„Stille Helden“ in den Kriegsjahren Rheder KFD-Frauen blicken bei Jubiläum auf Anfänge zurück

Von Hermann-Josef Döbber

Blumen gab es von Uta Nintemann (von links) für Hildegard Hinrichs, der Hauptorganisatorin des Jubiläumsfestes und die früheren Vorsitzenden Helene Hackmann und Annemarie Schade. Foto: Hermann-Josef DöbberBlumen gab es von Uta Nintemann (von links) für Hildegard Hinrichs, der Hauptorganisatorin des Jubiläumsfestes und die früheren Vorsitzenden Helene Hackmann und Annemarie Schade. Foto: Hermann-Josef Döbber

Rhede. Unter dem Motto „Seit 100 Jahren Frauen auf dem Weg“ hat am Sonntag das Jubiläum der Katholischen Frauengemeinschaft St. Nikolaus Rhede gestanden. Dabei blickte die Ortsgruppe insbesondere auf die Anfangsjahre zurück.

Ihr Geburtstagsfest gestaltete die KFD-Ortsgruppe in zwei Teilen. Zum Auftakt gab es am Vormittag einen Gottesdienst. Die Predigt hielt der Diözesanfrauenseelsorger Pfarrer Jörg Buss aus Emden. Der gebürtige Papenburger hatte sich dabei mit der Rolle der Frau in der katholischen Kirche auseinandergesetzt, mehr Teilhabe eingefordert und auch begründet, warum dies notwendig sei. „Dem Papst müssen die Ohren geklungen haben“, so KFD-Schriftführerin Uta Nintemann.

Jubiläum in zwei Akten

Der zweite Teil des Festtages fand in der Gaststätte Conens statt. Unter den Gästen, die ein Grußwort sprachen, waren unter anderem Pfarrer Frank Rosemann, der evangelische Pastor Ralf Maennl, die stellvertretende Diözesanvorsitzende Annette Hilmes, von der KFD des Dekanates Emsland-Nord Teamsprecherin Katharina Münster, die Geistliche Begleitung Elisabeth Mönnich, für den Pfarrgemeinderat Marita Schade und den Landfrauenverein Magret Hackmann sowie Bürgermeister Gerd Conens und Kreistagsabgeordneter Gerd Husmann.

Als Mütterverein gegründet

Die Rheder KFD-Sprecherin Hildegard Hinrichs blickte in ihrem Grußwort zurück auf die Anfangsjahre. Im Jahr 1916 haben sich nach ihren Worten erstmals Rheder Frauen getroffen, am 22. November 1917 sei die heutige KFD als Mütterverein unter dem Schutz der Gottesmutter gegründet worden. Das Gebet sei das Hauptanliegen unter der Leitung von Helena Gerdes gewesen, die Fußwallfahrten nach Heede auf den Weg gebracht hätte. „Die Frauen schöpften Kraft, ihren Alltag zu bewältigen“, so Hinrichs. Zu einer lieb gewordenen Tradition wurde der Sprecherin zufolge auch der Mütterkaffee am Buß- und Bettag.

Mitglieder werden weniger

Aus kleinen Anfängen sei im Laufe der Jahre eine große Gemeinschaft geworden. Die Zahl der Mitglieder ist durch die Veränderungen in der Gesellschaft aber rückläufig. „Vor 25 Jahren waren es rund 500, aktuell gehören etwa 350 Frauen zu unserer Gemeinschaft.“ Hinrichs sprach von einer noch hohen Zahl, es werde aber schwieriger, junge Frauen für die KFD zu begeistern.

Die Rolle der Frau in Vergangenheit und Gegenwart

Es folgte bei Kaffee und Kuchen ein buntes Unterhaltungsprogramm. Die Rheder Gitarrengruppe bereitete ebenso Freude wie eine Modenschau mit gut gelaunten Models. Zudem amüsierten sich die Gäste über den Auftritt von Marita Schade, die szenisch die Rolle der Frau in der Vergangenheit und Gegenwart darstellte. Die Gründungsjahre beleuchtete in einem Festvortrag der Rheder Heimatforscher Albert Vinke. Die Gründung sei in eine Zeit gefallen, als viele Männer an der Front waren und die Frauen alles allein hätten bewerkstelligen müssen. „Sie kamen überein, einen Mütterverein, eine Gemeinschaft mit verheirateten Frauen zu gründen, weil sie hier Unterstützung fanden“, so Vinke.

Große Hungersnot im Krieg

Die Kriegsjahre nach dem Gründungsjahr der heutigen KFD, hätten großes Leid über die Bevölkerung gebracht. „Fast täglich kamen Todesnachrichten von der Front.“ Besonders die schweren Kämpfe an der Somme in Frankreich hätte vielen Männern das Leben gekostet. Allein die Pfarrgemeinde St. Nikolaus habe laut Vinke 82 Gefallene und Vermisste zu beklagen gehabt. Darüber hinaus habe der Krieg eine große Hungersnot gebracht. „Fast täglich sammelten Schulkinder Kräuter und Beeren, Eicheln und Laub für die Wehrmacht“, so der Heimatforscher.

Lebensmittel auf Karten

Auch mussten Kartoffeln und Getreide abgegeben und nur ein kleiner Teil durfte behalten werden. Pro Person wurden Vinke zufolge ein Pfund Kartoffeln pro Tag gerechnet. „Das waren nicht mehr als sechs mittelgroße Kartoffeln.“ Es seien Steckrüben angepflanzt worden, daher werde vor allem noch von älteren Menschen vom Steckrübenwinter 1916/17 gesprochen. Vinke: „Die Versorgung brach zusammen. Es gab nur noch Lebensmittel auf Karten.“ Der darauffolgende Winter habe starken Frost, Schneetreiben und heftigen Sturm gebracht. „Die Straße nach Aschendorf war überschwemmt, es gab keine Post und somit erhielten die Familien auch keine Nachricht von den Männern an der Front.“

„Alles was mit dem leiblichen Wohl der Familie zusammenhing, wurde von den Frauen verrichtet“

Weil die Aufgaben der Frauen und Mütter damals so vielfältig und schwer waren, vertrat die Vinke die Meinung, dass die Frauen damals die stillen Helden gewesen seien. „Der Haushalt musste versorgt werden, zudem Sorge für die Kinder und für mit im Haushalt lebende ältere Mitbürger getragen werden.“ Dazu kam noch die Bestellung der Felder und Wiesen sowie die Arbeit im Stall. Vinke: „Alles was mit dem leiblichen Wohl der Familie zusammenhing, wurde von den Frauen verrichtet.“