Ende des Dauer-Provisoriums in Sicht Ein Neubau für den Feuerwehr-Schatz in Salzbergen

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Das Schmuckstück des Museums zeigen (von links) Magnus Reckers, Marcus Droste und Thomas Kolmes: Es ist eine Dampfspritze von 1901. Es ist eine von vier funktionstüchtigen in Deutschland – jedes Jahr kommt der Tüv. Foto: Mike RöserDas Schmuckstück des Museums zeigen (von links) Magnus Reckers, Marcus Droste und Thomas Kolmes: Es ist eine Dampfspritze von 1901. Es ist eine von vier funktionstüchtigen in Deutschland – jedes Jahr kommt der Tüv. Foto: Mike Röser 

Salzbergen. Eine Schatzgrube der Feuerwehr-Historie ist in den vergangenen Jahrzehnten in Salzbergen entstanden: Auf rund 800 Quadratmetern präsentiert das Feuerwehrmuseum die Entwicklung vom Löscheimer aus Stroh zum modernen Fahrzeug und mehr. Doch das Domizil am Overhuesweg war von Beginn an als Übergangslösung gedacht – nach mehr als 25 Jahren soll jetzt ein Neubau her.

Eine Jacke ist ein guter Wegbegleiter für jeden, der in diesen kalten Tagen das Feuerwehrmuseum Salzbergen am Overhuesweg betritt. Auch Marcus Droste trägt eine. "Wir versuchen schon alles, aber richtig warm wird es hier nicht", sagt der Schriftführer des Feuerwehrmuseumsvereins Freiwillige Feuerwehr Salzbergen.

Erklärt sich warm: Marcus Droste mit einer Stockspritze, mit dieser mussten Feuerwehrleute nicht mehr so nah an den Brand heran. Foto: Mike Röser

Denn das Gemäuer ist alt: Die alte Textilfabrik der Firma Cruse aus Wettringen stand schon einige Jahre leer, als der Museumsverein seine seit den späten 1970er Jahren gesammelten Schätzchen dort ab 1993 unterbringen durfte. 390.000 DM kostete das damals, noch heute ist der Verein der Gemeinde dankbar dafür, meint Vorsitzender Thomas Kolmes, doch:

"Das war damals provisorisch auf zehn Jahre gedacht."Thomas Kolmes, Vereinsvorsitzender

Mittlerweile hat der Verein in dieser Übergangslösung sein silbernes Jubiläum gefeiert. "Seitdem ist am Gebäude auch nichts mehr gemacht worden", berichtet Kolmes, der den Verein seit 2004 führt. Der Keller ist in den 25 Jahren nie wirklich trocken gewesen, das Dach ist löchrig und die Wärmeisolierung stammt aus einer Zeit als es das Wort noch nicht einmal gegeben haben mag: Bei Minusgraden draußen herrschen diese auch in den Museumsräumen.

Für Wärme sorgt jedoch die Begeisterung, mit der Kolmes, Droste und auch Vereinsmitglied Magnus Reckers durch die Schatzgrube der Feuerwehrgeschichte führen. Stolz zeigt Kolmes die 2017 angeschafften Vitrinen im Obergeschoss, in der Helme aus unterschiedlichen Epochen zu bestaunen sind. Reckers verrät, auf welchem Oldtimer noch der grüne Lack durchschimmert, den die Nationalsozialisten für Feuerwehrautos vorschrieben. Und Droste erläutert den Weg vom einfachen Löscheimer zum modernen Fahrzeug so selbstverständlich, als würde er in seiner eigentlichen Berufung als Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Emsbüren-Salzbergen vom Leben Jesu berichten.

"Tin Lizzy" im Feuerwehreinsatz: ein Ford Modell T, Baujahr 1923, 20 PS, 40 km/h in der Spitze. Foto: Mike Röser

Doch eine bloße Anhäufung von Feuerwehr-Devotionalien erwartet den Besucher im Feuerwehrmuseum Salzbergen nicht. "Das hier ist qualitativ etwas anderes", sagt Droste. Rund 100 Mitglieder hat der Trägerverein, der aus der Freiwilligen Feuerwehr am Ort hervor gegangen ist. Der harte Kern schiebt Aufsichtsdienste, hält Gebäude und Ausstellung in Schuss, führt Besucher herum, inventarisiert - und forscht, wenn ein neues Exponat dazu kommt. Alles kommt bei Weitem nicht in die Ausstellung: "Spannend muss es sein", erklärt Kolmes. "Und am besten einen lokalen Bezug haben wie unsere alte Drehleiter." 2526 Besucher wollten das 2018 sehen - mehr können die Ehrenamtlichen derzeit fast nicht leisten.

