Knochenarbeit von früher Salzbergen feiert 25 Jahre historische Waschstraße

Von Anne Bremenkamp


Salzbergen. Was heute die Waschmaschine in einer Stunde erledigt, war früher körperliche Schwerstarbeit und ging oft über mehrere Tage. „Ritsche, Ratsche, Rutschpartie, wann is denn düsse Quellerie vörbie? Kin Knaup wär in ne Manchesterbux bliw. Of et denn gar kine Ännerung giw?“

Die einzigartige historische Waschstraße des Heimatvereins Salzbergen e. V. feierte am „Tag des offenen Denkmals“ ihr 25-jähriges Jubiläum und erinnerte wieder einmal eindrucksvoll an die kräftezehrende Handarbeit, deren Folge nicht nur reine Wäsche, sondern oftmals auch geschwollene und zerschundene Hände waren.

Die vom Heimatverein Salzbergen initiierte Präsentation der historischen Waschstraße, kombiniert mit der Ausstellung zum 150-jährigen Jubiläum der Emsbrücke und dem Brotbacken im alten Holzofen des Backhauses der Kolpinganlage, war nur eine von vielen spannenden Exkursionen in die Vergangenheit, die anlässlich des „Tags des offenen Denkmals“ quer durch das südliche Emsland zum Entdecken und Erleben einluden.

„Wir machen heute Vergangenes wieder lebendig und möchten auch der Jugend zeigen, dass jeder Ort seine eigene Geschichte hat“, unterstrich Lüdiger Liehmann als zweiter Vorsitzender des Heimatvereins, nachdem der Musikverein Salzbergen vor imponierender Kulisse den klangvollen Auftakt zu einem abwechslungsreichen Programm gegeben hatte.

Franz Evers, Gründungsmitglied des 1975 ins Leben gerufenen Heimatvereins, erinnerte sich genau an die Zeit vor 1950, als Holsten noch nicht an das Stromnetz angeschlossen war, die Wäsche aber trotzdem sauber werden musste. „Als Kinder mussten meine Schwester und ich morgens um halb fünf aufstehen und zweimal jeweils 45 lange Minuten ,schummeln‘ – das heißt die Wäsche schwenken. Das war ganz harte Arbeit.“ Im Winter wurden Sturmlaternen in die Bäume gehängt, damit die Augen sahen, was die Hände tun mussten. Im Sommer musste das reinigende Nass mit einem Bollerwagen und einem hölzernen Kochfass von der Ems hergekarrt werden.

Evers ist einer von zurzeit 13 Aktiven, die die historische Waschstraße nicht nur unermüdlich zusammengetragen haben, sondern auch ehrenamtlich auf Märkten präsentieren – das nächste Mal auf dem Apfelfest in Clusorth-Bramhar. Die Anlage, deren ältestes Exponat, eine Holzbottich-Schwenkmaschine, aus dem Jahr 1907 stammt, erreicht aufgebaut eine imposante Länge von mehr als 30 Metern. Sie sorgt allerorts für Begeisterung, denn es darf auch gerne mal selbst die Wäsche gerubbelt werden. Bis zu neun Kilo schwere Bügeleisen, in denen ein trinkfreudiger Schneider auch schon mal seinen Flachmann verstecken konnte, eine Wäschepresse, die wahlweise auch zum Entsaften, Färben und Schnaps brennen verwendet werden konnte: Dieses und noch vieles mehr umfasst die Waschstraße, die ein blütenweißes Zeugnis dafür ablegt, dass die ehrenamtlich Engagierten des Heimatvereins Salzbergen keine schmutzige Wäsche waschen, aber immer eine Hand die andere wäscht.

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