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Vom Emsland noch nie was gehört Die Wienands etablierten „Kunst im Rathaus“ in Salzbergen

Von Anne Bremenkamp | 11.02.2019, 07:30 Uhr

2003 ist das Ehepaar Wienand nach Salzbergen gezogen. Mittlerweile fühlen Jürgen und Ursula Wienand sich im südlichen Emsland sehr wohl und engagieren sich für die Kunst.

Wenn Pater Roy in früher Morgenstunde noch schnell den Hasenweg fegt, der Musikverein groß aufspielt, Bürgermeister Andreas Kaiser anlässlich eines originellen Festtages eine anerkennende Rede hält und die Vorgärten aller Nachbarn kunstvoll in Szene gesetzt sind, dann haben die kunstbegeisterten Eheleute Ursula und Jürgen Wienand im Jahr 2015 in Salzbergen die „Straße der Skulpturen“ ausgerufen und sind definitiv längst angekommen in ihrer neuen Heimat.

Emsland zunächst auf Landkarte angeschaut

„So etwas Spontanes geht einfach nur gut in einem kleinen Ort“, sagen die Wienands, die als gebürtige Bochumer nach einer längeren Zwischenstation im brandenburgischen Senftenberg im Jahr 2003 nach Salzbergen verschlagen hat – durch puren Zufall. „Jeder Rentner aus dem Ruhrgebiet, der es sich erlauben kann, zieht aufs Land“, geben die 77-jährige Ursula und ihr ein Jahr älterer Mann Jürgen schmunzelnd zu, vor ihrem Zuzug nach Salzbergen vom Emsland noch nie etwas gehört zu haben. Im Münsterland in der Gegend um Nottuln hatten sie aufgrund persönlicher Verbindungen zunächst nach einer neuen Bleibe gesucht, aber: „Entweder waren die Preise zu hoch oder die Häuser taugten nichts. Da haben wir gesagt, dann gehen wir halt ein bisschen weiter nach Norden“, erinnern sich Wienands daran, wie sie sich das Emsland zunächst nur auf einer Landkarte angeschaut haben. „Wir kannten gar nichts hier in der Ecke, aber die gute Autobahnanbindung hat uns direkt gefallen. Schnell im Ruhrgebiet und schnell unterwegs Richtung Osten zur Jagd oder Richtung Schweiz zu den Enkelkindern.“ Das von einem Makler präsentierte Haus in Salzbergen gefiel auf Anhieb, die Wienands schlugen sofort zu. „Die Raffinerie und die Müllverbrennungsanlage haben wir erst eine Woche später bei einer Rundfahrt durch unsere neue Heimat Salzbergen entdeckt“, lacht das Paar augenzwinkernd.

Spontaner Antrittsbesuch beim Bürgermeister hat Folgen

Vor seiner Pensionierung anno 2000 war Jürgen Wienand Stiftungsdirektor und Geschäftsführer verschiedener Krankenhäuser, dort initiierte er schon regelmäßig Kunstausstellungen. Heute ist der leidenschaftliche Kunstsammler und -kenner von der Galerie Alte Schule u. a. Initiator der etablierten Salzbergener Ausstellungsreihe „Kunst im Rathaus“. Seit einem spontanen Antrittsbesuch bei Bürgermeister Kaiser und der Feststellung, dass die Rathauswände doch sehr kahl seien, holen die Wienands seit 2005 regelmäßig namhafte Künstler aus aller Welt in die südemsländische Gemeinde. Ihrer beider Wirken ist insofern ein meisterhaftes Metier, als dass die beiden kreativen Köpfe es immer wieder verstehen, Kunst mit Genuss, Geselligkeit und guter Nachbarschaft zu verbinden.

Einladung zur Jagd würde Freude bereiten

Noch in diesem Jahr wird die 50. Auflage der Erfolgsgeschichte „Kunst im Rathaus“ gefeiert, die neben dem künstlerischen Wert für die Wienands aber auch einen ganz persönlichen hat: „Im Emsland bleiben die Alteingesessenen mehr unter sich, Neuzugezogene kommen erst einmal schwer dazwischen. Man muss schon was dafür tun. Über die Kunstausstellungen haben wir viele neue Leute kennengelernt und sehr gute Freunde gefunden“, sagt Ursula Wienand im Brustton der Überzeugung: „Ich fühle mich pudelwohl hier in Salzbergen!“ Jürgen Wienand entgegnet darauf mit seinem ihm typisch trockenem Witz: „Meine Frau fühlt sich hier sauwohl, ich fühl mich hier wohl. Ich lass das „sau“ weg.“ Als passionierter Jäger bedauert er, mangels landwirtschaftlichen Grund und Bodens das Waidwerk in Salzbergen nicht ausüben zu können. Daher würde er sich über eine Einladung zu einer Gemeinschaftsjagd jederzeit sehr freuen.

Erfolgreiche Werbung für das Emsland

Der einstige Großstädter und weltoffene Ruhrpöttler sieht Salzbergen, Emsbüren, Lingen, Rheine und andere umliegende Gemeinden nicht separat, sondern als „einen Ort“ an. Und so widerspricht es sich nicht, dass die „Grenzgänger“ Ursula und Jürgen Wienand Mitglied im Rheiner Kunstkreis „Spektrum 88“ wie auch im Lingener Kunstverein sind und sie die Emsbürener Musiktage ebenso genießen wie Kunst- und Kulturangebote in den emsländischen und westfälischen Nachbargemeinden. „Alles, was man hier sonst so tut, tun wir auch“, fahren die Wienands gerne Fahrrad, gehen wandern, genießen die Natur und treffen Freunde. Und sie machen erfolgreich Werbung fürs Emsland: Zu ihrem großen und bunt gemischten Freundeskreis gehört auch ein Paar aus ihrer Herkunftsstadt Bochum, das auf Empfehlung der Wienands jetzt ebenfalls in Salzbergen sesshaft geworden ist und somit in der neuen Heimat ebenso wie in der alten „nur mal eben ums Eck“ wohnt.