Drohendes Aus der IG Handel und Gewerbe Salzbergen sucht nach der zündenden Idee

Von Sven Lampe

Den Humor nicht verloren haben die Verantwortlichen der IG Handel /Gewerbe und der Gemeinde Salzbergen. Sie wollen die darbende Interessengemeinschaft nicht im Regen stehen lassen. Foto: Sven LampeDen Humor nicht verloren haben die Verantwortlichen der IG Handel /Gewerbe und der Gemeinde Salzbergen. Sie wollen die darbende Interessengemeinschaft nicht im Regen stehen lassen. Foto: Sven Lampe

Salzbergen. Die Interessengemeinschaft IG Handel & Gewerbe Salzbergen steht vor dem Aus. Um den Verein nach fast 40 Jahren nicht sang- und klanglos auflösen zu müssen, wollen der kommissarische Vorstand und die Gemeinde Salzbergen nach neuen Wegen suchen.

Ist es das Konzept? Ist es Desinteresse der Unternehmer? Sind es eingefahrene Strukturen? Ist es ein Mangel an zündenden Ideen? Die Gründe für den intern und extern seit Jahren spürbaren Niedergang der Interessenvertretung der örtlichen Unternehmer sind für die Akteure nicht wirklich greifbar. Es fallen Worte über hausgemachte Probleme wie „Vereinsmeierei“, gesellschaftlichen Entwicklungen wie fehlendem ehrenamtlichen Engagement angesichts ausbleibenden Erfolges und nicht zuletzt schlechten Rahmenbedingungen wie Konkurrenzdruck aus umliegenden Kommunen und dem immer weiteren Anstieg des Onlinehandels.

„Zu rummelig“

Angesprochen darauf, was denn neben der Möglichkeit, exklusiv im Gemeindeblatt „Salzbergener Bote“ werben zu dürfen, die Arbeit der IG präge, lautet die Antwort der „Salz- und Ölmarkt“ und das „Lichterfest“. Beide Salzbergener Publikumsmagneten werden von der IG begleitet und mitorganisiert. Das sei aber nicht genug, sind sich die seit Februar amtierenden kommissarischen Vorstandsmitglieder Irmgard Forstmann, Simone Puls und Jürgen Baals sowie Bürgermeister Andreas Kaiser einig. Zumal die beiden Veranstaltungen auch im Kreis der lokalen Einzelhändler nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen. „Zu rummelig, daran beteiligen wir uns nicht“, heiße es immer mal wieder.

Nur wenige Große dabei

Die 1981 als Verein gegründeten Interessengemeinschaft hat über die Jahre konstant um die 70 Mitglieder — von mittlerweile rund 150 in der Gemeinde ansässigen Unternehmern. Organisiert sind laut Bürgermeister Kaiser überwiegend die kleineren Einzelhändler, Dienstleister und Handwerker. Von den „Großen“ im Ort sind nur wenige dabei. Der Tiefpunkt in der 37-jährigen Geschichte der IG war im Februar dieses Jahres erreicht. Der gesamte Vorstand trat nicht wieder an, niemand riss sich wirklich um die Nachfolge an der Spitze. So machte angesichts des spürbaren Frustes die Idee die Runde, die Interessengemeinschaft schlicht aufzulösen. Aber auch dieser Ansatz fand letztlich bei den 16 erschienenen Mitgliedern keine Mehrheit. Kommissarisch in die Bresche sprangen dann Irmgard Forstmann, Simone Puls und Jürgen Baals. Sie wollen nun gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung bis zu einer für Oktober angesetzten Mitgliederversammlung versuchen, die Lage zu analysieren, Schlüsse zu ziehen und zumindest eine Idee zu entwickeln wie es weitergehen könnte und sollte. Und was geschieht, wenn es bis Herbst keine neuen Ansätze gibt? Schulterzucken in der Runde. Alleine und ohne neuen Input von außen werden sie es kaum schaffen, ist Vorstand und Gemeindespitze klar. Neben zündenden Ideen und möglicherweise auch dem notwendigen Geld geht es vor allem darum, neue Mitglieder zu werben, um die anstehende Arbeit auf möglichst viele Schultern verteilen zu können.

