Mal verträumt, mal emanzipiert Ein märchenhafter Abend in der Quakenbrücker Bücherei

Von Bernard Middendorf

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Kein Stuhl mehr frei war während des Märchenabends für Erwachsene, den die Bücherei der Samtgemeinde Artland veranstaltete. Foto: Bernard MiddendorfKein Stuhl mehr frei war während des Märchenabends für Erwachsene, den die Bücherei der Samtgemeinde Artland veranstaltete. Foto: Bernard Middendorf

Quakenbrück. „Ausverkauft“ – das können Initiatorinnen von Veranstaltungen der Bücherei der Samtgemeinde Artland in Quakenbrück nicht allzu häufig verkünden. Beim Märchenabend für Erwachsene war es der Fall.

Wer kam, bereute es nicht, erlebte Vorträge zum Sinnieren, Lächeln und manchmal auch zum Fürchten – natürlich nur bis zum obligatorischen Happy End. Drei Erzählerinnen, dazu verträumte Harfenmusik von Susanne Hoffmann – das war wirklich märchenhaft. Applaus erhielten die Protagonistinnen nicht erst am Ende der Veranstaltung. Marion Homann hatte stellvertretend für das Bücherei-Team die Besucher begrüßt und sprach später von einem gelungenen Abend – völlig zu Recht, denn schon zu Beginn wurden mit einem Gedicht die Herzen aller erreicht: „Wenn du 1000 Gründe zu leben findest – die Liebe steht an deiner Seite“ Liebende seien aber auch immer gefährdet. Heide Reuter-Siegmann schlüpfte als erste bei ihrem eindrucksvollen Vortrag buchstäblich in verschiedene Rollen und ließ Fantasiegestalten lebendig werden.

Nicht jedes ausgewählte Märchen an diesem Abend war Allgemeingut. Das von „Jorinde und Joringel“ kannten vermutlich alle Zuhörer, und dennoch verfolgten sie den anfangs schier aussichtslosen Kampf des mutigen Jünglings um seine schöne Geliebte, als hätten sie niemals davon gehört. Gelöste Mienen, als Jorinde von einer Nachtigall wieder zur Jungfrau wurde, 7000 Vögel befreit und die böse Zauberin bezwungen war.

Frauen in der Überzahl

Die Erzählung von der sehr emanzipierten Prinzessin, die sich – verkleidet als Mann – furchtlos in das Allerheiligste eines sehr frauenfeindlichen Königs begibt, hätte mehr männliche Zuhörer verdient gehabt; dafür jedoch lauschte die weibliche Mehrheit mit umso größerem Vergnügen den grausamen Spielchen, die die Heldin mit dem längst in sie verliebten Herrscher veranstaltete: „Was ist ein Pfeil ohne Köcher?“, konterte sie dessen Macho-Gebaren und setzte mit der Frage nach, was denn die Nacht ohne das Licht der Frau wäre. Täuschte es oder krochen die wenigen tapfer ausharrenden Männer noch ein wenig mehr in sich zusammen?

Unmöglich, weitere Details der professionellen Erzählkünste von Martha Vogelsang – ehemalige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Buchholz – , von Heike Koschnike, die vor Monaten mit „Kamishibai“ die Kinder und jetzt die Erwachsenen begeisterte, oder von Heide Reuter-Siegmann hervorzuheben. Ein gelungener Abend in der Bücherei der Samtgemeinde Artland war es allemal – Wiederholung hoffentlich nicht ausgeschlossen.


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