Anlieger schlagen Alarm Niedrigwasser an Rheder Schleuse löst Ärger aus

Von Christian Belling


Rhede. Der Wassersportclub und Anwohner des Spieksees in Rhede sind verärgert. Aufgrund eines niedrigen Wasserstandes an der Schleuse können sie seit Monaten die Motorboote nicht mehr nutzen. Der Unterhaltungsverband weist den Vorwurf zurück, für die Absenkung verantwortlich zu sein.

„Seit April ist der Pegel um rund 40 Zentimeter tiefer als sonst“, teilte Franz Wiemker, Vorsitzender des Wassersportclubs (WSC) Rhede, während einer Zusammenkunft im Vereinsheim am Yachthafen mit. Gut ein Dutzend Anwohner des Baugebietes am Spieksee und Vertreter des WSC waren zum einem Gespräch gekommen, zu dem die FDP-Bundestagskandidatin Marion Terhalle zusammen mit ihren Parteikollegen Hans-Michael Goldmann und Gero Hocker eingeladen hatte.

Boote fahren sich fest

Wie Clubchef Wiemker weiter ausführte, haben sich aufgrund des niedrigen Wasserstandes bereits einige Boote festgefahren. „Bis Anfang des Jahres ermöglichte der Wasserstand seit Bestehen des Hafens fast immer die Einfahrt mit Booten, die einen Tiefgang von 1,40 Meter haben. Kurz vor dem Saisonstart im Frühjahr wurde der Pegelstand ohne Ankündigung so verringert, das Boote mit nur noch 1,05 Meter Tiefgang einfahren können.“ Anfang Juni sei nochmals Wasser abgelassen worden, was dazu führte, dass ein Boot auf dem Drempel der Schleuse hängen blieb.

„Massiver Druck“ von Landwirten?

Die Rheder Wassersportfreunde vermuten, dass der zuständige Unterhaltungsverband für die Absenkung verantwortlich ist. Laut Wiemker hätten Landwirte „massiven Druck“ ausgeübt, da sie ihre Felder im Landschaftsschutzgebiet im Bereich Rhede Flaar, dass über den Emsaltarm entwässert werde, aufgrund eines zu hohen Wasserstandes nicht mehr bewirtschaften könnten. „Wegen der stetigen Entwässerung der Moorgebiete sackten diese ab und man nun den Pegelstand weiter absenken, um entwässern zu können“, so Wiemker.

Verband sieht natürliche Schwankungen des Wasserpegels

Der Unterhaltungsverband, der für den Betrieb des Schöpfwerks und des Sieles zuständig ist, weist die Kritik zurück. „Es hat keine Absenkung des Wasserspiegels durch den Verband stattgefunden“, macht Geschäftsführer Heiner Niehaus auf Anfrage deutlich. Der Wasserstand im Altarm Rhede sei abhängig von Ebbe und Flut in der Ems. Bei reinem Sielbetrieb öffnen sich laut Niehaus die Tore, wenn der Wasserstand binnen höher ist als in der Ems und es wird gesielt. Bei Flut schließen sich nach seinen Worten die Tore und der Wasserstand binnen steigt bis zur nächsten Ebbe in Abhängigkeit von Zufluss und Witterung an. Niehaus: „Das sind die Schwankungen des Wasserpegels.“

„Sicherstellung des Sportbootverkehrs nicht unsere Aufgabe“

Wie der Geschäftsführer weiter mitteilt, hat der Unterhaltungsverband die Aufgabe, die Binnenentwässerung für Siedlungs- und Gewerbeflächen sowie landwirtschaftliche Flächen sicherzustellen. „Die Sicherstellung des Sportbootverkehrs ist nicht Aufgabe des Verbandes, wie auch die Unterhaltung des Emsaltarmes Rhede für den Wasserabfluss nicht Aufgabe des Verbandes, sondern der Gemeinde Rhede ist“, stellt Niehaus klar.

