Vor 77 Jahren Meteoriten-Kolloquium erinnert in Rhede an emsländischen Fund

Von Hermann-Josef Döbber

Eine Hinweistafel zum Emsland-Meteoriten enthüllten während des 9. Deutschen Meteoriten-Kolloquiums Rainer Bartoschewitz (v.l.) und Albert Vinke sowie von der Sternwarte Papenburg Heinrich Pohlabeln und Uwe Nottorf. Der Fundort war ein Graben (mit im Bild) – etwa 700 Meter von der Tafel entfernt. Foto: Hermann-Josef DöbberEine Hinweistafel zum Emsland-Meteoriten enthüllten während des 9. Deutschen Meteoriten-Kolloquiums Rainer Bartoschewitz (v.l.) und Albert Vinke sowie von der Sternwarte Papenburg Heinrich Pohlabeln und Uwe Nottorf. Der Fundort war ein Graben (mit im Bild) – etwa 700 Meter von der Tafel entfernt. Foto: Hermann-Josef Döbber

Rhede. In Rhede hat das Deutsche Meteoriten-Kolloquium eine Tafel zur Erinnerung an den bisher einzigen Meteoriten-Fund im Emsland in Rhede vor 77 Jahren enthüllt. Strafgefangene hatten ihn damals entdeckt.

Der Meteorit ist 1940 im Moor bei Rhede-Brahe von Strafgefangenen entdeckt worden. In jenem Jahr seien staatliche Moorarbeiten westlich von Brahe durchgeführt worden, so Rainer Bartoschewitz, der das 9. Kolloquium in Zusammenarbeit mit dem Verein Sternwarte Papenburg veranstaltete. Wie er in Rhede vor rund 25 Teilnehmern ausführte, stießen etwa 700 Meter östlich der niederländischen Grenze die „Moorsoldaten“ in einer Tiefe von mehr als zwei Metern auf eine Eisenmasse, die im Sand unter dem Hochmoor eingebettet war. Der umgebende Sand sei in direkter Umgebung der Masse von einigen Zentimetern blaugrau eingefärbt gewesen. Diese Schicht habe noch lose an der Eisenmasse gehaftet.

Das Objekt wiegt 19 Kilogramm

Der Meteorit wiegt etwa 19 Kilogramm und hat nach den Worten von Bartoschewitz eine längliche Form von 22 mal 19 mal 13 Zentimetern. Er sei schon oft ein Anlass zu Forschungen gewesen. Bartoschewitz ergänzend: Die Oberfläche weist gut ausgebildete sogenannte Regmaglypten, also Vertiefungen, auf. Eine Fläche auf dem Objekt ist relativ eben und zeigt durch das Einwirken der Huminsäuren des Moores Widmannstätten-Struktur.

Noch 1940 – im Jahr des Fundes – habe der Metallograf Rudolf Vogel von der Universität Göttingen durch seinen aus dem Emsland stammenden Mitarbeiter von dem Fund erfahren und diesen als meteoritische Natur bestätigt. Die Hauptmasse des Meteoriten sei in den Besitz des mineralogisch-petrographischen Instituts der Universität übernommen worden. Heute aber befindet sich Material dieses Meteoriten in Sammlungen unter anderem auch in der Universität in Los Angeles und dem Geologischen Museum in Kopenhagen.

Ursprung des kosmischen Objekts vor 100 Jahren?

Drei Jahre nach dem Auffinden sei der Meteorit erstmals öffentlich beschrieben worden. Dafür wurde eine polierte und geätzte Fläche eines Meteoritenstückes untersucht. Bartoschewitz weiter: „Anhand der Ergebnisse dieser und früherer Untersuchungen wurde versucht, seine Entstehungsgeschichte abzuleiten.“ Bartoschewitz vermutete im Gespräch mit unserer Redaktion, dass der Festkörper kosmischen Ursprungs etwa vor 100 Jahren die Erdatmosphäre durchquert und den Erdboden erreicht hat. Seine Einschätzung begründet er mit der gut erhaltenen Schmelzkruste und der Naturätzung durch Huminsäuren.

Hinweistafel für Emsland-Meteoriten enthüllt

Bevor die aus ganz Deutschland angereiste Gruppe die Informationstafel des früheren Emslandlagers III Brual-Rhede besuchte, die Hinweistafel für den sogenannten Emsland-Meteoriten enthüllte und einen Spaziergang zum Fundort unternahm, konnten meteoritenverdächtige Steine zur Begutachtung vorgelegt werden. Auch informierte Heimatforscher Albert Vinke über das 1933/34 eingerichtete und 1945 aufgelöste Strafgefangenenlager. Die Gefangenen seien vor allem zu Kultivierungsarbeiten im Brualer und Rheder Moor herangezogen worden. Vinke und Bürgermeister Gerd Conens (parteilos), der ein Grußwort sprach, wünschen sich den Stein von der Universität Göttingen nach Rhede zurück, „weil er hier hingehört.“ Vielleicht gebe es auch eine Möglichkeit, das Eisen für eine vorübergehende Ausstellung zu bekommen.