Machtstrukturen zeigen Werke von Dikla Stern im Ludwig-Windthorst-Haus Lingen

Meine Nachrichten

Um das Thema Salzbergen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Vor der Malerei „Schöne neue Welt“ (v.l.): Michael Reitemeyer, Heribert Lange, Dikla Stern, Anja Meyerrose, Oberbürgermeister Dieter Krone. Foto: LWHVor der Malerei „Schöne neue Welt“ (v.l.): Michael Reitemeyer, Heribert Lange, Dikla Stern, Anja Meyerrose, Oberbürgermeister Dieter Krone. Foto: LWH

Lingen. Machtstrukturen im Alltag künstlerisch sichtbar machen: Die Künstlerin Dikla Stern zeigt im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen Malereien und Fotografien mit gesellschaftspolitischer Aussage. Am Sonntag wurde die Ausstellung eröffnet.

Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone fiel es angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen nicht schwer, die Relevanz von Machtstrukturen im Politischen deutlich zu machen: „Sowohl in Nordkorea als auch in der Türkei missbrauchen Männer zur Zeit die Macht, die sie besitzen – und die eigentlich vom Bürger kommen sollte“, so Krone. Dikla Stern verstehe es, in scheinbar alltäglichen Gegenständen und Konstellationen durch überraschende Belichtungen oder Blickwinkel die Gefühle und Stimmungen durchscheinen zu lassen, die sonst verborgen blieben.

Eröffnung mit Musik

Diese Chance bot sich insbesondere den Gästen, denen das abwechslungsreiche Programm ermöglichte, sich dem Hintergrund und der Aussagekraft der Werke Dikla Sterns zu nähern. Den musikalischen Rahmen gestalteten Peter Löning (Gitarre) und Lulzim Bucaliu (Klarinette).

Heimat in der Kunst finden

Die 1972 in Tel Aviv geborene und als junges Kind nach Deutschland eingewanderte Dikla Stern verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Lingen. Nach ihrer Ausbildung als Grafikdesignerin in Tel Aviv und dem Studium des Kommunikationsdesigns an der Mannheimer Hochschule für Technik und Gestaltung stellte die nun freischaffende Künstlerin unter anderem im CICA Museum in Korea und dem Brooklyn College in New York aus. Heribert Lange, Vorsitzender des Mitveranstalters „Forum Juden Christen im Altkreis Lingen“ ging auf das Wirken der Künstlerin an den verschiedenen Orten der Welt ein: „Vielleicht ist die Kunst der Ort, an dem Sie ihre Heimat gefunden haben“, sprach Lange die mittlerweile in Berlin lebende Stern direkt an. „Mit Ihrer Reise zurück nach Europa arbeiten Sie auch an der Wiederentdeckung des Judentums in Europa mit“, so Lange weiter.

Biografische Prägungen

Bei einem Gang durch die Ausstellung gab die in Zürich lehrende Soziologin Anja Meyerrose den Gästen Einblick in die Entstehung der Bilder und Fotografien. „Ich lese aus den Werken stets die biografischen Prägungen der Künstlerin heraus“, so Meyerrose. „Die Orte und Konstellationen, die Dikla Stern auf sich wirken ließ, regen den Betrachter nun dazu an, selbst über gesellschaftliche Kräfte nachzudenken“, so Meyerrose.

Welt voller Codes

Die Künstlerin bezeichnete ihre Ideen im Zuge der experimentellen Arbeiten als so herausfordernd, dass sie auch Fotografien in die Reihe „Schatten der Macht“ aufnahm. Diese wirken von Weitem, als wären nur abstrakte, inhaltsleere Formen abgebildet. So ist zum Beispiel die Fotografie einer Quinoa-Schale ausgestellt, die in der gewählten Perspektive rückseitig zu sehen ist und damit den Blick auf den Produkt-Strichcode freigibt. „Unsere komplette Welt lebt von Codes. Wir sind in einen Fluss, in ein System involviert „, so Stern.

Mehr als Konsumkritik

Michael Reitemeyer, Direktor des Ludwig-Windthorst-Hauses, sieht dahinter weit mehr als nur Konsumkritik: „Es ist die Aufforderung, stets genau hinzuschauen, was mit wem zusammenhängt“, so Reitemeyer. Ein Appell, der angesichts der bevorstehenden Wahlen aktueller nicht sein könne.

Die Ausstellung „Schatten der Macht“ ist noch bis zum 15. Oktober im Ludwig-Windthorst-Haus zu sehen. Eintritt und Besichtigung sind kostenfrei. Informationen unter Tel. 0591/6102-112 oder unter lwh.de/diklastern


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN