Komödie zum Jubiläum Frau Müller in der Quakenbrücker Theaterwerkstatt

Von Bjoern Thienenkamp


Quakenbrück. Seit 30 Jahren bescheren die Mitglieder der Theaterwerkstatt den Quakenbrücker Kulturfreunden mal vergnügliche, mal nachdenkliche, aber immer wieder kurzweilige Erlebnisse. Klar, dass dieses Jubiläum mit einer Premiere gefeiert wurde.

Stefan Heil ist mit seinen 50 Jahren ein gestandener Kerl. Ehre und Anerkennung gebühren seiner Theaterwerkstatt, die weit über Quakenbrück hinaus einen vorzüglichen Ruf genießt. Noch mehr Respekt aber verdienen die Anfänge, als Stefan Heil vor 30 Jahren als 20-jähriger Jüngling begann, aus einer freien Gruppe einen kulturellen Verein zu gründen. Allemal angemessen gefeiert wird das Jubiläum mit einer Komödie aus dem Klassenzimmer. Das Theaterkabarett „Gretchen 89 ff“ von Lutz Hübner noch in guter Erinnerung, fiel mit der Komödie „Frau Müller muss weg!“ die Wahl nun erneut auf den 54-Jährigen. Fünf Eltern gegen eine Lehrerin – das ist die Mischung, die das elternabendliche Klassenzimmer zum Brodeln bringt. Obwohl: Zählen zwei Eltern überhaupt als zwei, wenn sie nur ein Kind haben? Nun ja, in drei Monaten steht der Wechsel der Schüler an weiterführende Schulen bevor, und da müssen die Noten natürlich den Anforderungen des Gymnasiums entsprechen. Tun sie aber nicht! Und schuld ist natürlich die Klassenlehrerin Müller – meinen die Eltern.

Das Feindbild hinter dem Lehrerpult

„Das müssen wir in maximal einer halben Stunde durchziehen“, sind sich die Eltern vor dem Eintreffen der Lehrerin einig. „Die hat ihre Chance gehabt.“ Und: „Die Frau wird zickig, wenn man sie kritisiert.“ So lautet das Feindbild, obwohl: „Drei Jahre lang waren wir alle sehr zufrieden mit ihr.“ Nun aber heule sie vor der Klasse und gehe in Therapie – ein Zeichen für die Wechseljahre? „Dieses Treffen ist ein Entgegenkommen unsererseits“ und „Lass uns doch gleich mal was ganz Verrücktes machen: zielorientiert handeln“, beginnt also eine Auseinandersetzung, bei der es von der Mutter des Klassenbesten vorab sogar noch Blumen gibt. Müller kontert gekonnt, bezeichnet sich als „das beste Pferd im Stall“, erklärt ihren Besuch in der Physio-Therapie mit Rückenschmerzen und das Weinen mit einem ins Auge geworfenen Papierkügelchen. „Ich bin Beamtin, nicht ihr Hausmädchen“, stellt sie ebenso klar wie ihr Fazit des Bildungssystems: „Alles kann die Schule nicht auffangen!“ Abgang. Nun gehen sich die Eltern gegenseitig an, sprechen vom „bayerischen Klassenkasper mit ADHS“ oder den „Computerspielen, die Schulwissen im Langzeitgedächtnis löschen“.

Kurswechsel nach Blick in die Tasche

Wird Müller wiederkommen? Ihre Tasche ist noch da. Hat sie da denn ihre Schlüssel drin? Ja, wie die Eltern dreisterweise nachschauen. Also bleiben höchstens noch eineinhalb Stunden, bis der Hausmeister um zehn Uhr abschließt. Weitere Blicke der einzelnen Eltern in die Tasche ergeben, dass die Noten der Kinder ja doch sehr ordentlich sind. Fazit: „Wenn die diesem Sauhaufen solche Noten gibt, müssen wir die behalten“, lautet der Anlass für einen rasanten Kurswechsel. Als Frau Müller wiederkommt, soll sie nun also zum Bleiben überredet werden. Eine unerwartete Wende haben die Eltern dabei jedoch nicht auf ihrem Plan... Die schauspielerische Leistung von Uwe Berning, Martin Biemann, Martina Fischer, Meike Rump, Alli Schröder und Iris Steinkamp, in wechselnder Besetzung mit Sabine Kuhlmann und Nathalie Lebescond im einzelnen zu bewerten, wäre der künstlerischen Teamleistung gegenüber unfair.

Die Gruppe entscheidet über das Stück

„Wir haben das Stück ausgewählt, weil es gut zum Ensemble passt und wir die Rollen gut besetzen konnten – das ist eine gemeinsame Entscheidung in der Gruppe“, erklärt Stefan Heil. „Seit August haben wir jede Woche zwei bis drei Stunden geprobt“, definiert der 50-Jährige die Arbeitsleistung. „Wer Interesse hat, mitzuspielen: Wir sind offen, das kann man sich Mittwochabends um 20 Uhr unverbindlich anschauen“, sagt der Vorsitzende. Wenn man Monika Herding glaubt, ist die Komödie eher eine Realsatire, denn: „Das sind die Eltern, die sagen, Schule muss alles leisten, es liegt an der Schule, nicht an den Kindern“, weiß die Schulassistentin aus ihrer beruflichen Praxis. „Hier wird der Spiegel vorgehalten, die Eltern planen die Karriere des Kindes, ob es das kann, interessiert ja nicht, das Kind wird zum Prestigeobjekt“, resümiert die 55-Jährige.

Weitere Aufführungen mit Kartenverfügbarkeit am Dienstag, 6. März, Sonntag, 11. März, Mittwoch, 14. März, und Freitag, 16. März, jeweils um 20 Uhr.