„Wir müssen nachhaken“

Ein erster Ansatz auf dem Weg war das von der Gemeinde ins Leben gerufene erste Salzbergener Unternehmertreffen. Die Resonanz auf das Netzwerktreffen im Conference Center des ISP Testing Institutes macht Bürgermeister Kaiser ein wenig Mut. Rund 100 Gäste aus rund 70 lokalen Unternehmen - sprich knapp die Hälfte — waren der Einladung gefolgt. „Jetzt müssen wir nachhaken“, gibt Bürgermeister Kaiser die Richtung vor. Nachhaken bei denjenigen kleinen und großen Wirtschaftsakteuren vor Ort, sich mit Ideen, Manpower und Sachleistungen einzubringen. Denn die Herausforderungen, die sich in erster Linie Händler, Handwerker und Freischaffende stellen müssen, sind enorm. Zumal die Salzbergener die Konkurrenz durch großflächigen Einzelhandel und den wachsenden Onlinemarkt nicht exklusiv haben. Vor allem die Grundversorgung ist in der Kommune seit längerer Zeit auf einem absteigenden Ast. Zwar gibt es im Ort vier Supermärkte und weitere Angebote für den täglichen Bedarf. Doch das Angebot hat sich mehr und mehr gelichtet. So gibt es aktuell weder eine Fleischerei noch ein Sportgeschäft. Das Angebot an Elektroartikeln ist ebenso verwaist.

Was die Salzbergener besonders wurmt, ist das in mehreren Anläufen gescheiterte Bestreben, eine bekannte Drogeriekette als Frequenzbringer in den Ortskern zu holen. „Wenn die Leute von dort etwas brauchen, fahren sie in die Nachbarkommunen und kaufen dann dort auch andere Dinge ein“, bringt Kaiser es auf den Punkt.

Dieses Kaufverhalten der Kunden führt letztlich dazu, dass Salzbergener Geld nicht in Salzbergen ausgegeben wird, sondern Unternehmern in anderen Orten wie Rheine, Emsbüren oder Ochtrup zugute kommt.

Da hilft es laut Kaiser auch nicht, dass die IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim Salzbergen mit die höchste Bindung von Kaufkraft im Kammerbezirk attestiert. Denn, und auch das gehört zur Wahrheit, spielen die Umsätze der beiden Möbelhäuser in Holsterfeld in dieser Statistik eine nicht unwesentliche Rolle.

Hoffnung

Eine Hoffnung, die Kommune für Kunden und Unternehmer langfristig interessanter zu machen, liegt in der Sanierung des Ortskernes. Auch wenn die ersten Arbeiten länger gedauert haben als geplant und das Projekt erst in rund drei Jahren abgeschlossen sein wird. Denkansätze sehen die Verantwortlichen von Interessengemeinschaft und Kommunalverwaltung Salzbergener auch in einem Vortrag, den Falk Hassenpflug von der IHK beim Unternehmertreffen gehalten hat. Der für Standortentwicklung und Stadt Stadtmarketing zuständige Experte attestierte Salzbergen positive Rahmendaten und Potenzial. Und zwar dann, wenn in der Gemeinde die Herausforderungen gezielt, strukturiert und vor allem gemeinsam angegangen werden.


Anmerkung der Redaktion: In einer älteren Onlineversion dieses Artikels war der Hinweis zu lesen, dass es in Salzbergen kein Angebot in den Bereichen Schuhe und Blumen geben würde. Das ist falsch. So ist das Schuhhaus Feldmann seit 85 Jahren im Ort präsent. Der Blumen-Pavillon bietet im Combi-Markt seine grünen Waren an.