„Quellen nicht ausreichend“ Kam Bonnus wirklich an der Quakenbrücker Goldstraße 9 zur Welt?

Von Jürgen Ackmann


Quakenbrück. In seinem Beitrag in den Osnabrücker Mitteilungen hinterfragt Historiker Martin Espenhorst, ob der Quakenbrücker Reformator Hermann Bonnus wirklich in der Goldstraße 9 zur Welt gekommen ist. Wissenschaftlich gebe es keine Beweise dafür.

Hermann Bonnus – gebürtiger Quakenbrücker, erster Superintendent von Lübeck und geachteter Reformator. Ein Mann, dessen Wirken 1548 endete, der aber auch heute noch für lebhafte Debatten gut ist. Ein Beitrag von Martin Espenhorst in den Osnabrücker Mitteilungen belegt das. „Der Reformator Hermann Bonnus (1504-1548) als Übersetzer der Weltchronik des Johann Carion“ – so ist der wissenschaftliche Aufsatz von Martin Espenhorst überschrieben. Darin setzt sich der Historiker zunächst mit der Übersetzung der Universalhistorie des Württemberger Mathematikers Johann Carion durch Hermann Bonnus auseinander. Bonnus mache die Chronik erst zu einer „Publikation mit europäischer Tragweite“. Das wiederum belege den Einfluss, den der Quakenbrücker Reformator auf den „binneneuropäischen Transfer protestantischer Geschichts- und Weltbilder“ gehabt habe, wie Martin Espenhorst einordnend betont.

Woher stammt die Familie des Reformators?

Im Laufe seiner Recherche ist Martin Espenhorst mit Blick auf Werden und Wirken von Hermann Bonnus unter anderem auch der Frage nachgegangen, woher dessen Familie genau stammt und wo das Geburtshaus in Quakenbrück steht. Espenhorsts ernüchterndes Fazit: Beide Fragen ließen sich aus wissenschaftlicher Sicht zumindest gegenwärtig nicht eindeutig beantworten. Die Quellenlage sei zu dürftig.

Zur Herkunft der Familie: Fest steht zunächst einmal, dass Hermann van Bunne (später latinisiert zu Bonnus) 1504 in Quakenbrück als Sohn eines Schuhmachermeisters namens Arndt (t) (Arnold) van Bunne und dessen Ehefrau Hilla (geborene Dreckmann) zur Welt gekommen ist. Diese Angaben seien durch einen handschriftlichen Eintrag belegt, wie Martin Espenhorst schreibt.

Weiter stellt der Historiker fest, dass der Name van Bunne, wie der Quakenbrücker Lehrer Richard Bindel 1895 in den Osnabrücker Mitteilungen ausgeführt habe, vermuten lasse, dass die Familie aus einer Bauer- beziehungsweise Ortschaft namens Bunnen stamme. Seither gelte in der Forschung als erwiesen, dass die Vorfahren der Familie im nahegelegenen Bunnen zwischen Quakenbrück und Löningen gelebt hätten, zumal sich tatsächlich Nachweise fänden, dass eine Familie van Bunnen dort einst gelebt habe. Allerdings, so merkt Martin Espenhorst an, sei der „Name van oder von oder de Bunne so selten nicht“. Angesichts der vielen Varianten des Namens könne auch die von Quakenbrück zehn Kilometer entfernt liegende Bauerschaft Bünne bei Dinklage als ursprünglicher Herkunftsort der Familie in Frage kommen. Auch für diese Bauerschaft seien de Bunnes überliefert. Für das Jahr 1300 sogar ein Arnoldus de Bunne – der also den Vornamen des Vaters von Hermann Bonnus trug. „Wird berücksichtigt, dass Vornamen in der Vormoderne identitätsstiftend waren, soll hier auf die Möglichkeit verwiesen werden, dass die Familie des Arnold van Bunne aus dem teils dem Kirchspiel Dinklage und teils dem Kirchspiel Badbergen zugeordneten Bünne gestammt haben könnte, eventuell von einem abgehenden Sohn des dortigen Meyerhofes“, so Martin Espenhorst. Möglicherweise würden Etymologen und Lokalhistoriker hier neue Einsichten herausarbeiten können, so das Fazit.

Derzeit keine schriftlich belegten Quellen

Zum Thema Geburtshaus: Hier betont Martin Espenhorst, dass es zwar die Annahme gebe, dass das Gebäude an der Goldstraße mit der Hausnummer 9 in Quakenbrück das Geburtshaus von Hermann Bonnus sei, dass dies aber keineswegs einwandfrei feststehe. Es gebe lediglich eine mündliche Überlieferung. Schriftlich belegte Quellen gebe es nicht. Zwar finde sich in einem Heft mit dem Titel „Geschichtskalender der Stadt Quakenbrück“ (von 1225 bis 1899) für das Jahr 1504 der Eintrag, dass Hermann Bonnus in der Goldstraße geboren sei. Leider seien weder eine Hausnummer noch ein Quellennachweis notiert. Und weiter: Die bauhistorischen Befunde von dem als Bonnus-Geburtshaus etikettierten Gebäude – einem Dreiständerbau ohne Kübbung, dessen Kernbau ins Jahr 1499 datiert werden könne – präsentierten ein kleinbürgerliches Handwerkerhaus. Dagegen werde in der Forschung vorausgesetzt, dass die Familie van Bunne eine wohlhabende und einflussreiche Bürgerfamilie gewesen sei. Das passe nicht zusammen und spreche nicht für das Haus Nummer 9. Hinzu komme, dass er in den Quellen festgestellt habe, dass es in Quakenbrück mehrere Handwerkerfamilien mit dem Namen Bunne gegeben habe, so Espenhorst. Der Name sei in verschiedenen Variationen seit 1373 überliefert.

Sanierungskosten belaufen sich auf 670.000 Euro

Vor diesen Hintergründen findet Martin Espenhorst es fragwürdig, wenn der Quakenbrücker Trägerverein für die Sanierung des Gebäudes Nummer 9 vom Hermann-Bonnus-Geburtshaus spreche. Das sei nun wirklich nicht einfach eine Glaubensfrage, betont er. Wie berichtet, hat die Sanierung des Hauses Nummer 9 in der Goldstraße unter der Federführung des Trägervereins inzwischen begonnen. Die Kosten dafür belaufen sich nach den vorliegenden Kalkulationen auf insgesamt rund 670.000 Euro. Finanzielle Unterstützung gibt es unter anderem vom Bund, dem niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und vom Landschaftsverband Osnabrücker Land. Zudem steuert der Trägerverein Eigenmittel bei.


Den Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück (Historischer Verein) gibt es seit 1847 – gegründet vom Osnabrücker Bürgermeister Johann Carl Bertram Stüve. Er gehört zu den ältesten Geschichtsvereinen Westfalens und Niedersachsens. Ziel des Vereins sei die wissenschaftliche Erforschung der Vergangenheit des Osnabrücker Landes, des Emslandes und der Grafschaft Bentheim zu fördern, wie es auf der Internetseite des Vereins heißt, dem etwa 650 Personen angehören. Unter anderem gibt der Verein die Osnabrücker Mitteilungen“ heraus, in der nun Martin Espenhorst seinen Aufsatz publiziert hat. Der Gehrder gehört dem Beirat des Historischen Vereins an. Vorsitzende ist derzeit die Archivdirektorin Birgit Kehne, Stellvertreter ist Professor Thomas Vogtherr von der Universität Osnabrück.