Ein ganz besonderes Ensemble King’s Singers geben zweistündiges Konzert in Quakenbrück

Von Irina Doelitzsch-Kaufmann

Von der Renaissance bis zum Rock: Zwei Stunden unterhielten die King‘s Singers das Publikum in der St.-Marien-Kirche. Foto: Irina Doelitzsch-KaufmannVon der Renaissance bis zum Rock: Zwei Stunden unterhielten die King‘s Singers das Publikum in der St.-Marien-Kirche. Foto: Irina Doelitzsch-Kaufmann

idk Quakenbrück. Die Quakenbrücker Musiktage biegen auf die Zielgerade ein. Die King’s Singers gaben als vorletzter Programmpunkt in der St.-Marien-Kirche ein Konzert. Es war der dritte Auftritt des Ensembles. Bereits 1999 waren sie in der Burgmannstadt aufgetreten.

Als hätten sie nie etwas anderes getan. Sicher, alle erfuhren schon im Kindesalter eine musikalische Prägung und folgend eine instrumentale und/oder eine Gesangsausbildung. Als Ensemble werden die sechs Sänger (Patrick Dunachie und Timothy Wayne-Wright, Countertenor; Julian Gregory, Tenor; Christopher Bruerton, Christopher Gabbitas, Bariton; Jonathan Howard, Bass) kontinuierlich viele Stunden mit Stimmtraining und Proben verbringen. Immer wieder gab es Veränderungen in der Besetzung der King’s Singers, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiern.

Enormes Maß an Musikalität und Disziplin

Das aktuelle Sextett singt erst seit etwa zwei Jahren zusammen. Es erfordert ein enormes Maß an Musikalität und Disziplin, einen so gelungenen Gesamtklang zu erzeugen. Das, was die King’s Singers bei den Quakenbrücker Musiktagen zu Gehör brachten, war sensationell. Die Kunst besteht in der Mischung der einzelnen Stimmen miteinander. Das Singen der richtigen Töne ist selbstverständlich, ebenso die Intonation und auch die tadellose Aussprache deutscher Texte. Speziell Letzteres ist zwar sehr lobenswert, macht aber noch nicht das Besondere dieses Ensembles aus.

Es sind der Zusammenklang und die Leichtigkeit. Aus dem Nichts entsteht eine Harmonie, jeder weiß, wann er sich zurücknehmen muss, und tut dies auch. Das geschieht wesentlich subtiler als bei A-cappella-Gruppen des Vokal-Pop, die die jeweilige Melodiestimme deutlich in den Vordergrund treten lassen. Bei den King’s Singers dominiert nie eine Stimme die anderen. Man hört die führende Stimme zwar heraus, aber ohne dass es aufdringlich wäre.

Mit Witz, Charme und Augenzwinkern

Dabei spielt es keine Rolle, ob sie sich musikalisch im 15. oder im 21. Jahrhundert befinden, ob sie Geistliches oder Weltliches singen. Johannes Brahms’ „Vineta“ überzeugte ebenso wie europäische Volkslieder. In „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“ versteckten sich musikalische Zitate unter anderem aus Mozarts „Kleiner Nachtmusik“, Beethovens 5. Sinfonie oder Brahms’ „Variationen über ein Thema von Haydn“, vorgetragen mit Witz, Charme und Augenzwinkern. Auch dieses Unernste prägt den Vortrag der King’s Singers und unterscheidet sie von A-cappella-Kollegen.

Dank der zwei Countertenöre im Ensemble steht ihnen sogar die Möglichkeit offen, Werke für gemischte Stimmen zu singen, also geschrieben für Frauen- und Männerstimmen. Die Countertenöre übernehmen dann Sopran- bzw. Altstimme. So kamen die Zuhörer in der St.-Marien-Kirche in den Genuss, Josef Rheinbergers „Abendlied“ zu hören. Komponiert ist es für zwei Sopranstimmen, Alt, zwei Tenorstimmen und Bass und wird zumeist von sehr großen Chören aufgeführt. Bei den King’s Singers klang es ausgesprochen innig, zart und sehr durchsichtig. Dennoch gaben sie der typisch spätromantischen Ausdrucksweise Raum durch entsprechende Dynamik und Agogik, ohne in Kitsch abzudriften.

Publikum fordert zwei Zugaben

Es ist auch die Freude an dem, was sie tun, die ihren Gesang so überzeugend werden lässt. Man sieht in sechs entspannte Gesichter, die zu sagen scheinen: „Es ist toll, dass wir hier sein dürfen, und wir haben Spaß an dem, was wir die nächsten zwei Stunden machen werden. Ihr hoffentlich auch!“ Und so klingen auch die Stimmen, entspannt und locker.

Nach fast zwei Stunden Gesang inklusive zweier Zugaben hatte das Publikum ein Einsehen und entließ das Ensemble – hoffentlich nicht zu lang aus Quakenbrück.