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Statiker gibt grünes Licht Emsbrücke in Rhede seit Dienstagmittag wieder frei


Rhede. Die seit einem Unfall am vergangenen Freitag gesperrte Emsbrücke bei Rhede ist seit dem späten Dienstagmittag wieder befahrbar. Das hat das Wasser- und Schiffartsamt (WSA) am Nachmittag mitgeteilt. Beschränkungen gibt es für den Lkw-Verkehr.

Der vom WSA beauftragte Gutachter Günter Tranel vom Büro Eriksen aus Oldenburg hatte dem WSA bereits am Montagabend mitgeteilt, dass das am stärksten beschädigte vierte Tragwerk (aus Richtung Rhede kommend) eine „ausreichende Spannungsreserve“ habe, berichtet Norbert Gebken, Sachbereichsleiter Bau und Unterhaltung beim WSA, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Um es anders auszudrücken: Die Tragwerke sind damals überdimensioniert konzipiert worden“, so Gebken. Dank dieser Reserve kann die Brücke nun, trotz der verminderten Tragfähigkeit, die der Unfall mit sich gebracht hat, nun wieder befahren werden, und zwar in beide Richtungen, also ohne eine einseitige Lösung mit Ampelanlage.

Für Pkw gilt diese Freigabe nun uneingeschränkt, es bleibt selbstredend bei der Geschwindigkeitsbeschränkung von 50 Stundenkilometer. Für Lkw gibt es, egal mit welchem Gewicht, ab sofort ein Abstandsgebot von 70 Metern. „Damit soll gewährleistet werden, dass immer nur maximal ein Lkw in jeder Fahrtrichtung sich auf der Brücke befindet“, erklärt Gebken. Entsprechende Schilder wurden am Dienstagmittag aufgehängt, genauso wie Schilder, die auf Brückenschäden hinweisen. Am Montag war eine Entscheidung für eine Freigabe für frühestens Mittwochnachmittag angekündigt worden.

(Emsbrücke bei Rhede bis mindestens Mittwoch gesperrt)

Brücke an zwei Stellen beschädigt

Wie berichtet, war am Freitag, 1. September 2017, gegen 13.30 Uhr bei dem Teleskoplader der Marke Manitou die Hinterachse gebrochen. Die Arbeitsmaschine war anschließend gleich zwei Mal gegen die Tragkonstruktion der Brücke an der Bellingwolder Straße (Landstraße 52) geprallt. Beschädigt wurden (aus Richtung Rhede blickend) das zweite und vierte Tragfeld („Pfeiler“). Während es beim zweiten Feld bei einer eher überschaubaren Verformung geblieben ist, wurde der vierte ganz erheblich verformt. Die Vorderseite dieses Pfeilers ist um bis zu zehn Zentimeter abgesackt, was bei einem Blick von der Seite auf das Feld gut erkennbar ist. Die Arbeitsmaschine war von einem 23-Jährigen gefahren worden, der bei dem Unglück unverletzt geblieben war.

(Weiterlesen: Teleskoplader in Rhede verunglückt: Brücke bleibt gesperrt)

Die Konstruktion der Brücke stammt aus den 1930er Jahren, errichtet worden war sie in den 1950er Jahren. Also in einer Zeit, in der Panzer und andere schwere, militärische Gerätschaften desöfteren über Straßen und Brücken gefahren sind. Das dürfte auch der Grund für die aus heutigen Gesichtspunkten überdimensionierte Tragfähigkeit der Brücke sein.

Neubau in Planung

Das Bauwerk inklusive der angrenzenden Flutbrücke soll in den nächsten Jahren durch einen Neubau ersetzt werden. Deren Planung hatte sich zuletzt um etwa sechs Monate verzögert, wie Christian Hillgruber, stellvertretender Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau in Lingen auf Anfrage mitgeteilt hat. „Nach der ersten Offenlage der Pläne hat es Änderungswünsche bei Entwässerungsfragen und bei der Deichanpassung gegeben“, berichtet Hillgruber. Sie seien durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der Unteren Wasserbehörde (Landkreis Emsland) sowie dem Deichverband „Heede-Aschendorf-Papenburg“ gefordert worden.

Fertigstellung Ende 2020 geplant

Daraufhin hatten sich die Beteiligten darauf verständigt, eine neue Offenlage der Pläne zu machen. Die Auslegung der Unterlagen in der Gemeinde Rhede hat vom 21. August bis 4. September 2017 stattgefunden, Einwendungen sind bis zum 18. September 2017 möglich. „Wir gehen jetzt von einem Planfeststellungsbeschluss im Laufe des Jahres 2018 aus, nach Ausschreibung und Auftragsvergabe könnten die Arbeiten dann 2019 und 2020 stattfinden“, so der stellvertretende Behördenleiter. Fertig und befahrbar wäre das rund 15 Millionen Euro teure Bauwerk dann Ende 2020. Danach werden die alte Ems- und Flutbrücke abgerissen.


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