Start ins Jahr mit neuen Audioguides

In die Saison 2019 startet das Feuerwehrmuseum Salzbergen am 3. Februar mit einer Neuheit: An bislang sieben Audioguide-Stationen können sich Besucher Informationen und Geschichten zu den Exponaten anhören.
Dazu wird ein eigenes Smartphone benötigt, mit dem ein QR-Code gescannt wird. Daraufhin öffnet sich auf dem Gerät die Webseite von museum.de. Dort sind die Tondateien zu den Exponaten hinterlegt, die unter anderem auch Schriftführer Marcus Droste und Vorsitzender Thomas Kolmes vom Feuerwehrmuseumsverein eingesprochen haben. Dankbar zeigten sich beide für die technische Unterstützung durch Vereinsmitglied Magnus Reckers.
Damit die Übertragung der Sprachdateien aufs Handy gut funktioniert und das Datenvolumen der Besucher nicht belastet wird, hat der Verein eine freie Internetverbindung per W-Lan eingerichtet. „Das war für uns mit nur geringen Kosten verbunden“, sagt Kolmes. Die Webseite museum.de stellt den Audioguide-Service kostenlos zur Verfügung; der Verein musste die Ausstattung für das W-Lan-Netzwerk zahlen.

Stolz ist der Verein, dass er sich unter den Feuerwehrmuseen in Deutschland einen Namen gemacht hat. Und dass es unter Einsatz von viel Zeit und Kraft 2017 gelungen ist, das Museumsgütesiegel Niedersachsen und Bremen zu erhalten. Darin bescheinigen das Ministerium für Wissenschaft und Kultur, der Museumsverband für Niedersachsen und Bremen sowie die Niedersächsische Sparkassenstiftung, dass die Ehrenamtler in Salzbergen ein Museum führen, das den Standards des Deutschen Museumsbundes/ICOM Deutschland erfüllt.

1993 war der Einzug des Musums in die alte Textilfabrik der Firma Cruse aus Wettringen als Provisorium für zehn Jahre gedacht. Im Jahr 2019 hofft man nun endlich auf einen Neubau. Foto: Mike Röser

Pläne, die den 300 Jahren Feuerwehrgeschichte in Salzbergen einen würdigeren Raum geben würden, hingen schon lange Zeit im Aufenthaltsraum der Ehrenamtler. Auch mit Vertretern der Gemeinde hatte man viele Lösungen durchgespielt. Entsprechend groß war die Freude, als der Gemeinderat vor Weihnachten grünes Licht für einen Neubau und für einen Zuschuss in Höhe von 400.000 Euro gab. 870.000 Euro sollen investiert werden in zwei Bauabschnitten, weitere Fördermittel werden vom Land und vom Landkreis Emsland erhofft.

Nicht alle Fahrzeuge kann der Museumsverein in der Ausstellung zeigen: Hier ein Blick ins Fahrzeugdepot. Foto: Mike Röser

1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und 800 Quadratmeter Depot sind im neuen Gewerbegebiet an der Ortskernentlastungsstraße nach den Plänen des Vereins vorgesehen. Es soll ein funktionaler Bau werden, den die Gemeinde auch anders nutzen könnte, sollte das Museum wider Erwarten einmal nicht mehr existieren. An diesen Fall denken die Ehrenamtlicher natürlich nicht. Vielmehr wollen sie auch am neuen Standort ihre ausgezeichnete Arbeit fortführen, neue Ideen vor allem für Präsentations-, Empfangs- und Vortragsflächen liegen bereit. Das alles mit einem Ziel: dem Feuerwehr-Schatz einen würdigen Ort zu geben.

Öffnungszeiten und Preise

Geöffnet ist das Feuerwehrmuseum Salzbergen am Overhuesweg 18 wieder ab dem 3. Februar 2019. Bis Ende November öffnen die Ehrenamtler dann an jeden Sonntag von 10 bis 17 Uhr und Mittwoch von 19 bis 21 Uhr die Türen. Der Eintritt kostet für Erwachsene 3 Euro, Kinder und Jugendliche zahlen 2 Euro, Familien 6 Euro und Behinderte 1,50 Euro. Kinder bis sechs Jahre haben freien Eintritt. Vergünstigungen gibt es für Gruppen, auch Kindergeburtstage sind möglich.
Weitere Infos gibt es auch auf der Internetseite des Feuerwehrmuseums Salzbergen.


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