch eines Kunden, den Sie bisher miterlebt haben?

Das ist schwierig. Aber ich musste im 21. Jahrhundert schon mal einen Vokuhila schneiden, das war schon sehr kurios. Aber auch der wird wieder zum Trend.

Der Vokuhila? Woran liegt das?

Gute Frage. Jeder Trend wiederholt sich aber irgendwann einmal wieder. Hier in Quakenbrück sind es eher die älteren Kunden, die so einen Wunsch schon mal äußern. Aber auf den Modeschauen in den Großstädten wird es wohl auch von den Jüngeren gezeigt.

Was halten Sie von diesem Trend?

Definitiv nicht mein Geschmack. Man muss sich aber vielleicht auch einfach nur dran gewöhnen (lacht).

Welche Frisurentrends der vergangenen Jahre empfinden Sie als No-Go?

Den Ombré finde ich nicht schön. Das ist ein Look, bei dem die Haare oben komplett dunkel sind, nur die Spitzen sind hell. Das empfinde ich als zu unnatürlich. Bei den Männern finde ich es ganz schlimm, wenn die Seiten komplett kahl rasiert sind und oben nur die Tolle drauf ist. Diese ganz extremen Frisuren sind nicht so meins. Mikroponys finde ich auch nicht so schön. (Weiterlesen: Fürstenauer Florist über Valentinstage und verzweifelte Männer)

Sind Sie ehrlich zu den Kunden, wenn diese einen Wunsch haben, der an ihnen nicht gut aussehen würde?

Wir sind hier alle ehrlich. Wir wollen immer, dass die Frisur vorteilhaft für den Kunden ist. Sollte das nicht der Fall sein, dann sagen wir das. Die Kunden sind eigentlich auch immer dankbar über die Hinweise. Es gibt zudem ja auch Kundenwünsche, die gar nicht realisierbar sind.

Wie zum Beispiel?

Wenn die Haare von schwarz auf komplett blond gefärbt werden sollen innerhalb von einem Tag. Wenn man das macht, kann man die Haare morgen auch in einer Tüte mit nach Hause nehmen.

Gibt es sonst auch Wünsche, die Sie ablehnen?

Eigentlich eher weniger. Wenn es machbar ist, versuchen wir es immer zu realisieren. (Weiterlesen: Pferde-Zahnärztin über eklige Gerüche und ohnmächtige Besitzer)

Zu Ihren Kunden gehören auch Bräute, die für ihren besonderen Tag möglichst perfekt aussehen wollen. Ist der Umgang mit den Bräuten manchmal schwierig?

Vor dem Hochzeitstag machen wir mit den Bräuten immer einen Termin aus. Da besprechen wir die Wünsche der Frau. Bislang haben wir auch immer einen guten Mittelweg gefunden zwischen dem, was erwartet wird, und dem, was wir letztlich umsetzen können. Aber am Hochzeitstag ist natürlich jede Braut aufgeregt. Um sie zu beruhigen, gibt es manchmal auch ein Gläschen Sekt.

Klappt das denn immer?

Naja, der Umgang ist schon manchmal schwierig. Aber ich glaube, ich wäre auch eine schwierige Braut (lacht). Es ist einer der wichtigsten Tage im Leben – und da soll schon alles möglichst perfekt sein. Aber da sind wir schon sehr einfühlsam und sensibel, damit wir die Wünsche erfüllen.

Welche Brautfrisuren liegen denn derzeit im Trend?

Die Frisuren sind in den vergangenen Jahren immer natürlicher geworden. Die Bräute wollen nicht so sehr verkleidet aussehen, sondern authentisch. Das Drumherum bei Hochzeiten wird immer pompöser, aber bei Frisur und Make-up geht der Trend zum Natürlichen.

Wird Ihre Arbeit dadurch erleichtert?

Nein, leider nicht. Manchmal ist es sogar schwieriger, wenn eine Frisur sehr natürlich aussehen soll.

Kommen auch Bräutigame zu Ihnen?

Am Tag der Hochzeit nicht, sondern oftmals ein paar Tage vorher.

Welche Unterschiede beobachten Sie zwischen den Bräuten und ihren zukünftigen Ehemännern?

Generell sind die Bräutigame ruhiger und gelassener als die Bräute. Die Frauen genießen es dagegen noch mehr, hübsch gemacht zu werden. Sie stehen dann im Mittelpunkt, oftmals ist auch noch die Familie dabei oder die Trauzeugin. Für die Männer ist es eher wie ein normaler Friseurbesuch, der nicht zu lange dauern darf.

Ist bei Ihnen eine Frisur schon einmal komplett in die Hose gegangen?

Zum Glück noch nicht.

Keine Bräute, die sich hinterher beschwert haben?

Es kam einmal vor, dass sich eine Braut hinterher noch umentschieden hat. Dann haben wir halt die Frisur wieder aufgemacht und eine neue ausprobiert.

Und abgesehen von Bräuten: Gab es schon mal Kunden, die unzufrieden mit Ihrer Arbeit waren?

Häufig kommt das nicht vor. Aber es kann natürlich schon mal passieren, dass ein Missverständnis auftritt. Jeder hat eine andere Vorstellung von der Farbe und dem Haarschnitt. Aber auch in solchen Fällen findet man eine Lösung.

