Unkräuter können heilen Kinder in Salzbergen mit der Kräuterhexe auf Tour

Von Ludger Jungeblut

Als wissbegierige Lehrlinge einer echten Kräuterhexe entdeckten die Drittklässler der Grundschule Holsten-Bexten altes Naturheilwissen. Foto: Anne BremenkampAls wissbegierige Lehrlinge einer echten Kräuterhexe entdeckten die Drittklässler der Grundschule Holsten-Bexten altes Naturheilwissen. Foto: Anne Bremenkamp

Salzbergen. Gegen so manches Zipperlein ist ein Kraut gewachsen: Vielfach als Unkraut abgetane Gewächse am Wegesrand besitzen heilende Wirkung. Jahrhundertealtes Naturheilwissen hat die dritte Klasse der Grundschule Holsten-Bexten erfahren, die mit „Kräuterhexe“ Maike Hoberg zu einer spannenden Exkursion in die Wildnis des Salzbergener Ortsteils Bexten aufgebrochen war.

Bexten liegt inmitten des „Hotspots 22“, der unter dem Oberbegriff „Wege zur Vielfalt – Lebensadern auf Sand“ im südlichen Emsland und in der nördlichen westfälischen Bucht beheimatet ist. Der „Hotspot 22“ ist eine von deutschlandweit 30 „Schatzkisten der Natur“, die von der Bundesregierung zur Umsetzung des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ ausgewählt wurden. In diesen Regionen mit einer besonders hohen Dichte und Vielfalt an charakteristischen Tier- und Pflanzenarten sollen beispielhafte Wege zum Erhalt und zur Entwicklung einer erlebbaren Landschaft aufgezeigt werden.

Wahren Erlebnischarakter hatten auch die Erläuterungen von „Kräuterhexe“ Maike Hoberg, die für die Naturschutzstiftung des Landkreises Emsland als Projektleiterin des „Hotspots 22“ tätig ist. Anhand der Pflanzen, die die 15 kleinen Kräuterhexenlehrlinge in Bexten zuhauf fanden, erzählte sie, dass Sauerampfer rund 300-mal mehr Vitamin C hat als eine Zitrone, dass Labkraut früher zur Herstellung von Käse genutzt wurde, dass Schafgarbe bei Bauchweh und Faulbaum bei Verstopfung hilft oder dass Kamille ein wahres Wunderkraut ist und sich bei Nervosität und Schlaflosigkeit ebenso empfiehlt wie bei der Behandlung von Ekzemen. Die Grundschüler säten selbst Kräuter ein, brauten wohltuende Tränke und servierten einen delikaten Unkrautsalat.

Beim Verbundprojekt „Hotspot 22“ kooperiert der Landkreis mit der Jägerschaft Lingen und hat in diesem Zuge den Hegering IV und damit vor Ort auch die Jäger aus Bexten ins Boot geholt. Denn in Bexten liegen zwei insgesamt rund 1,2 Hektar große Flächen des Landkreises, auf denen wieder wilde Kräuter wachsen sollen.

Sensibel sein

„Wir sind nicht nur Jäger, sondern auch Heger und Pfleger der Natur, die es zu wertschätzen gilt“, unterstrichen der stellvertretende Hegeringleiter Hermann Hinken und Jagdpächter Theo Seggering, deren Initiative es zu verdanken ist, dass die Drittklässler die Natur vor ihrer Haustür in ihrer Komplexität entdecken konnten.

„Die Kinder leben in der Natur. Aber nur wer Natur auch verstehen lernt, wird letztlich Umwelt schützen und sensibel sein für negative Veränderungen des Klimas und der Landschaft“, sagte Schulleiterin Inga Meyer. Klassenlehrerin Marion Arning wird das Wildkräuterprojekt im Sachunterricht fortführen, damit Unkraut in Bexten auch zukünftig nicht vergeht.