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Preis liegt bei 1,05 Millionen Euro Quakenbrücker Bahnhof wird zum Verkauf angeboten

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Als Empfangshalle dient der Quakenbrücker Bahnhof nicht mehr. 2014 hatte die Stadt als Eigentümerin das 1910 gebaute Jugendstil-Gebäude verkauft. Seit der Sanierung beherbergt er Büros und eine Pizzeria.Foto: Christian GeersAls Empfangshalle dient der Quakenbrücker Bahnhof nicht mehr. 2014 hatte die Stadt als Eigentümerin das 1910 gebaute Jugendstil-Gebäude verkauft. Seit der Sanierung beherbergt er Büros und eine Pizzeria.Foto: Christian Geers

Quakenbrück. Das Quakenbrücker Bahnhofsgebäude steht zum Verkauf. Auf einem Immobilien-Portal wird das unter Denkmalschutz stehende Jugendstil-Gebäude aus dem Jahr 1910 für 1,05 Millionen Euro angeboten. 2014 hatte die Stadt es verkauft, ein Investor hatte es aufwendig saniert.

„Historisch kluge Kapitalanlage im Herzen von Quakenbrück“ – mit diesen Worten wird die Immobilie mit einer Nutzfläche von 2459 Quadratmetern angeboten. Besitzer des Bahnhofs ist die Firma Hettwer in Ankum, die das Gebäude im April 2014 gekauft hatte. Ein Jahr zuvor hatte die Stadt als Besitzerin des damals sanierungsbedürftigen Bahnhofs einen Investor gesucht. Architekt Helmut Hettwer und sein Sohn Andreas entwarfen die Idee des Bürobahnhofs – erst Office Station, dann Office Center genannt – und bekamen dafür viel Lob und Beifall. Der Stadtrat votierte nach ausführlicher Diskussion und einer Bürgerversammlung im April 2013 mit deutlicher Mehrheit für diesen Vorschlag – gegen die beiden anderen Nutzungsvorschläge „Gehobene Gastronomie“ und Seniorenresidenz.

Eigentümer: Verkauf im Rahmen der geltenden Verträge

„Es gibt Interessenten, aber noch keinen Käufer“, sagte Andreas Hettwer auf Anfrage unserer Redaktion. Ob es überhaupt einen Bewerber gebe, müsse abgewartet werden. „Und wenn ein Verkauf erfolgt, dann selbstverständlich im Rahmen der geltenden Verträge“, stellte er klar. Der Bürobahnhof ist nach seinen Worten komplett und langfristig an mehrere Firmen vermietet.Das Online-Immobilienportal bewirbt den Bahnhof als Renditeobjekt.

Zuschuss aus dem Programm Stadtumbau West

Die Offerte im Internet und die Tatsache, dass der Prachtbau aus Kaisers Zeiten mit öffentlichen Mitteln in Höhe von 2,1 Millionen Euro saniert wurde, sorgt in Quakenbrück für Fragen und lässt nach den Worten von Stadtdirektor Claus Peter Poppe im Rathaus das Telefon klingeln.

Die Antworten auf die wichtigsten Fragen

Kann der Eigentümer den Bahnhof einfach so verkaufen? Ja, kann er. Allerdings gelten für einen Käufer auch weiterhin die Sanierungsauflagen, die 2014 in den Kaufvertrag einflossen.

Welche Bedingungen sind das? Zunächst ist die Nutzung des Gebäudes als Bürobahnhof für die Dauer von zehn Jahren festgeschrieben. Ein anderer Zweck – zum Beispiel für Wohnen – ist also zunächst nicht möglich. Das ist schriftlich zwischen Stadt und Investor vereinbart worden. Außerdem sei der Mietpreis ebenfalls für diesen Zeitraum festgelegt, ergänzt stellvertretender Stadtdirektor Frank Wuller auf Anfrage. Und: Bei einem Verkauf hätte die Stadt Quakenbrück auch noch ein Vorkaufsrecht.

Hat die Stadt ein Mitspracherecht? Eindeutig ja, ohne ein Votum des Rates geht gar nichts. Der Bahnhof liegt im Sanierungsgebiet Stadtumbau West. Das bedeutet, dass nach Paragraf 144 Baugesetzbuch bei einem Verkauf das kommunale Einvernehmen erteilt werden müsste. Die Stadt wird darauf achten, dass jede weitere Nutzung dem Sanierungsziel dient. Im Klartext: Die Stadt Quakenbrück besitzt eine Kontrollfunktion und kann eingreifen, wenn Pläne und Vorhaben dem Sanierungsziel zuwiderlaufen.

Was passiert mit dem Sanierungszuschuss in Höhe von 2,1 Millionen Euro? Dieser Betrag ist nach Verhandlungen zwischen Stadt, Sanierungsträger, N-Bank und dem Sozialministerium als einmaliger Zuschuss an den Investor geflossen, der seinerseits Eigenmittel für die Herrichtung eingebracht hat. Der Zuschuss nach der Städtebauförderung wurde exakt berechnet als Ausgleich für die „nicht rentierlichen Kosten“. Es geht also um den Ausgleich der Nachteile, die das Bahnhofsgebäude bereitete, weil der Sanierungsbedarf sehr hoch war. Sollte es also zu einem Verkauf kommen und – theoretisch – ein Kaufpreis von mehr als 2,1 Millionen Euro erlöst werden, müsste jeder Euro, der über diese Summe hinaus-geht, zurückgezahlt werden.

Was passiert nach Ablauf der zehnjährigen Bindungsfrist? Theoretisch wären eine neue Nutzung und ein Umbau möglich. Aber auch in diesem Fall würde die Stadt ein Wort mitsprechen, weil der Bahnhof weiter im Sanierungsgebiet liegt. Und es gilt weiter, dass der Stadtrat das Vorhaben genehmigen müsste.


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