Sanierung des Ortskerns Salzbergen: Anlieger fühlt sich übergangen

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Michael Lammers ärgert sich über die Planungen für diesen schmalen Grundstücksstreifen, der früher einmalseiner Familie gehörte. Foto: Sven LampeMichael Lammers ärgert sich über die Planungen für diesen schmalen Grundstücksstreifen, der früher einmalseiner Familie gehörte. Foto: Sven Lampe

Salzbergen. Die Sanierung des Salzbergener Ortskerns geht in die nächste Runde. Allerdings nicht zur Freude aller Anlieger rund um den Kirchplatz. Michael Lammers ärgert sich über das Vorgehen der Gemeinde. Er fühlt sich in seinen Interessen beschnitten.

Michael Lammers ist Teil einer Erbengemeinschaft, der die Immobilie gehört, in deren Erdgeschoss die Bäckerei Sundag und das Stoffgeschäft Fadenwerk ihre Produkte anbieten.

Ein etwa fünf Meter breiter Streifen des gepflasterten Weges zwischen seinem Haus und dem angrenzenden Kirchplatz gehört der Erbengemeinschaft. Der Weg sichert die Zufahrt zu einem rückwärtig gelegenen Parkplatz. Außerdem wird er von Kunden der Bäckerei als Kurzzeit-Parkplatz genutzt. Zur Vorgeschichte gehört auch, dass vor vielen Jahren die damalige Grundstückseigentümerin einen gut einen Meter breiten Grundstücksstreifen an die Gemeinde verkauft hat. Damit, so Lammers heute rückblickend, sollte der Gemeinde ermöglicht werden, einen Zugang unter anderem zum Gemeindezentrum zu schaffen.

Furcht vor Folgen

Auf den ersten Plänen zur Ortskernsanierung durch ein Berliner Planungsbüro war das Lammerssche Grundstück mit überplant worden. Ein Vorgehen, mit dem er überhaupt nicht einverstanden ist. Er wäre gerne gefragt worden. Denn die Pläne sehen auch die Verlegung der jetzigen Parkplätze vor — um ein paar Meter in Richtung seines Hauses. Und das könne negative Auswirkungen haben, befürchtet Lammers. Zum einen fiele die Möglichkeit für Kunden weg, mal eben kurz zu parken. Außerdem bestehe für das Bäckereicafé kaum noch eine Möglichkeit, die Terrasse zu nutzen. Unter anderem deswegen, weil der Parkplatz künftig so nah an sein Haus endet, dass sein Grundstück quasi zwangsläufig als Verbindung für Fußgänger und Radfahrer dient. Lammers fürchtet nun, dass langfristig das Geschäft leidet und er seinen Hauptmieter verliert. Mit allen denkbaren finanziellen Folgen. „Wir haben einen sechsstelligen Betrag in die Sanierung des Gebäudes investiert“, sagt Lammers und sorgt sich, dass diese Investition irgendwann verloren sein könnte.

„Argumente haben nicht überzeugt“

Viel zu spät und erst auf sein Drängen habe die Gemeinde Salzbergen das Gespräch mit ihm gesucht und letztlich alle Bedenken, Wünsche, Anregungen der Erbengemeinschaft ignoriert, so Lammers. Im Dezember 2017 hatte der Rat abschließend entschieden, die Sanierung des Gebietes wie ursprünglich geplant anzugehen. In mehreren Ratssitzungen hatte Lammers zuvor das Gespräch gesucht.

Der Ton war dabei nach und nach rauer geworden. Bürgermeister Andreas Kaiser betont auf Anfrage der Redaktion, dass die Gemeinde den Anliegern in mehreren Ausschüssen und Ratssitzungen umfassend Zeit und Raum gegeben habe, sich zu äußern. Letztlich hätten die geäußerten Kritikpunkte die Gremien allerdings nicht überzeugt. Die Pläne würden seit dem Abschluss des Wettbewerbes diskutiert. Der jeweilige Stand der Diskussion sei mehrfach veröffentlicht worden, so Kaiser weiter.

Ärger über Gespräche unter vier Augen

Die Sanierung des Salzbergener Ortskernes muss sein. Das ist für Michael Lammers und Franz Reckers keine Frage. Die beiden Anlieger des Kirchplatzes, der in diesem Jahr saniert werden soll, ärgern sich allerdings über den Kommunikationsstil von Bürgermeister Andreas Kaiser. Warum sind die Detailpläne nicht in einer Anliegerversammlung vorgestellt worden?, fragen sich die beiden: Warum hat Bürgermeister Kaiser stattdessen alle Anlieger jeweils zum Vier-Augen-Gespräch aufgesucht? Die beiden vermuten, dass auf dem Weg mögliche störende öffentliche Diskussionen umgangen werden sollten. Nicht nur die beiden würden sich darüber ärgern, so Reckers weiter. Er wisse von weiteren Anliegern, die sich abseits einer öffentlichen Diskussion im kleinen Kreise getroffen hätten und sich von der Gemeinde ebenfalls nicht ausreichend mit ins Boot genommen fühlten.

„Vertrauliche Angelegenheiten“

Auf Anfrage unserer Redaktion weist Kaiser derartige Vorwürfe zurück. Vor den abschließenden Beratungen in den Ausschüssen seien die unmittelbaren Anlieger in der Tat persönlich informiert worden. Diesen Weg habe er gewählt, weil zum Teil auch vertrauliche Angelegenheiten, die nicht jeder Gesprächspartner in der Öffentlichkeit diskutieren wolle, besprochen worden seien, erläutert Kaiser. Künftig könne gerne in gemeinsamer Runde diskutiert werden, so Kaiser.


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