Viel Pubertät am Ende der Geduld übrig Jungs „Generation Teenietus“ begeistert in Salzbergen

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„Generation Teenietus“: Der Kabarettist Matthias Jung begeisterte auf Einladung der Kulturinitiative KIS im Kulturkeller in Salzbergen mit trockenem Wortwitz und einer genauen Analyse der pubertierenden Jugend. Foto: Anne Bremenkamp„Generation Teenietus“: Der Kabarettist Matthias Jung begeisterte auf Einladung der Kulturinitiative KIS im Kulturkeller in Salzbergen mit trockenem Wortwitz und einer genauen Analyse der pubertierenden Jugend. Foto: Anne Bremenkamp

Salzbergen. Die geniale Verbindung von origineller Familien-Comedy und erziehungswissenschaftlichem Kabarett hat ein höchst amüsiertes Publikum auf Einladung der Kulturinitiative KIS im Kulturkeller Salzbergen erlebt.

Als der Jugend-Experte auf deutschen Kabarett-Bühnen erklärte der Diplom- und Spaßpädagoge Matthias Jung in seinem Programm „Generation Teenietus – Pfeifen ohne Ende?!“ die geheimnisvollen Lebenswelten  pubertierender Teenager – Wiedererkennungswert garantiert.

Essen, schlafen, chillen, rebellieren, Grenzen brechen, Türen schlagen, zocken und „always on“ sein, eine Zimmersubkultur „pflegen“ und von allem nur noch gelangweilt sein, während der Hormonvulkan kocht, Selbstzweifel den Selbstfindungs- und Abnabelungsprozess begleiten und das pubertäre Hirn eine einzige, völlig verpeilte Großbaustelle ist.

Kein Speed-Dating

„Die Pubertät ist kein Speed-Dating, sondern ein Rendezvous mit sich selbst“, sagt Matthias Jung, der in Salzbergen mit trockenem, treffendem Wortwitz beste Unterhaltung mit kurzweiliger Information verband. „Es wird ein Happy-End geben, irgendwann macht es Klick“, hatte der preisgekrönte Kabarettist, dessen Buch „Chill mal!“ derzeit auf der Spiegel-Bestseller-Liste steht, nicht nur als Trost für alle leidgeprüften Eltern im Gepäck.

Normaler Wahnsinn

Er offerierte auch praktische Lebenshilfen für den gelassenen Umgang mit dem ganz normalen Wahnsinn auf dem Weg ins Erwachsenwerden. „Nach etwa zwölf Jahren wird aus einer Erziehung eine Beziehung, aus Bestimmen wird Aushandeln“, appellierte Matthias Jung an alle Eltern, zwar klare Kante zu zeigen und Ideale vorzuleben, aber ihren pubertierenden Sprösslingen mehr Freiräume zu lassen, sie weniger zu kontrollieren, dafür mehr ausprobieren und vor allem loszulassen.

Inneres Dilemma

„Wenn die Eltern peinlich sind, haben sie alles richtig gemacht“, beruhigte er und sensibilisierte mit seiner genauen Analyse der Jugend für das innere Dilemma, wenn ein Kerl wie ein Schrank noch die Seele eines Kindes hat. Während die am liebsten noch „Spitz pass auf!“ spielen würde, ruft der dazugehörige testosteronüberflutete Körper hingegen schon „Ich bin spitz, pass auf!“

Hormon-Tsunami

Schuld ist eben die Hormonumstellung: Das Stresshormon Cortisol sorgt für Diskutierwut und rasant wechselnde Stimmungsschwankungen zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, das leider zwei Stunden zu spät ausgeschüttete Schlafhormon Melatonin macht Jugendliche zu Morgenmuffeln. Wer so viel schläft, kann wenig helfen und da die meisten Unfälle bekanntlich im Haushalt passieren, gehen Teenies dieses Risiko gar nicht erst ein. Morgens halb zehn in Deutschland, wenn der Hormon-Tsunami gerade aus der Tür gerauscht ist und das blank liegende Nervenkostüm der Mutter sich nicht nach einem Knoppers, sondern eher nach einem Schnaps sehnt, dann muss man wissen: „Am Ende der Geduld ist noch viel Pubertät übrig, aber irgendwann ist der Nachwuchs aus der Werbung zurück.“


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