Abschied und Neubeginn Quakenbrücker Musiktage enden mit Frühlingskonzert

Von Irina Doelitzsch-Kaufmann

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Vom ersten Ton an agierte Nemanja Radulovic gemeinsam mit Tijana Miloševic und dem Kammerorchester Double Sens aus Frankreich. Foto: Irina Doelitzsch-KaufmannVom ersten Ton an agierte Nemanja Radulovic gemeinsam mit Tijana Miloševic und dem Kammerorchester Double Sens aus Frankreich. Foto: Irina Doelitzsch-Kaufmann

idk Quakenbrück. Mit dem Frühlingskonzert am Samstagabend sind die Quakenbrücker Musiktage zu Ende gegangen.

Abschied und Neubeginn könnte man als Motto für das Konzert wählen. Abschied, denn es war das letzte Konzert der Saison 2017/2018. Abschied auch, weil der langjährige Intendant Günter Schuhriemen seine Tätigkeit beendet. Abschied, weil das mit „Frühlingskonzert“ überschriebene Konzert hoffen lässt, dass der Winter endlich seinen Abschied einreicht. Neubeginn, weil mit Christian Aumann als neuem Intendanten eine neue Ära beginnt. Neubeginn, weil sich die Zuhörer in der Saison 2019/2020 auf neue, wunderbare Konzerte freuen dürfen und nicht zuletzt Neubeginn in der Hoffnung auf Frühling. Neubeginn aber auch, weil in dem 33-jährigen Violinsolisten Nemanja Radulovic eine neue Generation Weltstars heranwächst. Was für ein Talent und welch Bühnenpräsenz! Vom ersten Ton an agierte Radulovic gemeinsam mit dem Kammerorchester Double Sens aus Frankreich, und anders als viele Solistenkollegen bildete er eine Einheit mit dem Orchester.

Warmer, weicher Klang

Immer wieder drehte sich Radulovic zu seinem Orchester um, animierte einzelne Instrumentalisten zu Tempo, Ausdruck oder Phrasierung. Das wäre gar nicht nötig, denn das Ensemble machte seine Sache ausgezeichnet. Stets gaben sie dem Solisten den nötigen Raum, blieben aber immer präsent. Ein warmer und sehr weicher Klang kennzeichnete ihr Spiel. Wer hätte gedacht, dass man so viel Feuer in Barockmusik legen kann!

Technische Perfektion

Radulovic und seine Duopartnerin Tijana Miloševic präsentierten dem Zuhörer in Johann Sebastian Bachs Violinkonzert a-Moll ebenso wie im Doppelkonzert in d-Moll ein ganz neues Klangerlebnis. Völlig unerwartetes Temperament erhielten beide Konzerte in Quakenbrück, und das tat ihnen gut. Radulovics Stärke zeigte sich deutlich in technischer Perfektion. Diese ermöglichte es ihm, in geradezu atemberaubenden Tempi zu spielen. Unglaublich, wie schnell er und auch die Spieler des Streichorchesters Finger und Arme bewegen konnten. In den Adagio-Sätzen durfte das Ensemble seine lyrische Seite zeigen und damit überzeugen.

Antonio Vivaldis „Sommer“ aus den „Vier Jahreszeiten“ ist überschrieben mit Allegro non molto (nicht sehr schnell), das Radulovic – nach den Konzerten von Bach wenig überraschend – in molto Allegro abwandelte und zwar ausgesprochen molto! Ohne gehetzt zu wirken, trieb er das Orchester durch die Sätze, geriet dabei nie aus der Spur. Eine beeindruckende dynamische Bandbreite im Gesamtensemble zeigte der dritte Satz des „Sommers“.

Kantabel und zart

Die zweite Hälfte des Abends eröffnete mit Johannes Brahms’ Ungarischem Tanz Nr. 1, der hier weniger lyrisch gespielt wurde, als man ihn sonst hört. Keine Überraschung beim Temperament dieser Spieler.

Fast Schmerzen verursachte einem „Als die alte Mutter mich noch lehrte singen“ aus Antonin Dvoraks Zigeunermelodien. So kantabel und zart, begleitet von einem vollen und warmen Orchesterklang, zeugte das Spiel von fast entrückter Schönheit. Mit Aram Khachaturians Säbeltanz hatte Radulovic auch den Zurückhaltendsten im Publikum erreicht, und die Begeisterung brach sich Bahn. Neben der Perfektion war die überschäumende Spielfreude das herausragende Merkmal dieses Abends. Zwar gibt es viele hervorragende Solisten und Orchester, aber wenige mit so viel Pep, Lebens- und Spielfreude vom ersten bis zum letzten Ton.


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