Verkehr nutzt Schleichwege Baustelle auf B 68 sorgt bei Badbergern für Frust und Ärger

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Badbergen/Quakenbrück. Seit einem Monat behindert die Brückenbaustelle auf der Bundesstraße 68 zwischen Badbergen und Quakenbrück den Verkehr. Die meisten Autofahrer folgen der Umleitung. Viel zu viele ignorieren sie aber und weichen auf Schleichwege aus. Anwohner im Badberger Außenbereich sind genervt.

An der Esslinger Heide ist es seit Mitte Januar mit der Ruhe vorbei. Bis dahin nutzten überwiegend Anlieger und Landwirte die schmale Gemeindestraße im Norden Badbergens. Doch seit das Land Niedersachsen die Brücke über die Lechterker Rückleitung neu baut und dafür die Bundesstraße 68 aufreißen ließ, ist die Straße bei Autofahrern eine beliebte Abkürzung. Die Baken und Schilder, die den Durchgangsverkehr von der Esslinger Heide eigentlich fernhalten sollen, sind ihnen schlichtweg egal. Sie kariolen über diesen und andere Binnenwege Richtung Quakenbrück. Morgens zwischen 6 und 9 Uhr und nachmittags zwischen 16 und 18 Uhr sei es am schlimmsten, klagt Anwohner Dieter Vollmer. Dann brettern die Autos in Kolonnen über die enge Straße, auf der Begegnungsverkehr kaum möglich ist.

Ausgefahrene Seitenränder

Die Spuren sind nicht zu übersehen: Die Seitenränder sind ausgefahren, und wenn es regnet, verwandeln sich die Bankette in Schlammstreifen. „Wie das wohl wird, wenn im Frühjahr auch noch die Trecker auf der Esslinger Heide unterwegs sind“, mag sich Anwohner Horst Stüwe das Verkehrschaos vor seiner Haustür gar nicht ausmalen. Was nicht nur ihm auffällt: Es sind nicht nur Ortskundige, die die offizielle Ausweichstrecke meiden und die Abkürzung nutzen, Auswärtige aus den Nachbarkreisen folgen ihnen blind, wie die Kfz-Kennzeichen CLP, VEC, EL und andere vermuten lassen. Das OS-Kennzeichen, so denken sie scheinbar, navigiert sie sicher durch den Außenbereich.

Kinder in Gefahr

Die Anlieger sind sichtlich genervt vom zunehmenden Verkehr vor der Haustür. Und nicht wenige Eltern bangen um die Sicherheit ihrer Kinder. „Dazu kommt eine rücksichtslose Fahrweise“, klagen Lasse und Gina Böhne. Ihr Sohn, berichten sie, sei von einem Autofahrer geblendet und von der Straße gedrängt worden. „Und dann musste er sich noch wüst beschimpfen lassen.“ Nicht nur Böhnes haben sich entschieden, die Kinder vorerst nicht mehr mit dem Rad fahren zu lassen. „Seit Baubeginn spiele ich Taxi“, merkt Gina Böhne an. Sie chauffiert die Kinder nicht nur zur Schule, sondern auch zum Sport und zu Freunden. Sicher ist eben sicher.

Samtgemeinde bleibt auf Kosten sitzen

50 km/h sind zurzeit auf der Straße Esslinger Heide erlaubt, „die Wirklichkeit sieht anders aus“, klagen Rike Grote und Bianca Bölke über permanente Geschwindigkeitsübertretungen und jede Menge Müll, den Autofahrer im Vorbeifahren aus dem Fenster werfen. Sie fordern zusätzliche Polizeikontrollen und Geschwindigkeitsmessungen. Anders sei den Autofahrern ja offenbar nicht beizukommen. Außerdem bewegt die Anlieger die Frage, wer für die Reparatur der ausgefahrenen Straßenseitenränder aufkommen muss. „Die sind für solche Lasten doch gar nichts ausgelegt.“ Die Antwort: Die Samtgemeinde Artland bleibt auf den Kosten sitzen. Paragraf 15a, Absatz 2 des Niedersächsischen Straßengesetzes regelt das eindeutig: Das Land Niedersachsen als „Umleitungsverursacher“ muss nur für eventuelle Schäden auf der ausgewiesenen Umleitungsstrecke einstehen. Schleichwege wie die Esslinger Heide sind außen vor.

