Bewegender Gesprächskreis Salzbergener sagen Nein zu Gewalt an Frauen

Von Anne Bremenkamp


Salzbergen. Weltweit sind derzeit rund 51,2 Millionen Menschen auf der Flucht. Mindestens 50 Prozent aller Flüchtlinge sind Frauen und Mädchen. Angst ist ihr ständiger Begleiter – Angst vor Gewalt, sexuellen Übergriffen, Hunger und Krankheit, dem Verlust von Angehörigen und einer ungewissen Zukunft.

Der internationale Gedenktag „Nein zu Gewalt an Frauen“ in Salzbergen war aus Empathie und Solidarität allen Heimatlosen und Vertriebenen gewidmet und zugleich Symbol für eine herzliche Willkommenskultur.

„Lasst uns Flagge zeigen für ein gleichberechtigtes, selbst bestimmtes und freies Leben von Mädchen und Frauen weltweit!“ Mit diesem Appell setzte Gleichstellungsbeauftragte Christel Kleppe gemeinsam mit engagierten Frauen aus der kfd und der katholischen Kirchengemeinde ein weithin sichtbares Zeichen. Nach einem Gottesdienst hissten sie vor der St. Cyriakus-Pfarrkirche die Fahne der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes mit der eindringlichen Botschaft: Frei leben – ohne Gewalt. Im Anschluss daran waren rund 70 Menschen der Einladung zu einem bewegenden Gesprächskreis mit in Salzbergen lebenden Flüchtlingen in den Kulturkeller gefolgt.

Kampf ums Überleben

Frauen auf der Flucht fliehen wegen Unterdrückung oder Verfolgung aus politischen und religiösen Gründen. Sie fliehen auch aufgrund frauenspezifischer Menschenrechtsverletzungen wie Vergewaltigung, genitaler Verstümmelung, Witwenverbrennung oder Zwangsverheiratung. Die Auflösung sozialer Strukturen innerhalb einer Gesellschaft führt zur Zunahme der Gewaltbereitschaft. In vielen Bürgerkriegen gehören systematische Vergewaltigungen zur erklärten Kriegsstrategie. Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, leiden unter psychischen Langzeitfolgen, Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken und sozialer Isolation.

Die wenigsten Flüchtlinge erreichen Europa. Zwei syrische Frauen, die es 2014 mit ihren Kindern bis nach Salzbergen geschafft haben, sind Rokan und Malak Hammade. Ihre Nichte Berivan Bakeer, die bereits 1997 aus Syrien nach Deutschland gekommen war, half mit ihren Sprachkenntnissen, um sprachlos Machendes in Worte zu fassen.

Die beiden Mütter, in ihrer Heimat einst als Lehrerin und Beamtin fest im Leben stehend, erinnerten sich an ein Dasein wie im Mittelalter, dem täglichen Kampf ums Überleben ohne Strom, ohne Wasser. Sie berichteten von ihrer Hilflosigkeit, als ihre Kinder Hunger litten und sie ihre Töchter vor Islamisten verstecken mussten, nur weil diese kein Kopftuch trugen.

Dankbar für die ihnen entgegengebrachte Gastfreundschaft, haben die Frauen die Hoffnung um ihre Heimat dennoch nicht aufgegeben. Berivan Bakeer schloss: „Frauen in unserem Land wissen nicht um ihre Rechte. Sie sind die Schwächsten und werden missbraucht für das, was sie sind. Selbstmord ist oft ihr einziger Ausweg, sich zu wehren.“

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