Anwohner haben nicht den versprochenen Nutzen

Außer den Mitgliedern des WSC verschafften sich während der Zusammenkunft auch die Anwohner des Neubaugebietes am Spieksee Luft. Aufgrund der Anbindung an den Hafen hätten sich viele einen Bootsanleger gebaut. Doch der niedrige Wasserstand mache eine Nutzung der Boote unmöglich. „Das Grundstück war teuer, der Wassernutzen ist im Grundbuch eingetragen. Doch wir haben nicht den versprochenen Nutzen“, teilte während des Gesprächs im Vereinsheim ein aufgebrachter Anwohner mit. Die Grundstücke und Immobilien würden dadurch massiv an Wert verlieren.

„Bleibt es so, können wir den Binnenhafen dichtmachen“

Nach Auskunft von WSC-Vereinschef Wiemker würden auch die Spundwände durch Korrosion Schäden davontragen. Zudem werde durch die Moorentwässerung Kohlenstoffdioxid und Lachgas freigesetzt. Er sieht darin einen Verstoß gegen das Natura 2000 Landschaftsschutzgebiet. Aufgrund trocken gefallener Laichgebiete habe der niedrige Wasserstand auch auf den Angelsportverein Auswirkungen auf den Fischbestand. „Bleibt der Wasserstand wie er aktuell ist, können wir den Binnenhafen dichtmachen“, so Wiemker.

Wasserstandshöhe nicht festgeschrieben

Auf Anfrage teilte Hermann-Josef Gerdes, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters mit, dass eine Wasserstandshöhe im Altarm und im Entwässerungsgebiet nicht festgeschrieben ist. Dies sei von der Gemeinde Rhede auch immer offen und transparent vermittelt worden.

Wird wasserrechtliches Verfahren eingeleitet?

Seit März hat sich laut Gerdes die Situation allerdings deutlich verschlechtert. „Aufgrund der derzeitigen Betriebsführung des Schöpfwerkes durch den Unterhaltungsverband, befindet sich der Wasserstand auf einem so geringen Niveau, dass ein Schleusenbetrieb nur noch eingeschränkt möglich ist.“ In mehreren Gesprächen mit allen Beteiligten sei bislang keine Verbesserung der Situation erreicht worden. Daher prüfe die Gemeinde derzeit die Weiterführung des wasserrechtlichen Verfahrens, um einen festen Wasserstand zu erhalten. „Zur Vorbereitung hat die Gemeinde aktuell wieder Pegelmessungen und weitere Beobachtungen durchgeführt“, so Gerdes. Ein solches Verfahren sei bereits vor einigen Jahren in Gang gesetzt worden, aufgrund vieler Einwände der Beteiligten allerdings wieder zurückgestellt worden.

„Gemeinde sind die Hände gebunden“

„Wir sind optimistisch, dass durch zusätzliche und verbesserte Unterhaltung der Entwässerungsgräben im Flaargebiet durch den Unterhaltungsverband und durch eine kurzfristige Unterhaltung im Emsaltarm am Ortseingang durch die Gemeinde eine Lösung möglich ist“, so Bürgermeister Gerd Conens. Nach seinen Worten würde die Gemeinde sofort mit den Unterhaltungsarbeiten am Altarm beginnen. Dies sei aber aufgrund des nicht ausreichenden Wasserstandes derzeit nicht möglich. Conens: „Der Gemeinde sind insoweit derzeit die Hände gebunden. Sollte es nicht zu einer Lösung kommen, bleibt nur die Durchführung des wasserrechtlichen Verfahrens.“

Terhalle bemängelt fehlenden Dialog

Wie die FDP-Bundestagskandidatin Terhalle zum Abschluss des Gesprächs im Vereinsheim deutlich machte, ist auch ein fehlender Dialog für die festgefahrene Situation verantwortlich. Ihr Parteikollege, der niedersächsische Generalsekretär der Liberalen Gero Hocker, versprach, eine Anfrage an die Landesregierung zu stellen. „Vielleicht gibt es irgendwo im Land ähnliche Probleme. Da wäre es sinnvoll zu wissen, wie es dort gelöst wird.“


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