Was lernt eine Industriekauffrau? Wie man in Nortrup zum Allrounder ausgebildet wird

Von Cristina Schwietert

Imke Mesch an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Cristina SchwietertImke Mesch an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Cristina Schwietert

Nortrup. „Ich wollte genau das machen, was ich jetzt mache“, sagt Imke Mesch. Die 19-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei der Firma Delkeskamp. Auch eine Fahrt mit dem Lkw steht auf dem Stundenplan der Allrounderin.

Es ist einige Wochen her: Da steht Imke Mesch pünktlich um sechs Uhr morgens auf dem Gelände der Nortruper Firma Delkeskamp, genauer gesagt an der Tür eines Firmen-Lkw. Franz Kreye, der Fahrer, nimmt sie in Empfang. Imke Mesch, im zweiten Lehrjahr zur Industriekauffrau, wird ihn bei der täglichen Auslieferungstour begleiten. Sie lernt an diesem Praxis-Tag eine Menge von Franz Kreye. „Es ist wichtig für mich zu erleben, wie die Kunden ticken und die Auslieferung funktioniert“, sagt sie. Bei Delkeskamp gehört es zum Ausbildungsprogramm, dass die kaufmännischen Auszubildenden alle Firmenbereiche – vom Labor über Entwicklung und Rechnungswesen bis hin zum Vertrieb – in mehrwöchigen Praktika durchlaufen. „So lernen wir das, was bei Delkeskamp hergestellt wird von der Produktion bis zur Auslieferung gründlich kennen. Wir wissen dann, wovon wir sprechen, wenn wir einen Kunden betreuen“, sagt die 19-Jährige aus Talge.

Mehrere freiwillige Praktika gemacht

Nach ihrem Abitur am Gymnasium Bersenbrück und mehreren freiwilligen Praktika im kaufmännischen Bereich, stand der Berufswunsch für Imke Mesch fest: „Ich wollte genau das machen, was ich jetzt mache“, stellt sie fest. Industriekaufleute seien die Allrounder im Betrieb: „Wir müssen uns gut auskennen und sind sehr vielseitig einsetzbar“, beschreibt sie die Ausbildung. „Im zweiten Lehrjahr bekommen wir ein Projekt, das wir bearbeiten müssen. Meine Gruppe hat die Aufgabe bekommen, für die Homepage von Delkeskamp Videos zu den vielen verschiedenen Ausbildungsberufen im Unternehmen zu erstellen.“ Die Delkeskamp Verpackungswerke wurden 1886 in Nortrup gegründet und sind heute ein Familienunternehmen mit 680 Mitarbeitern, davon 30 Azubis. Firmenstandorte sind Nortrup und Hannover. Die Produktpalette umfasst die Herstellung und Verarbeitung von Verpackungslösungen aus Papier, Wellpappe und Schaumstoff. Ergänzend zur dualen Ausbildung werden durch das Programm „Azubi Plus“ weiterführende Kenntnisse in den Bereichen Selbst- und Konfliktmanagement, Präsentation und Projektarbeit vermittelt. Im Oktober 2017 wurden die Delkeskamp Verpackungswerke vom Wirtschaftsmagazin „Capital“ in die Liste der besten Ausbilder Deutschlands aufgenommen.

Persönlichkeit ist wichtiger als höhere Mathematik

Marie Klausing ist 28 Jahre alt, Personalsachbearbeiterin und bei Delkeskamp als Ausbilderin für die kaufmännischen Berufe zuständig. „Natürlich sollte jemand, der bei uns einen kaufmännischen Beruf erlernen will, ein gewisses mathematisches Verständnis haben“, erklärt die Industriekauffrau. „Aber wir brauchen im Job keine höhere Mathematik. Viel wichtiger als super Noten in Mathe ist uns die Persönlichkeit des Bewerbers.“ Er oder sie sollte nach ihren Worten pfiffig sein, Eigeninitiative und Lust auf Verantwortung haben, offen für Neues sein. Die Einsatzmöglichkeiten in den kaufmännischen Berufen des Unternehmens seien vielfältig, daher brauche die Firma „offene, interessierte und freundliche Persönlichkeiten“, so Marie Klausing.


Der Ausbildungsberuf: Daten und Fakten

Industriekaufmann/frau ist ein dreijähriger anerkannter dualer Ausbildungsberuf in Industrie, Handel und Handwerk. Industriekaufleute befassen sich mit kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Aufgabenbereichen. Sie arbeiten in der Materialwirtschaft, im Marketing und Vertrieb, im Personal- sowie im Finanz- und Rechnungswesen eines Unternehmens. Angehende Industriekaufleute sollten kaufmännisch orientiert, kommunikativ, sorgfältig sein und gut organisieren können. Ausbildungsvergütungen in der Industrie: 1. Ausbildungsjahr: 935 bis 1010 Euro, 2. Ausbildungsjahr: 987 bis 1056 Euro, 3. Ausbildungsjahr: 1056 bis 1149 Euro; Info im Internet: www.berufenet.arbeitsagentur.de