Als in Holsten ein Flugzeug vom Himmel fiel Großes Interesse an Buchvorstellung „Rettung aus dem Inferno“ in Salzbergen

Von Anne Bremenkamp


Salzbergen. Es war der 15. April 1944, als im Salzbergener Ortsteil Holsten ein brennender Jagdbomber vom Himmel und fast auf die Volksschule fiel. Auf den Tag genau 74 Jahre ist dazu das Buch „Rettung aus dem Inferno“ vorgestellt worden.

Mehr als 70 gebannt lauschende Zuhörer kamen zu der Vorstellung in der Gaststätte Warburg in Holsten Bexten. Die von den Machern vor Ort handsignierten Bände fanden reißenden Absatz.

Im Rahmen seiner Flugausbildung unterquerte der amerikanische Pilot Tunis J. Lyon sogar die Golden-Gate-Bridge. Den Flughafen Rheine-Bentlage aber übersah er und musste seinen von der Flugabwehr schwer getroffenen Jagdbomber vom Typ Lockheed P38, auch Gabelschwanzteufel genannt, in Holsten im Jahr 1944 notlanden. In allerletzter Sekunde konnte der 20-jährige sich schwer verletzt aus dem brennenden Wrack retten. Der damals erst dreijährige Bernhard Stallkamp, Sohn des Volksschullehrers, hat nie vergessen, wie er aus der Waschküche heraus den schwer verletzten und schwarz verkohlten Piloten über den Schulhof laufen sah.

Reiche Bebilderung

Diese Erinnerung war für den heute 77-jährigen Bernhard Stallkamp ein Auslöser, umfassend über die Hintergründe und den weiteren Lebensweg des Piloten zu recherchieren und gemeinsam mit Joachim Eickhoff, Gründer der Lingener Vermisstensuchgruppe Ikarus, ein bemerkenswertes Buch darüber zu schreiben. Die reiche Bebilderung und Bildbearbeitung oblag dem aus Holsten stammenden Fotografen Richard Heskamp. An der Mitarbeit beteiligt waren zudem Zeitzeugen aus Salzbergen sowie Karin Geerdes, Günther Gratzki und Georg-Wilhelm Hanna aus Bad Soden. Dort wurde der 2012 im Alter von 88 Jahren in Texas verstorbene Tunis J. Lyon im Mai 1945 aus der Kriegsgefangenschaft befreit.

Glückliche Kindheit in Holsten

„Ich bin Holsten immer verbunden geblieben“, verwies der heute in Osnabrück lebende pensionierte Medizinprofessor Bernhard Stallkamp auf seine glückliche Kindheit. Als kleiner Steppke habe er sich von den englischen Soldaten Schokolade gewünscht, heute wünsche er sich, den Kindern des Piloten an der Absturzstelle in „Ruers Tannen“ die Hand zum Zeichen der Aussöhnung reichen zu können.

Erinnerung wachhalten

„Rhubarb“, zu Deutsch Rhabarber, war im zweiten Weltkrieg das Codewort der Amerikaner, wenn es hieß, unter den Wolken einen Einsatz auf lohnende Ziele zu fliegen. „Gerade am Ende des Krieges waren lohnende Ziele immer häufiger auch der Bauer auf dem Feld oder die Kinder auf dem Schulweg“, erinnerte Co-Autor Joachim Eickhoff an grausame Zeiten. „Ein kleiner Moment Salzbergener Geschichte wird in dem Buch von vielen Seiten meisterhaft beleuchtet und setzt sich so zu einem imposanten Puzzle zusammen. Nur zu empfehlen“, zollte Bürgermeister Andreas Kaiser seinen Respekt davor, die Erinnerung an schreckliche Zeiten wachzuhalten. Denn nur wer sich erinnert, kann friedvolle Zukunft gestalten.

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