Es ist jedenfalls noch nie vorgekommen, dass ich von lang auf ganz kurz geschnitten habe, ohne dass die Kundin das wollte (lacht).

Gibt es bei Ihren Kunden etwas, vor dem Sie sich ekeln?

Unsere Kunden sind alle sehr gut gepflegt - zum Glück. Wenn der Kunde zu wenig auf seine Hygiene achtet, waschen wir erst die Haare, bevor wir loslegen.

Sind Sie in einem solchen Fall offen zu den Kunden und sagen ihnen direkt, dass es bei der Hygiene hapert?

Wenn es richtig schlimm ist, dann ja. Dann sagen wir ihnen, dass wir ihre Haare noch waschen müssen, ehe wir mit dem Schneiden beginnen. Wenn sie das nicht wollen, würde ich nicht mehr die Haare schneiden. Aber solch ein Fall ist eigentlich noch nie vorgekommen.

Norma Garwels bei der Arbeit. Foto: Lang

Gibt es denn etwas, was Sie bei den Kunden stört?

Ich finde Kunden anstrengend, die sich nicht entscheiden können. Es gibt Kunden, die ziemlich viel wollen, aber eigentlich gar nicht wissen, was sie denn wollen. Für den Friseur ist es dann sehr schwierig, herauszufinden, wo der Weg hingehen soll. Aber generell sind alle Kunden interessant: die ruhigen und diejenigen, die viel reden.

Empfinden Sie es nicht als nervig, wenn Sie von einigen Kunden vollgequatscht werden? Sie haben ja bestimmt auch mal einen schlechten Tag...

Eigentlich ist das ganz witzig. Wenn ich einen schlechten Tag habe und dann eine Kundin kommt, die durchgehend redet, bin ich eigentlich recht froh, weil ich dann selbst nicht so viel reden muss. Man erfährt ja häufig auch witzige Geschichten. Und dann bessert sich auch meine Laune. Schwieriger ist es, wenn der Kunde schlecht gelaunt ist und nicht reden will. Dann muss man sich als Friseurin zusammenreißen und probieren, die Laune des Kunden zu heben.

Wie kommen Sie mit ruhigen Kunden ins Gespräch? Worüber führen Sie Smalltalk?

Das Wetter ist immer gut (lacht). Damit kann man immer schön anfangen. Ansonsten kann man im Laufe des Jahres auch bestimmte Feiertage ansprechen, die anstehen. Wie zum Beispiel Weihnachten. Auch Urlaube sind immer ein gutes Thema. Das sind Smalltalk-Themen, die ich im Gespräch abklappere. Wenn ich aber merke, dass die Kundin gar nicht reden will, dann rede ich auch nicht.

An welchen Zeichen bemerken Sie, dass ein Kunde nicht reden möchte?

Wenn ein Kunde demonstrativ eine Zeitung greift und darin herumblättert, ist es schon ein sehr klares Zeichen, dass er in Ruhe gelassen werden möchte.

Sie haben vorhin die Kunden angesprochen, die sich nicht richtig entscheiden können. Sind das eher Männer oder Frauen?

Es sind eher Frauen als Männer. Männer kommen in den Laden rein und haben meist schon eine klare Vorstellung davon, was sie haben wollen. Sie sind sehr strukturiert, was bedeutet, dass es auch nicht zu lange dauern darf.

Kommen Kunden denn auch häufig mit Fotos von Promis an, deren Frisur sie dann geschnitten haben möchten?

Ja, auf jeden Fall. Viele Kunden kommen mit Fotos an, die sie auf Instragram oder Pinterest gesehen haben. Das sind vor allem die jüngeren Kunden. Social Media ist bei denen ein ganz großes Thema. Bräute kommen auch sehr häufig mit Fotos als Vorlage an.

Wie viel Trinkgeld sollte man als Kunde geben?

Je nachdem, wie gut es war. Es gibt keine Formel dafür, wie viel Trinkgeld angemessen ist. Aber wir freuen uns natürlich immer über Trinkgeld.

Ärgern Sie sich, wenn ein Kunde Ihnen mal kein Trinkgeld dalässt?

Nein, eigentlich nicht. Sauer und enttäuscht bin ich nicht, weil ich den Beruf sehr gerne ausübe. Das Trinkgeld-Verhalten der Kunden ist übrigens sehr spannend. Häufig spielt der Bereich, in denen sie selbst arbeiten, eine Rolle, wie viel Trinkgeld sie geben. Kunden, die im Service-Bereich arbeiten, sind oftmals eher bereit, Trinkgeld zu geben. Sie kennen das ja auch, weil sie selbst mit Kunden zu tun haben.

Welche Frisur muss ich tragen, um in diesem Jahr im Trend zu liegen?

Bei den Damen sind die Pastellfarben sehr modern. Auch der Bob ist weiterhin angesagt. Bei den Herren geht der Trend zur klassischen Bombage-Frisur – wie bei Elvis. Die Haare sollten eher länger sein und dafür schön gestylt. Und der Bart liegt wieder im Trend. Die Bartkultur wird bei den Herren immer wichtiger.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN