„Die Kunden und ich“ Tierbestatter über außergewöhnliche Kundenwünsche und Tierliebe



Badbergen. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 2: Tierbestatter.

Emanuel Holle ist Tierbestatter und arbeitet seit knapp zehn Jahren im Kleintierkrematorium in Badbergen. Der 42-Jährige organisiert Tiereinäscherungen und berät trauernde Tierbesitzer.

Herr Holle, welche Tiere lassen Tierbesitzer bei ihnen einäschern?

Über die Hälfte der Tiere, die bei uns eingeäschert werden, sind Hunde. Katzen machen fast die andere Hälfte aus. Dann kommen Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen, Vögel. Tierbesitzer lassen vermehrt auch Reptilien einäschern. Das Außergewöhnlichste, was ich erlebt habe, war eine Boa constrictor.

Wie teuer ist eine Einäscherung?

Das hängt vom Gewicht des Tieres ab und ob es eine Einzelkremierung ist oder nicht. Die Einäscherung eines Tieres unter einem Kilogramm kostet 99 Euro – ohne Transportkosten. Manche Besitzer bringen ihr Tier aber auch selber zu uns.

Die Einzelkremierung eines großen Hundes, der über 45 Kilogramm wiegt, kostet 309 Euro – auch ohne Transportkosten. Gemeinschaftskremierungen und Basiskremierungen sind günstiger. Das Tier wird dann mit anderen Tieren eingeäschert. Die Asche wird bei der Gemeinschaftskremierung im Streubeet des Rosengartens beziehungsweise bei der Basiskremierung auf anonymen Nutzflächen verstreut.

Tierbesitzer können bei uns auch Urnen kaufen. Die Preisspanne liegt da zwischen 15 und 500 Euro.

Haben manche Kunden auch außergewöhnliche Wünsche?

Ein Kunde wollte zum Beispiel einen Zahn seines gestorbenen Hundes als Erinnerung behalten und hat gefragt, ob wir dem Hund vor der Einäscherung einen Zahn ziehen könnten. Solche Sachen muss allerdings der Tierarzt machen. Was wir anbieten können, sind Abdrücke der Hundepfote. Die Besitzer bekommen dann eine Holzplatte mit einem Abdruck aus Gips.

Gibt es Tierbesitzer, die sie abweisen müssen?

Wir haben häufiger Anfragen von Pferdebesitzern. Die müssen wir aber abweisen, denn Pferde können wir bei uns nicht einäschern. Dazu fehlt die Technik – zum Beispiel ein geeigneter Ofen. Außerdem gibt es noch keine Transportmöglichkeit, wie man ein totes Pferd würdevoll ins Krematorium bringen könnte. Wir würden das nur anbieten, wenn es eben einen würdevollen Weg gäbe.

Nutztiere dürfen wir auch nicht einäschern.

Wie eng ist die Beziehung ihrer Kunden zu ihren Tieren?

Für die Tierbesitzer sind die Tiere praktisch Familienmitglieder und sie wollen sich auch deswegen von ihren Tieren verabschieden. Eine 94-jährige Frau hat bei uns zum Beispiel ihren 80-jährigen Papagei einäschern lassen. Sie sagte: „Ich habe vier Männer ausgetauscht, aber der Papagei ist immer geblieben“.

Für eine würdevolle Bestattung nehmen Tierbesitzer auch sehr lange Fahrten auf sich. Wir hatten auch Kunden aus Warschau hier. Die Halter sind mit zehn Personen 1000 Kilometer gereist, um ihren Hund bei uns einäschern zu lassen, und sich von ihm richtig verabschieden zu können – alle hatten schwarze Trauerkleidung an. Manche Besitzer von älteren Tieren sparen über unsere Rosengarten-Haustiervorsorge auch für eine Einäscherung. Sie haben vielleicht nicht viel Geld zur Verfügung, wollen aber dennoch eine schöne Beisetzung für ihr Tier.

Die Bindung zwischen Mensch und Tier hat meiner Erfahrung nach zugenommen. Für manche Alleinstehende ist ein Tier zum Familienersatz geworden.

Was passiert mit der Asche?

Die meisten Tierbesitzer nehmen die Asche in einer Urne wieder mit. Sie stellen sie zum Beispiel zu Hause auf oder begraben sie im eigenen Garten. Manche Urnen sehen ganz dezent aus. Dazu gehören zum Beispiel Bilderrahmen, die hinten einen Sockel haben, in dem die Asche aufbewahrt wird.

Manche Besitzer fertigen auch selber eine Urne an. Andere Besitzer wiederum, die mehrere Tiere halten, kaufen eine extra große Urne, in die später auch die Asche der anderen Tiere reinkommen soll.

Man kann die Asche auch in unserem Rosengarten bestatten. Die Besitzer können dann jederzeit die Grabstätte besuchen.

Sie haben es in ihrem Arbeitsalltag ständig mit traurigen Menschen zu tun, die gerade ihr geliebtes Tier verloren haben. Wie gehen Sie mit der Trauer um?

Es ist eine Herausforderung. Die Menschen sind nicht nur traurig, sondern häufig auch mit der Situation überfordert, weil der Tod des geliebten Tieres überraschend kam. Einige Tierbesitzer gehen mit ihrem kranken Tier zum Arzt und denken, sie bekommen einfach Medikamente verschrieben und hören dann, dass das Tier unheilbar krank ist und vielleicht sogar eingeschläfert werden muss. Dann müssen sie sich schnell entscheiden, was mit dem Tier nach dem Tod passiert. Deswegen rate ich Tierbesitzern dazu, sich schon im Vorfeld zu überlegen, wie das Tier dann später bestattet werden soll und wie der finanzielle Rahmen aussieht.


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