Längere Vorlaufzeit Kein Abordnungchaos an den Schulen im Altkreis Bersenbrück

Von Mirko Nordmann und Jürgen Ackmann

Das Lehrerzimmer im Gymnasium tauscht derzeit so mancher Pädagoge mit dem in anderen Schulen. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpaDas Lehrerzimmer im Gymnasium tauscht derzeit so mancher Pädagoge mit dem in anderen Schulen. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

nor/ja Altkreis Bersenbrück. Auch im zweiten Schulhalbjahr müssen die Gymnasien in Quakenbrück und Bersenbrück sowie die IGS Fürstenau wieder Lehrer an andere Schulen abgeben. Doch anders als im vergangenen Sommer sorgen die Abordnungen diesmal nicht für unnötige Schwierigkeiten.

Rückblick, Sommer 2017: Die Stundenpläne waren geschrieben, das Schuljahr schon gestartet. Dann erreichte die Schulleiter der Gymnasien in Niedersachsen die Information, dass sie Lehrkräfte an Ober- und Grundschulen abordnen müssen. Die kurzfristige Lehrerverschickung sorgte bei Schulleitern, Lehrern, Schülern und Eltern für Empörung, weil die Bedarfe der Grund- und Oberschulen schon eher hätten festgestellt werden können.

Auch im zweiten Schulhalbjahr müssen die Gymnasien wieder Personal abgeben, damit die Versorgungslücken an Grund- und Oberschulen gestopft werden können. Der große Unterschied zum Sommer: Diesmal wussten die Schulleiter der Gymnasien viel eher Bescheid, wie viele Wochenstunden sie entbehren müssen. Weil die drei Schulen mit gymnasialer Oberstufe (Sekundarstufe II) im Altkreis Bersenbrück zudem personell recht gut aufgestellt sind, sind die Schulleiter zwar nicht begeistert über die erneuten Abordnungen, man hilft aber selbstverständlich aus.

Im Gegenzug eine Lehrerstelle mehr

Falk Kuntze, Schulleiter am Gymnasium Bersenbrück, muss in diesem Halbjahr zwar Lehrstunden abgeben als zuvor, hat aber im Gegenzug aus dem Dezernat II der Landesschulbehörde eine Lehrerstelle mehr bekommen. Das bedeutet, dass das Gymnasium eine zusätzliche Lehrkraft bekommt, weil eine freie Stelle an einer Grund- oder Oberschule, für die das Dezernat II zuständig ist, nicht besetzt werden konnte. „Mit diesem Deal kann ich leben“, sagt Kuntze, der nun anstatt 20 Lehrstunden 36 Stunden an die von-Ravensberg-Schule abgeben muss. Weil die Oberschule in direkter Nachbarschaft zum Gymnasium liegt, hält sich der Aufwand für die abgeordneten Lehrkräfte in Grenzen.

Wie Kuntze betont, sei es durch die Abordnungen zu keiner Verschlechterung in der Unterrichtsversorgung gekommen. „Das liegt auch daran, dass der Personalrat gut zusammengearbeitet hat“, sagt der Schulleiter. Zwar habe es im Sommer Irritationen bei Schülern und Eltern gegeben, dass Lehrer aufgrund der Abordnungen aus ihren Klassen herausgenommen werden mussten. Die Proteste hielten sich aber im Rahmen, sagt Kuntze, der auch für das neue Halbjahr keine negativen Auswirkungen in der Unterrichtsversorgung zu beklagen hat.

Abordnungen zur Oberschule Lastrup

Ähnlich ist die Situation am Artland-Gymnasium Quakenbrück (AGQ), wo Schulleiter Stephan Keppler Anfang Dezember darüber informiert worden ist, dass er 38,5 Lehrstunden abgeben muss, dafür aber auch eine zusätzliche Lehrkraft aus dem Dezernat II bekommt. Zuvor hatte das AGQ 17 Lehrstunden abgeben müssen. „Ein Nullsummenspiel“, sagt Keppler mit Blick auf die zusätzliche Lehrkraft. Hatte das Quakenbrücker Gymnasium im ersten Halbjahr drei Kollegen an die Oberschule Artland abgeben müssen, helfen die Gymnasiallehrkräfte nun auch in der Oberschule Lastrup aus. „Ich habe die Not an der OBS gesehen. Da helfen wir gerne“, betont der AGQ-Schulleiter, der kaum Einschnitte in der Unterrichtsversorgung ausgemacht hat. Wegen der Abordnungen hätten im Fremdsprachenbereich größere Kurse gebildet werden müssen, zudem seien Förderangebote weggefallen. Gerade die größere Schülerzahl in den Kursen hatte zu Unmut bei den Lehrkräften geführt, da Unterricht in kleineren Gruppen effektiver und sinnvoller sei. Die Eltern hätten aber großes Verständnis für die Maßnahmen gezeigt, betont Keppler.

Bessere Möglichkeiten zur Vorbereitung

Eine Entlastung bei den Abordnungen gibt es für die Integrierte Gesamtschule (IGS) in Fürstenau für das zweite Schulhalbjahr, wie Schulleiter Jürgen Sander berichtet. Seien es im ersten Halbjahr noch 75 Stunden gewesen, mit denen insgesamt sechs Lehrer an die IGS in Osnabrück sowie an die Oberschule in Lengerich abgeordnet gewesen seien, so seien es nun noch 48 Stunden. Hinzugekommen sei, dass es – im Gegensatz zum Schuljahresbeginn im Sommer 2017 – dieses Mal einen planerisch einen längeren Vorlauf gegeben habe. Das habe vieles erleichtert, betonte Jürgen Sander. „Wir hatten die Möglichkeit, uns im Vorfeld mit den beiden anderen Schulen mit Blick auf die Erfordernisse vernünftig auszutauschen“, so der Schulleiter. Im vergangenen Sommer sei die Kurzfristigkeit der Entscheidung das größte Problem gewesen. Nun sei eine bedarfsgerechte Abordnung möglich.

Und wie haben sich die Abordnungen im ersten Schulhalbjahr auf den Schulbetrieb ausgewirkt? Betroffen gewesen seien vor allem die Lerntrainingsstunden. Auch der Ganztagsbetrieb habe etwas gelitten. Der Pflichtunterricht habe aber regulär durchgeführt werden können., so Jürgen Sander. Im zweiten Halbjahr werde sich die Situation – auch vor dem Hintergrund der längeren Planungszeit – nun wieder verbessern.