Treffen mit Einheimischen In Salzbergen sind Flüchtlinge willkommen

Von Anne Bremenkamp


Salzbergen. Sherko Hamade spielt leise Klänge auf der Tanbur, während auf der Leinwand hinter ihm die bewegten Bilder seiner Flucht aus Syrien weit mehr als 100 Menschen im Gemeindezentrum Salzbergen bewegen.

Weltweit sind 52 Millionen Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten auf der Flucht, das Schicksal des 22-jährigen Sherko gibt ihnen allen ein Gesicht. Der Internationale Freundschaftskreis Salzbergen hatte zusammen mit der Kolpingsfamilie und der politischen Gemeinde zu einem Informationsabend geladen, um für das Flüchtlingsdrama zu sensibilisieren. Gleichzeitig setzte er ein Zeichen für eine herzliche Willkommenskultur gegenüber den heimatverlorenen Menschen, die in Deutschland neue Wurzeln schlagen müssen. Dass Flüchtlinge in Salzbergen und auch im benachbarten Emsbüren fruchtbaren Boden dafür finden können, das bewies auf dem lebendigen Film- und Gesprächsabend das bemerkenswerte Interesse aus der Bevölkerung.

„Wir alle können viel tun, damit aus Fremden Freunde werden“, erinnerte sich Margret Gratzki einführend an das Jahr 1945, als zahllose Deutsche Flüchtlinge im eigenen Land waren.

Die Heimat im Herzen

„Es war meine Heimat, die mich getröstet hat, als ich weinte und die mich beschützt hat, als ich in Gefahr war. Sie hat nicht von mir erwartet, mich mit Waffen auszurüsten, um sie vor denen zu schützen, die ihr Schlechtes wollen. Ich habe meine Heimat verlassen, aber ich trage sie im Herzen.“ Diese eindringlichen Worte stammen aus dem Tagebuch der 15-jährigen Berivan Qussem, die Sequenzen aus der schriftlich festgehaltenen Erinnerung an ihre syrische Heimat vorlas. Während sie von Freunden in ihrer Schule, vom Kaffeeduft im Haus ihrer Tante und vom Gesang ihres Großvaters erzählte, zeigten die Bilder hinter ihr paradiesische Ansichten eines Landes, in dem jetzt die Hölle tobt.

Einem solchen Schattenreich entkam auch der 30-jährige Tesfaneh Habte Tekle aus Eritrea. Seine Flucht über den Sudan und Libyen dauerte mehr als zwei Jahre, bevor er mit nicht mehr als seinen Träumen im Gepäck auf einem Todesschiff das Mittelmeer überquerte.

„Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, wenn er viel Geld für seinen wahrscheinlichen Tod bezahlt?“, fragte Berivan Bakeer, die bereits 1997 aus Syrien nach Deutschland gekommen war und Tesfaneh Habte Tekle, Sherko Hamade und Berivan Qussem ihre Sprachkenntnisse lieh, um sprachlos Machendes in Worte zu fassen. Die Flüchtlinge dieser Welt fühlen alle denselben Schmerz.“

Das Leben ist wertvoll

Die Antwort auf ihre zweite Frage „Was macht ein Menschenleben wertvoll?“ lieferte Berivan Bakeer gleich mit: „Wo wir geboren wurden, ist unser Leben nichts wert. Dort sind wir nur eine Zahl, einer von vielleicht dreihundert, die an nur einem Tag gestorben sind. Doch das Leben, was Gott uns allen geschenkt hat, sollte wertvoll sein und nicht nur eine Zahl.“

Weitere Berichte aus Salzbergen finden Sie unter www.noz.de/lokales/salzbergen


Seit 2011 hat die Gemeinde Salzbergen rund 40 Flüchtlinge aufgenommen. Bis Mitte 2015 werden sieben weitere Vertriebene in der südlichsten Kommune des Emslands erwartet. In Kooperation mit der VHS Lingen fangen ehrenamtlich tätige Integrationshelfer wie Erhard Kleppe, Ernst Riedel oder Karl-Heinz Winnemöller diese Menschen in der Fremde auf, stehen ihnen zur Seite und profitieren menschlich selbst davon.

Sie gründeten zudem den Internationalen Freundschaftskreis Salzbergen und vermitteln auch gerne Patenschaften für Flüchtlinge.

Jeden Montag ab 17 Uhr sind Flüchtlinge, Asylbewerber oder Zuwanderer herzlich zu einem offenen Gesprächsabend in der Salzbergener Arche eingeladen.