Auftritt in der Artland Arena Comedian Paul Panzer sucht in Quakenbrück das Glück

Von Bjoern Thienenkamp


Quakenbrück. „Glücksritter – vom Pech verfolgt“ ist das aktuelle Programm überschrieben, mit dem der Comedian Paul Panzer am Sonntagabend in der Artland Arena in Quakenbrück sein Publikum amüsierte.

Die Stärke von Paul Panzer ist es eigentlich, vom Hölzken aufs Stöcksken zu kommen, etwa vom Rasenkantentrimmer zur USA-Reise, und trotzdem nicht den Faden zu verlieren. Eigentlich. Denn diesbezüglich hat der Comedian in der ersten Hälfte der Show in Quakenbrück etwas geschwächelt, bleibt eher auf dem Niveau eines sachlich sinnierenden Vortrages.

Gewohnte Betriebstemperatur im zweiten Teil

Oder ist es von ihm einfach nur ungewohnt, dem Thema treu zu bleiben, ohne Umschweife die Facetten des Glücks zu kategorisieren? Allemal erreicht er in der zweiten Hälfte wieder die gewohnte Betriebstemperatur, hält unserer Gesellschaft quasi den Spiegel vor. Bei der Zugabe erweist sich der Till Eulenspiegel unserer Zeit gar als genialer Entertainer.

Macht Schokolade glücklich?

Was macht eigentlich glücklich? Schokolade? „Da müsste man schon zwölfeinhalb Kilogramm essen“, zitiert Panzer die Wissenschaft. „Familie und Freunde machen glücklich“, weiß er und berichtet vom Vorglühen seines Sohnes Bolle mit Freunden, wenn dann nachher an der Bar nur noch Wasser getrunken würde. Dennoch sehe Bolle am Frühstückstisch danach aus, als sei er in eine Kehrmaschine geraten. Augenringe seien eben beim Vorstellungsgespräch nicht so gut. „Guck mal, der Panda spricht“, habe der Vater schon einmal auf den Sohn reagiert.

Der Unterschied zwischen Disco und Club

Über seine Tochter berichtet Panzer, sie fange schon mittwochs an, sich mit Freundinnen für das Wochenende fertigzumachen. Vorzüglich demonstriert er dann mit Tanz, Gesang und Beleuchtung den Unterschied zwischen Disco und Club, wo er seine Tochter ja stets um 22 Uhr abhole, teilweise, wenn der Laden noch zu hat. Käme er zu früh, würde er eben noch eine Runde durchs Gewerbegebiet fahren – ohne Licht. Dass man alt wird, erkenne er daran, von den Türstehern nun gesiezt zu werden. Nun ja, wenn er einen kleinen Aufpasser dann sicherheitshalber nenne, verwundere ihn die Eskalation nicht zu sehr. Gut, dass er dann seinen Doberweiler dabei habe.

Über Frutarier und Suizid-Kartoffeln

Glück laufe biochemisch im Kopf ab, erklärt Panzer, als er von seiner Frau Hilde und ihrer Truppe beim Mädelstag spricht. Freundin Eugenia, bei der er eher an ein Kriegsschiff denke, bezeichne er als Tante Vader und ihren silbernen Mercedes als Todesstern. 14 Eierschneider habe Hilde schon gekauft. „Ein Mann braucht so etwas nicht, der isst sein Ei mit Unterdruck, wie die Toiletten bei der Deutschen Bahn“, erklärt Panzer. Färbetabletten für Ostereier kaufe Hilde auch auf Vorrat. „Täglich werden sieben Millionen Eier gegessen – wir hätten genug Farbe für alle“, resümiert der Spaßvogel. Auch Brot als Singular kenne ein Mann gar nicht. Eine Frau mache sich ein Brot, Männer würden das stets stapelweise tun. Über Frutarier scherzt Panzer, das seien Menschen, die nur Früchte essen würden, die sich selber aufgegeben hätten, Suizid-Kartoffeln etwa. Ob es bald auch Crashtarier geben werde, die auf das Ableben angefahrener Tiere warten würden?

Das Pech wartet im Flur

„Das Glück ist in der Stube – das Pech wartet schon im Flur“, zitiert Paule ein altes russisches Sprichwort. „Vielleicht ist es schon Glück, wenn mal nichts passiert“, greift Panzer das Thema nach der Pause wieder auf. „Wenn meine Mutter über die Straße geht und auf der anderen Seite ankommt, meint sie schon: Glück gehabt“, erzählt er. Geschenke etwa zur Silberhochzeit bezeichnet er als Quartalspreise, findet aber, eine Petersilien-Hochzeit sei mit zwölfeinhalb Jahren nicht mehr zeitgemäß, vielmehr solle doch eine Kressehochzeit eingeführt werden – mit vier Tagen – schließlich sei das in Echtzeit und nicht in gefühlter Zeit.

Zurück zur Kommunikation

„Wir müssen zurück zum Zwischenmenschlichen – zur Kommunikation“, resümiert Panzer. Furchtbar aber sei es, wenn ein Musicaldarsteller die deutsche Sprache nicht beherrsche, sondern etwa ein Neuseeländer in „Der König der Löwen“ seinen Text nur phonetisch gelernt habe. „Das war das erste Mal, dass ich versucht habe, meinen Körper zu verlassen“, erinnert sich Panzer.

Paul Panzer als Sprachtalent?

Als Zugabe beeindruckt der Witzbold dann glorreich mit eben diesem phonetischen Können: Auf der Gitarre spielt er Musik, mit der Frauen zu beeindrucken seien und zu der er singt – auf Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch und Niederländisch – oder was man dafür halten kann.