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Fund nach gezielter Suche 250-Kilogramm-Blindgänger in Salzbergen gesprengt

Von Sven Lampe und Wilfried Roggendorf


slx/wrog Salzbergen. Eine 250-Kilogramm-Fliegerbombe ist am Dienstagabend in Salzbergen erfolgreich gesprengt worden. Zuvor mussten rund 2000 Menschen ihre Häuser und Betriebe verlassen.

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Für Aufregung sorgte in Salzbergen der Fund einer amerikanischen Weltkriegsbombe. Der Blindgänger wurde am Dienstag, 15. März, gegen 13.30 Uhr auf einem Gelände an der Dieselstraße entdeckt. „Dort ist ein Baugebiet geplant und wir lassen den Bereich nach Blindgängern absuchen“, erklärte Salzbergens Bürgermeister Andreas Kaiser. Beim zwölften von insgesamt 38 Verdachtspunkten seien die Experten dann fündig geworden. „Die Bombe haben wir ‚quasi geplant‘ gefunden“, so Kaiser.

Sprengung vor Ort sicherer

Der Kampfmittelräumdienst aus Hannover entschied sich, die Bombe, die über einen sogenannten Säurezünder verfügte, vor Ort zu sprengen. „In einem Wohngebiet hätten wir überlegt, den Blindgänger abzutransportieren, aber auf der freien Fläche war die Sprengung die sicherere Variante“, so Kampfmittelbeseitiger Clemens Stolte.Kaiser.

Evakuierung hat perfekt geklappt

Doch bevor gesprengt werden konnte, musste ein Bereich mit einem Radius von 1000 Metern rund um den Fundort evakuiert werden. Betroffen waren rund 2000 Menschen, die gezwungen waren Häuser, Betriebe und Geschäfte zu verlassen. „Die Evakuierung hat perfekt geklappt“, freute sich Bürgermeister Kaiser.

DRK betreut rund 150 Menschen an Sammelstelle

In der Grundschule Am Feldkamp wurde eine Sammelstelle für diejenigen eingerichtet, die nicht bei Freunden oder Verwandten Unterschlupf finden konnten. Rund 150 vorwiegend ältere Menschen und Flüchtlinge wurden hier vom Deutschen Roten Kreuz betreut. Insgesamt waren jeweils rund 50 Einsatzkräfte von DRK, Polizei und Feuerwehr vor Ort. Hinzu kamen zwölf Mitarbeiter der Gemeinde Salzbergen.

Sprengung Punkt 18.52 Uhr

Um 18.45 Uhr wurden die Menschen an der Grundschule, die knapp außerhalb des Evakuierungsbereiches lag, aufgefordert, sich in das Gebäude zu begeben – ein sicheres Zeichen dafür, dass die Sprengung unmittelbar bevorstand. Diese erfolgte dann um 18.52 Uhr.

Wasserkissen mildert Wucht der Explosion

Die Wucht der Explosion, die einen Krater von rund zwölf Metern Durchmesser und sieben Meter Tiefe hinterließ, wurde dabei von einem Spezialkissen abgemildert, dass die Feuerwehr Salzbergen mit 25 000 Litern Wasser gefüllt hatte.

Kaiser dankt Einsatzkräften

Nach der erfolgreichen Sprengung dankte Kaiser allen Einsatzkräften und auch den Salzbergener Bürgern für ihr besonnenes Verhalten. Zugleich kündigte er an, dass die Suche nach Blindgängern auf dem Gelände an der Dieselstraße weitergehen werde. Auf weitere Funde von Blindgängern kann der Salzbergener Bürgermeister allerdings gut verzichten.

Zwei Bahnstrecken gesperrt

Während des Bombenfundes waren die Bahnstrecken zwischen Rheine und Lingen sowie Rheine und Bad Bentheim voll gesperrt. Die Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn auf der Strecke Köln-Emden wurden über Osnabrück und Bremen umgeleitet. Daher konnten die Bahnhöfe Rheine, Lingen, Meppen und Papenburg von den IC-Zügen nicht angefahren werden. Auf der Strecke Amsterdam-Berlin stoppten die IC in Rheine beziehungsweise Bad Bentheim. Zwischen diesen Bahnhöfen wurde ein Busverkehr angeboten, wie die Bahn kurz nach Sperrung der Strecke mitgedteilt hatte.

Nur spärliche Informationen gab es hingegen von der Westfalenbahn, die auf der Strecke Münster-Emden seit Dezember den Nahverkehr betreibt.

Nicht der erste Bombenfund in Salzbergen

Bereits am 2. Juni 2015 wurde in Salzbergen ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Auch damals musste ein Bereich der Gemeinde evakuiert werden.

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Problem Säurezünder

Die in Salzbergen gefundene 250-Kilogramm-Fliegerbombe verfügte über einen Säurezünder. Die offizielle Bezeichnung hierfür lautet chemisch-mechanischer Langzeitzünder und beschreibt die Funktionsweise dieser Bomben. Sie detonierten nicht beim Aufschlag, sondern erst zwischen zwei Stunden und bis zu sechs Tagen danach. Um in der Zwischenzeit die Entschärfung zu erschweren, verfügten die Zünder solcher Bomben häufig über eine Ausbausperre, die auch den heutigen Kampfmittelbeseitigern Kopfzerbrechen bereitet.

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