Ziegelsteine signiert Kolpinger drücken Neubau in Salzbergen den Stempel auf


Uelsen. Der Produktionslärm der Ziegelei Deppe in Uelsen mischt sich mit dem Gesang und Gebet von zahlreichen Kolpingern in der großen Werkshalle: Eine beeindruckende Szenerie rahmt am Freitagnachmittag die Signierung von 195 Ziegelsteinen ein, die Kolpingfamilien, Privatpersonen und Firmen zur Mitfinanzierung des neuen Tagungshauses am Kolping-Bildungshaus in Salzbergen erworben haben. Exakt 81825 Euro sind auf diese Weise zusammengekommen.

250 Euro kostete der Stein pro Privatspende, 500 bei Spenden von Kolpingsfamilien, Firmen und Institutionen. Alle Steine werden im neuen Tagungshaus verbaut. Der erste Spatenstich ist noch in diesem Monat. 

Der Neubau des Tagungshauses und die Erweiterung des Speisesaals am bestehenden Bildungshaus kostet insgesamt 650000 Euro. Zur Realisierung tragen das Bistum Osnabrück, die Gemeinde Salzbergen, der Landkreis Emsland, die EU und natürlich die Kolpinger selbst bei. Mit knapp der Hälfte des Geldes als Erlös aus der Ziegelsteinaktion hatten der Vorsitzende des Vereins Kolping-Bildungshaus-Salzbergen, Dieter Bünker, und Hausleiter Markus Silies gerechnet – die doppelte Summe ist es geworden. Umso größer ist deshalb deren Freude am Freitag.

„Hast du ein ‚N – ich suche noch ein ‚K‘“, ist zwischen den Produktionsgeräuschen in der Halle herauszuhören. Die Ziegelei liefert die Verblender für das Bauvorhaben. Vor den aufgestellten Tischen sind die noch feuchten Rohlinge aufgereiht. In kleinen Schalen befinden sich die Buchstaben und Schablonen, mit deren Hilfe die Spender ihren Namen oder den der Einrichtung auf den Rohling pressen. Der wird anschließend getrocknet und gebrannt, um später in das Bauvorhaben mit verklinkert zu werden. Die lange Schlange der Wartenden, die der Aktion und ihrem Stein den Stempel aufdrücken wollen, reicht bis nach draußen vors Werkstor. Wer fertig ist, nimmt Platz in der Halle und stärkt sich bei Kaffee und Kuchen.

„Kolping wäre stolz“

Der schmeckt auch Diözesanpräses Reinhard Molitor, der gleich drei Steine gespendet hat. Einer trägt für den bekennenden SV Werder Bremen-Fan das Vereinswappen des Fußballclubs. „Das eine sind die Steine, das andere sind die lebendigen Steine“, sagt er später bei einer kleinen Andacht. Die ‚lebendigen Steine‘, die Menschen selbst, stellten Begegnungen und Beziehungen her.

Wie gut die Kolpinger dazu in der Lage sind, bescheinigt ihnen Dirk Deppe, Chef des gleichnamigen Unternehmens. Deppe zeigt sich sehr beeindruckt von der starken Gemeinschaft, die da in der großen Produktionshalle sichtbar werde.

„Schön reden tut’s nicht, die Tat ziert den Mann“, zitiert er einen Satz von Adolph Kolping, der die Aktion treffend beschreibt. Wobei Annette Mey von der Kolpingfamilie Andervenne und viele andere Frauen in der Halle deutlich machen, dass weder diese Aktion noch viele andere Kolpingaktivitäten nur Männersachse sind.

„Adolph Kolping wäre heute sehr stolz auf euch“, meint Dieter Bünker zum Abschluss des Festaktes, dessen prominentester Gast Landtagspräsident Bernd Busemann ist. Der Dörpener, selbst Kolpinger, verweist auf die Bedeutung des Projektes in Zeiten veränderter Bildungsangebote, Verweildauern und Teilnehmern. „Das Konzept mit dem neuen Tagungshaus ist der richtige Schritt in die Zukunft“, betont Busemann. Kolping vermittelte Werte und eine moderne Botschaft und das Kolping-Bildungshaus Rückzugsräume in Zeiten immer schnelleren Wandels.

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Über 5000 Gäste kommen jährlich ins Kolping-Bildungshaus Salzbergen (KBS), das aus mehreren Gebäuden auf idyllisch gelegenem Gelände besteht. 2014 wurden über 10000 Übernachtungen registriert, 147 Maßnahmen im Bereich der Erwachsenenbildung durchgeführt, 65 Maßnahmen für Jugendliche und 36 für Familien mit Kindern. Wegen der guten Autobahnverbindung und des nahegelegenen Bahnhofes kommen auch Gruppen aus anderen Teilen Deutschlands. Durch die Erweiterung um ein Tagungsgebäude sollen neue Zielgruppen in den Blick genommen werden, etwa für Schulung und Qualifizierungsmaßnahmen.

Das Kolpingwerk

Adolph Kolping lebte von 1813 bis 1865. Kolping, der eine Ausbildung zum Schuster machte und später Priester wurde, verstand es in der damaligen Zeit, die Probleme der wandernden Handwerksgesellen zu erkennen und Hilfe anzubieten. Unermüdlich widmete sich Kolping der Ausbreitung des katholischen Gesellenvereins, des heutigen Kolpingwerks.

Grundlegendes Ziel Kolpings war, die Menschen auf Basis des christlichen Glaubens zu motivieren, ihre Lebensverhältnisse zu verbessern. Die Idee von Adolph Kolping trägt sich bis in die heutige Zeit: In über 50 Ländern ist das Kolpingwerk mit insgesamt 450000 Mitgliedern vertreten.

Dem Kolpingwerk im Diözesanverband Osnabrück gehören 131 Kolpingsfamilien mit aktuell rund 19000 Mitgliedern an. Davon sind etwa 3500 Mitglieder der Kolpingjugend. Damit ist der Kolping-Diözesanverband einer der größten Verbände im Bistum Osnabrück.

Anfang der 80er-Jahre konkretisierte sich die Planung eines Bildungshauses. Nachdem Gespräche mit der Gemeinde Salzbergen erfolgreich verlaufen waren, liefen 1981 die ersten Baumaßnahmen an, die Gründung des Trägervereins Kolping-Bildungshaus Salzbergen erfolgte 1982, das Bildungshaus wurde im Sommer 1983, die Kapelle 1984 und das Heinrich-Holtmeyer-Gästehaus 1997 eingeweiht. – 650000-Euro-Investition: Kolping-Bildungshaus Salzbergen soll erweitert werden | noz.de - Lesen Sie mehr auf: http://www.noz.de/lokales/salzbergen/artikel/543178/kolping-bildungshaus-salzbergen-soll-erweitert-werden#gallery&0&0&543178

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