Zu wenige Firmen beteiligen sich Bald kein Sicherheitsdienst mehr im Gewerbegebiet Holsterfeld?

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Seit im Gewerbegebiet Holsterfeld ein privater Sicherheitsdienst tätig ist, hat sich die Zahl der Einbrüche und Diebstähle dort nahezu halbiert. Nun steht das Konzept aus finanziellen Gründen vor dem Aus. Foto: Sven LampeSeit im Gewerbegebiet Holsterfeld ein privater Sicherheitsdienst tätig ist, hat sich die Zahl der Einbrüche und Diebstähle dort nahezu halbiert. Nun steht das Konzept aus finanziellen Gründen vor dem Aus. Foto: Sven Lampe

Salzbergen. Das Gewerbegebiet Salzbergen-Holsterfeld an der A30 gilt bei der Polizei als Kriminalitätsschwerpunkt. 99 Einbrüche und Diebstähle verzeichneten die Beamten 2016 dort. Seit ein privater Sicherheitsdienst im Einsatz ist, hat sich die Zahl der Straftaten fast halbiert. Doch dem Projekt droht das Aus.

Im Dezember 2016 nahm das Sicherheitsunternehmen EVP-exklusiv seine Arbeit in Holsterfeld und dem angrenzenden Güterverkehrszentrum (GVZ) Rheine seine Arbeit auf. Laut Geschäftsführer Enrico Haupt bietet sein Unternehmen eine Art Pauschalservice an. „Wir sind mit einem Wagen, der unter anderem mit Ketten, Feuerlöscher und Ölbindemittel ausgerüstet ist, ständig vor Ort und haben eine Reaktionszeit von nur zwei Minuten“, betont Haupt. So müssten seine Mitarbeiter nachts nicht wegen jeder Kleinigkeit, wie einer unverschlossenen Tür, bei den betroffenen Firmen anrufen.

Längst nicht alle Firmen machen mit

Das Konzept funktioniert in Holsterfeld: 2017 gab es dort nach Angaben der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim nur noch 53 Einbrüche und Diebstähle. Die Beamten sehen den privaten Sicherheitsdienst als Grund für den Rückgang.Finanziert wird der Sicherheitsdienst durch Firmen aus dem Gewerbegebiet, aus dem GVZ, von der Gemeinde Salzbergen und durch das Sicherheitsunternehmen selbst. „Die Firmen zahlen, abhängig von ihrer Größe, durchschnittlich 300 Euro monatlich“, sagt Hubert Rausing von der Gemeinde Salzbergen. Doch längst nicht alle Firmen machen mit. „Von 25 Firmen in Holsterfeld beteiligen sich nur vier“, beklagt Rausing. Ein Sprecher der Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (EWG) Rheine erklärt, dass sich von den rund 40 Unternehmen im GVZ sieben dem Sicherheitskonzept angeschlossen hätten.

Mitnahmeeffekt zum Nulltarif

EVP-exclusiv-Geschäftsführer Haupt legt bislang monatlich rund 1500 drauf. „Ich habe das Konzept bezuschusst, um zu zeigen, dass es funktioniert“, sagt Haupt, der eigentlich eine langfristige Bindung erreichen wollte. Doch wenn sich nicht mehr Firmen aus Holsterfeld und dem GVZ beteiligen, wird daraus nichts werden. Haupt hat das Ende des Einsatzes seines Sicherheitsunternehmens für Anfang Mai 2018 angekündigt, falls sich nicht etwas ändert.

„Ohne den Einstieg mehrerer zusätzlicher Unternehmen werden wir das Projekt einstellen oder konzeptionell stark verschlanken“, wird Salzbergens Bürgermeister Andreas Kaiser hierzu in einer Pressemitteilung der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim zitiert. Deren Leiter Karl-Heinz Brüggemann ist der Ansicht, dass sich große Teile der Gewerbetreibenden äußerst unsolidarisch verhalten würden: „Es ist für uns nicht hinzunehmen, dass hier einige offenbar auf eine Art Mitnahmeeffekt zum Nulltarif spekulieren.“

Gespräche in den kommenden Wochen

Jetzt möchte er gemeinsam mit Kaiser und Rüdiger Schuma, Geschäftsführer des im GVZ ansässigen Unternehmens Krimphoff & Schulte, in den kommenden Wochen Gespräche mit den Firmen führen, die sich bislang nicht an dem Sicherheitskonzept beteiligen. Die Stadt Rheine wird dies im Unterschied zur Gemeinde Salzbergen nicht tun. „Wir sehen die Firmen und die Polizei in der Verantwortung“, erklärt ein Sprecher der Stadt auf Nachfrage unserer Redaktion.

Die nordrhein-westfälische Polizei sieht im Gegensatz zu ihren niedersächsischen Kollegen aber keinen Handlungsbedarf. „Im GVZ Rheine gab es 2016 nur sechs und 2017 nur fünf Straftaten“, sagt ein Sprecher der dort zuständigen Polizei Steinfurt. Eine Erklärung dafür, dass es in dem nur durch die Autobahn A30 vom GVZ getrennten Gewerbegebiet Holsterfeld wöchentlich zu einer Straftat kommt, im GVZ aber nur alle zwei Monate, liegt unserer Redaktion von keinem der Beteiligten vor.


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