Verwaltung: Keine komplette Sperrung möglich

Das Problem des Schleichverkehrs mit allen Folgen ist längst im Quakenbrücker Rathaus angekommen. Heinz Korte, zuständiger Fachbereichsleiter für Ordnung und Bürgerservice der Samtgemeinde Artland, stellt klar, dass der überörtliche Verkehr nicht über Gemeindeverbindungsstraßen wie die Esslinger Heide rollen darf. „Die sind dafür nicht ausgelegt.“ Es werde alles versucht, um die Schleichverkehre zu unterbinden und „wesentlich zu erschweren“. Eine komplette Sperrung sei jedoch nicht möglich, „eine Durchfahrmöglichkeit muss bleiben – für Müllwagen, Schulbus und im Ernstfall für Rettungsfahrzeuge“.

„Beste Lösung“ gesucht

Die von den Anliegern immer wieder vorgetragenen Sorgen und Hinweise nehme die Verwaltung sehr ernst. „Wenn es konkrete Vorschläge gibt, wie die Situation verbessert werden könnte, hören wir uns die gerne an“, verspricht er, dass die Verwaltung weiter nach der „besten Lösung sucht“. Korte weiß natürlich auch, dass sich manche Zeitgenossen einen wahren Spaß daraus machen, aufgestellte Baken zu umfahren und „Durchfahrt-verboten-Schilder“ zu missachten. Allerdings: Für Kontrollen des fließenden Verkehrs sei die Polizei zuständig, nicht die Kommune. Dass der Weg durch den Außenbereich schneller zum Ziel führt als die offizielle Umleitung, bezweifelt er. Das sehen auch die Anlieger so. Zweimal pro Stunde kreuzt die Nordwestbahn die Straße Esslinger Heide, jedes Mal bilden sich gerade zu den Stoßzeiten lange Schlangen auf beiden Seiten der Bahn. Und wenn die Schranken wie am vergangenen Freitag für mehrere Stunden ausfallen, sich nicht öffnen und der Verkehr umdrehen muss, dann ist das Chaos perfekt. „Da standen wohl 50 Autos, es ging nicht vor und nicht zurück“, berichtet Gina Böhne.

Umleitung führt über klassifizierte Straßen

Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Osnabrück, die die Sperrung der Bundesstraße 68 wegen des Brückenbaus beantragt hat, sieht sich nicht in der Verantwortung. Mit Polizei und Samtgemeinde Artland als Verkehrsbehörde seien „klassifizierte Straßen“ für den Umleitungsverkehr ausgewiesen worden. Um die Verkehre zu entzerren, werde Pkw- und Lkw-Verkehr auf der B68 aus Richtung Bersenbrück über Badbergen und Groß Mimmelage nach Quakenbrück umgeleitet. Nur der Verkehr von Quakenbrück Richtung Bersenbrück werde über einen Wirtschaftsweg provisorisch an der Baustelle vorbeigeführt.

Landesbehörde: Ampel keine Lösung

Eine Ampellösung, bei der der Verkehr wechselseitig an der Baustelle vorbeigeführt worden wäre, hätte „zu erheblichen Rückstaus auf der B 68 in beiden Fahrtrichtungen mit der Folge weiterer, noch sehr viel massiverer unkontrollierter Such- und Ausweichverkehre“ geführt, erläutert Geschäftsbereichsleiter Cord Lüesse. Seine Behörde habe keine Möglichkeit, die Schleichverkehre über die Nebenstraßen zu unterbinden.

Polizei kündigt Kontrollen an

Die Beschwerden über den Schleichverkehr kennt auch die Polizei in Quakenbrück. Deren Leiter Henrik Marten kündigt an, im Rahmen der Möglichkeiten stichprobenartig zu kontrollieren. Jeder Fahrer, der die Strecke als Abkürzung benutzt und kein Anlieger ist, beginge damit eine Ordnungswidrigkeit. Nur: Der Nachweis dürfte nicht immer einfach sein. Genau wie Heinz Korte appelliert der Polizeichef an die Vernunft der Autofahrer, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen und Rücksicht auf andere zu nehmen. „Wären sie betroffen, würden sie das auch verlangen.“


Brückenbau dauert sechs Monate

Ein halbes Jahr Bauzeit hat die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr für die Erneuerung der Brücke für „nicht zu üppig bemessen“, sagt Cord Lüesse, Leiter des Geschäftsbereichs Osnabrück. Es handele sich nicht wie immer wieder behauptet um einen Durchlass, „sondern um eine ‚richtige‘ kleine Brücke“. Diese habe eine Stützweite von 2,75 Metern und eine Breite zwischen den Geländern von 13 Metern. Die größte Herausforderung bei diesem Bauwerk besteht nach Lüesses Worten angesichts der Bodenverhältnisse in den Gründungsarbeiten und dem Baugrubenverbau. „Die ausführende Firma ist aber bemüht, die Baumaßnahme schnellstmöglich fertigzustellen“, sagte er. cg

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