"Kein Glanzstück der Gesetzgebung" Salzbergen: Flucht vor Polizei ist illegales Autorennen

Meine Nachrichten

Um das Thema Salzbergen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Wegen  eines verbotenen Autorennens in Salzbergen hat das Amtsgericht Lingen einen 19 -jährigen Mann aus Lingen zu zwei Wochen Dauerarrest verurteilt. Symbolfoto: ColourboxWegen eines verbotenen Autorennens in Salzbergen hat das Amtsgericht Lingen einen 19 -jährigen Mann aus Lingen zu zwei Wochen Dauerarrest verurteilt. Symbolfoto: Colourbox

Lingen. Das Amtsgericht Lingen hat am Mittwoch einen 19-Jährigen wegen eines illegalen Autorennens zu zwei Wochen Dauerarrest verurteilt. Der Mann war am 1. Juli 2018 in Salzbergen mit seinem nicht zugelassenen und nicht versicherten Auto mit falschen Kennzeichen und ohne Fahrerlaubnis vor der Polizei geflüchtet.

Rein rechtlich falle das Geschehen unter den vom Gesetzgeber zum 1. Oktober 2017 in das Strafrecht eingeführten Paragraphen 315 d "Verbotene Kraftfahrzeugrennen", so der Vorsitzende Richter. Dort heißt es in Satz drei, dass sich unter anderem schuldig macht, wer "sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen." Dieser Satz drei sei "unglücklich", sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung und konnte sich einen Seitenhieb in Richtung Politik nicht verkneifen: "Das war kein Glanzstück der Gesetzgebung".

Innerorts Tempo 100

Inhaltlich gab es an den gebrochenen Regeln allerdings nichts zu rütteln. Der 19-Jährige war in der fraglichen Nacht gegen 2.30 Uhr mit seinem wenige Tage zuvor für 150 Euro gekauften gebrauchten Golf 3 gemeinsam mit seiner damaligen Freundin in Salzbergen unterwegs. Dort wurde eine Polizeistreife auf das Gefährt aufmerksam und wollte sich Fahrer und Fahrzeug etwas genauer anschauen. Offensichtlich angesichts des mit Blaulicht und Sirene wendenden Streifenwagens drückte der junge Mann aufs Gaspedal und raste auf der Rheiner Straße in Richtung Schüttorf. Die Polizeibeamten sprachen von stark erhöhter Geschwindigkeit des Flüchtenden. Innerorts sollen es mehr als 100 km/h gewesen sein. Außerorts wollen die Beamten dem Flüchtigen mit Tempo 170 auf den Fersen gewesen sein. Also mit Vollgas, denn im Fahrzeugschein des Golf sind als Höchstgeschwindigkeit 168 km/h verzeichnet. Bei seiner Flucht ließ sich der 19-Jährige auch von zumindest einer roten Ampel nicht aufhalten. Hinzu kam ein Überholmanöver, das ein Polizist als ob nahenden Gegenverkehrs als "brenzlig" bezeichnete.

Ins Schleudern geraten

Die Fahrt endete schließlich auf der Schüttorfer Straße. Dort hatte der Flüchtende beim Passieren eines weiteren Streifenwagens die Kontrolle über sein Auto verloren, war ins Schleudern geraten und nach dem Touchieren eines Baumes links im Graben gelandet. Die Besatzung des zweiten Streifenwagens war von ihren Kollegen um Hilfe gebeten worden und hatte mit Blaulicht und Warnblinker am Straßenrand gewartet. Eigentlich, so einer der Polizisten, hätten sie gerade eine Straßensperre aufbauen wollen, dafür habe aber die Zeit nicht mehr erreicht.

"Jugendtypisches Vergehen"

Im Prinzip, so der Vorsitzende Richter, handele es sich bei den Taten des 19-Jährigen um "jugendtypische Vergehen", die normalerweise nicht unbedingt vor Gericht landen. Allerdings sei durch das Verhalten des Mannes dessen im Fahrzeug sitzende Freundin verletzt worden - letztlich allerdings ebenso glimpflich wie der Angeklagte selbst erlitt sie unter anderem ein Schleudertrauma und Prellungen. Das sich der Angeklagte selbst auch verletzt habe, sei nicht strafbar. Der Dauerarrest sei notwendig um dem 19-Jährigen, der sich laut Jugendhilfe gerne über Regeln hinwegsetzt, zu zeigen, dass es so nicht gehe.

28 Feuerwehrleute im Einsatz

Auf seinen Führerschein muss der autoaffine 19-Jährige, der gerade eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker beginnen möchte, noch mindestens zwei Jahre warten. Neben dieser Sperre darf er laut Richter ab sofort "drei Monate lang nichts fahren, was einen Motor hat". Außerdem muss er der Gemeinde Salzbergen für den Einsatz von 28 Feuerwehrleuten nebst notwendigen Fahrzeugen für die Bergung rund 2600 Euro bezahlen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN