Mein Job und ich Feuerwehrmann über Katzen, Gaffer und emotionale Einsätze

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Robin Casper aus Salzbergen ist mit Leib und Seele Feuerwehrmann. Foto: Julia MauschRobin Casper aus Salzbergen ist mit Leib und Seele Feuerwehrmann. Foto: Julia Mausch 

Salzbergen. Müssen Feuerwehrmänner ständig Katzen von Bäumen holen? Wie bleiben sie ruhig, wenn mal wieder ein Gaffer die Arbeit am Einsatzort behindert und wie verarbeiten sie emotionale Einsätze? Feuerwehrmann Robin Casper aus Salzbergen spricht Klartext.

Herr Casper, wie häufig haben Sie schon Katzen vom Baum geholt?

Ja, ich rette auch Katzen (lacht). Aber das wird weniger, den Anrufern wird direkt von der Leitstelle gesagt, dass der Einsatz Geld kostet. Dann nehmen viele auch davon Abstand, die Feuerwehr ausrücken zu lassen. Und mal ehrlich: Irgendwann kommt eine Katze runter, es sei denn, sie steckt irgendwo fest und es ist wirklich ein Notfall…

Sie sind mit Leib und Seele Feuerwehrmann. An Silvester hatten Sie gerade erst wieder einen Einsatz. Nächtliche Einsätze oder an Feiertagen, nervt das nicht?

80 bis 90 Einsätze im Jahr, das ist normal und Rufbereitschaft halt auch. Man weiß ja, worauf man sich einlässt. Beruflich habe ich mich damals dazu entschieden, in der Werkfeuerwehr zu arbeiten, also weiß ich auch, dass ich dort Bereitschaften habe – und auch bei der freiwilligen Feuerwehr. Natürlich gibt es Tage, da sagt man: „Jetzt reicht es wirklich.“ Das sind meistens Sturm-, Wasser- oder Starkregeneinsätze. Ein großer Brand schlaucht auch. Dann ist man auch mal genervt….

Und was sagt Ihre Frau dazu, wenn mal wieder nachts das Telefon klingelt oder der Melder piept?

(lacht) Mittlerweile sagt sie nur noch, dass ich auf mich aufpassen soll, wenn Sie überhaupt mitbekommt, dass ich aufstehe. Ich mache ja nicht den großen Rabatz. Sie dreht sich um, schläft weiter. Soll sie auch, sie muss ja nicht raus.

Wie motiviert man sich, den Job nach 30 Jahren immer noch zu lieben?

Man will den Menschen einfach helfen, genau das ist die Motivation. Natürlich, eine gewisse soziale Ader hat jeder Feuerwehrmann (lacht). Man wird auf dem Dorf auch damit groß. Je kleiner der Ort, desto weniger Vereine gibt es. Ich hab mich damals für die Feuerwehr entschieden, vielleicht auch deswegen, weil mein Vater ebenfalls Feuerwehrmann war. Meine Entscheidung habe ich nie bereut: Feuerwehr ist kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung.

Ihr erster Einsatz: Hatten Sie da ein mulmiges Gefühl?

Als Jugendlicher mit Sicherheit. Man hat die Erfahrung nicht, man weiß nicht, was einen erwartet. Heute ist diese Ungewissheit nicht mehr so stark. Feuerwehrmänner bekommen ja eine SMS mit der Alarmierung, dort stehen auch viele Infos schon drin. Wenn ich dann am Einsatzort ankomme, arbeite ich nur noch und denke nicht mehr drüber nach. Das sage ich auch immer den jungen Kameraden: Wenn man zur Ruhe kommt und die Zeit hat, darüber nachzudenken, sind die Bilder nicht mehr so präsent. Und wenn man die Bilder präsent hat, das Ereignis vor Ort, dann denkt man nicht nach, man arbeitet nur. Ein Busfahrer sagt auch nicht, welche Sehenswürdigkeiten er an der Straße gesehen hat, sondern sagt: „Ich bin die Straße entlang gefahren.“

Aber mal ehrlich, man kann doch diese Gedanken nicht verhindern?

