Projekt „Tabus brechen. Jetzt“ Poetry-Slammer thematisieren Missbrauch in Lingen

Von Elisabeth Tondera

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Gestalteten die erste Veranstaltung in der Reihe „Tabus brechen. Jetzt“ im Centralkino: (von links) Dirk Themann, Veronika Rieger, Jens Kotalla, Luise Frentzel, Simeon Buß und Angelika Roelofs.Gestalteten die erste Veranstaltung in der Reihe „Tabus brechen. Jetzt“ im Centralkino: (von links) Dirk Themann, Veronika Rieger, Jens Kotalla, Luise Frentzel, Simeon Buß und Angelika Roelofs.

to Lingen. Die „#metoo“-Welle in sozialen Medien hat die Tabuthemen sexuelle Belästigung und Gewalt ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Damit sie von dort nicht so schnell wieder verschwinden, wie sie aufgekommen sind, hat der Sozialpädagoge und Poetry-Slammer Jens Kotalla das Projekt „Tabus brechen. Jetzt“ ins Leben gerufen.

Es ist ein neues Veranstaltungsformat, das Kunst und Diskurs miteinander verbindet. Nach seinen eigenen Worten ist es ein „Mischkonzept aus literarischer Auseinandersetzung mit dem Thema (Kindes-)Missbrauch und professioneller Aufklärung“. Zur ersten Veranstaltung in dieser Reihe im Centralkino lud Kotalla, der den Abend moderierte, drei Poetry-Slammer ein, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lingen Angelika Roelofs und den Leiter der Beratungsstelle Logo, Dirk Themann. Dieser vertrat seine Kollegin Ulrike Müller, die krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte.

Sexuelle Belästigung

Das überwiegend junge, sehr interessierte Publikum hörte zunächst drei bewegende Texte der Slam-Poeten. „Flashback“ war das Thema von Veronika Rieger, Theologiestudentin und Notfallseelsorgerin aus Berlin. Bei Flashback handelt es sich um blitzartiges Wiedererleben traumatischer Erlebnisse. Eine junge Frau an der Supermarktkasse spürt plötzlich wieder die Hände der Männer, hört die lüsterne Stimme: „Du willst es doch auch.“ Eine 45-Jährige wird in der Ehe vergewaltigt und erlebt es immer wieder neu, bei einer anderen ist es sexuelle Belästigung in einer Menschenmasse. „Willkommen in einer Welt, in der jede siebte Frau Opfer sexualisierter Gewalt ist. Willkommen in 2018“, schloss die Berlinerin.

Kindesmissbrauch

Noch stärker unter die Haut ging der expressiv vorgetragene Text „Obi Dick“ von Simeon Buß aus Bremen, in dem es um Kindesmissbrauch geht. Kaum auszuhalten sind die in poetische Bilder übersetzten Ängste des kleinen Jungen Rüdiger, der als Räuberhauptmann gegen Ungeheuer kämpft…

Vergewaltigung

„Da ist was passiert. Gerade war ich noch zeitlos und dann / war plötzlich alles zu spät“– Luise Frentzel aus Bochum thematisiert in ihrem Text „Urvertrauen 2.0“ Vergewaltigung und berichtet, dass weltweit eine von drei Frauen Opfer sexueller Gewalt wird. Sie dankte Jens Kotalla, dass er dieses Format auf die Beine gestellt hat, bei dem es in erster Linie um die Opfer und nicht um die Täter geht.

„Reden, hinschauen, einschreiten“

Nach den aufwühlenden Texten war es nicht leicht, sich in eine Gesprächssituation über die schwierigen Themen einzufinden. Angelika Roelofs und Dirk Themann dankten den Künstlern für ihren Mut und betonten, es sei sehr wichtig, Menschen für das Thema sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren, es in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken und es immer wieder anzusprechen.

Gemeinsam mit den Slam-Poeten und dem Moderator gingen die beiden Fachleute auf die vielen Fragen der Zuhörer ein, die unter anderem wissen wollten, ab wann eine Handlung als sexuelle Gewalt bezeichnet wird, ob es eine wissenschaftliche Erklärung dafür gibt, was in den Köpfen der Täter vorgeht, sie fragten, was jeder einzelne tun kann, um das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen. Darüber reden, hinschauen, einschreiten, mit Betroffenen arbeiten, lauteten unter anderem die Antworten. Auch Veranstaltungen wie der Abend im Centralkino könnten viel bewirken. Somit war die gelungene Premiere mit Sicherheit der Auftakt zu weiteren Auflagen dieses Formats.


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