Nein, kann man nicht, man denkt aber hinterher drüber nach. Uns gehen emotionale Einsätze, bei denen Familien vor Weihnachten ihr Haus durch einen Brand verlieren oder Kinder auf der Autobahn verletzt werden, auch nahe. Mittlerweile verbreiten sich Meldungen von Unglücken sehr schnell in den sozialen Netzwerken. Dann können Familienangehörige an der Unfallstelle schon sein, bevor die Polizei überhaupt eine Chance hat, die Leute behutsam darauf vorzubereiten, dass etwas Schlimmes passiert ist.

Schaulustige sind ein Problem?

Die Feuerwehr ist selbst dafür verantwortlich, ob Schaulustige zu einem Problem bei der Arbeit werden. Früher war es so: Die Sirene ging und die ersten Schaulustigen standen am Feuerwehrhaus, um zu schauen, wo die Kameraden hinfahren. Durch die stille Alarmierung kriegt es der Bürger heute nicht mehr so schnell mit. Aber es gibt immer noch Leute, die meinen, sie müssen hinter einem Feuerwehrfahrzeug hinterherfahren. Es gibt auch Eltern, die lassen ihre Kinder zu den Einsatzstellen hinlaufen. Das führt dazu, dass die Feuerwehr Personal abstellen muss, um Gaffer abzuhalten.

Und wird mit denen auch mal Klartext gesprochen?

Auf jeden Fall. Es gibt Leute, die halten bei Unfallstellen auf der Autobahn an, um ein Foto oder ein Video zu machen. Dann haben wir der Polizei auch schon Tipps gegeben, damit die eingreift, damit die Datei auf dem Handy gelöscht wird. Wir hatten auch schon den Fall, da hat uns innerorts ein Autofahrer überholt, als wir mit Blaulicht zum Einsatz raus mussten…

Wie ist eigentlich das Ansehen der Feuerwehr innerhalb der Bevölkerung?

(lacht) Laut Umfragen ist ja der Feuerwehrmann einer der höchst angesehenen Berufe. Tja, das ist schön, die Realität sieht ab und an anders aus. Ich glaube, das sind Tagesauffassungen innerhalb der Bevölkerung. Wenn wir nachts mit Martinshorn durch den Ort fahren, weil wir zum Einsatz müssen, gab es schon Fälle, da haben sich am nächsten Tag Anwohner beschwert, weil sie wach geworden sind. Da bekommen Leute von mir gerne mal den Spruch: „Ich musste auch aufstehen, du konntest wenigstens liegenbleiben und musstest niemanden aus einem Auto rausschneiden oder zu einem Fehlalarm hin.“ Zum Glück passiert das in Salzbergen nicht so oft.

Fehlalarme sind ja immer so ein Thema. Es gibt viele, oder?

Ja, und wir hatten mal einen Fall, da mussten wir ruhig bleiben. Damals hat bei uns im Betrieb nachts um 12 Uhr die Brandmeldeanlage ausgelöst. Und was war geschehen? Die Kollegen der Nachtschicht hatten sich ein Essen zubereitet. Da waren wir im ersten Moment auch ein bisschen, sagen wir, maulig, und hatten nicht das freundlichste Wort für den Kollegen übrig.

Aber ab und an gibt es auch ein Geschenk für den Einsatz…

Auf jeden Fall. Es ist schon mal ein Unfallopfer nach einem halben Jahr vorbeigekommen. Er hat noch im Rollstuhl gesessen, wollte uns aber unbedingt Getränke als Dankeschön übergeben. Ansonsten bekommen wir nicht so viel mit, wie es mit den Betroffenen weitergeht, es sei denn, der Unfall war im Ort. Vieles spricht sich im Ort rum, die sozialen Medien der Mundpropaganda quasi (lacht).


Zur Person

Robin Casper aus Salzbergen ist mit Leib und Seele Feuerwehrmann. Seit 30 Jahren ist der 45-Jährige bei der freiwilligen Feuerwehr in Salzbergen, mittlerweile als Pressesprecher. Seit fünf Jahren ist er Leiter der Werkfeuerwehr der H&R-Raffinerie in Salzbergen, in der er auch schon seit 17 Jahren seinen Dienst tut.

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