Konzept ist in Arbeit Hof in Rhede will solidarische Landwirtschaft betreiben

Von Maike Plaggenborg

Gemeinsam mit weiteren Mitgliedern wollen Katharina Heimrath (von links), Martin Heck und Kristian Lampen eine solidarische Landwirtschaft in Rhede aufbauen. Foto: Maike PlaggenborgGemeinsam mit weiteren Mitgliedern wollen Katharina Heimrath (von links), Martin Heck und Kristian Lampen eine solidarische Landwirtschaft in Rhede aufbauen. Foto: Maike Plaggenborg

Rhede. Das Risiko teilen und auch die Ernte: Kristian Lampen und seine Frau Katharina Heimrath wollen ihren Hof Emsauen in Rhede auf solidarische Landwirtschaft umstellen. Dafür brauchen sie nun Teilnehmer. Eine Kerngruppe aus neun Mitgliedern besteht bereits. Auch ein Treffen für weitere Interessenten steht bevor.

Martin Heck ist eines von ihnen. Die Lampens hat er über das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft – kurz Solawi – aus dem schleswig-holsteinischen Steenfelde kennengelernt. Nun will er mit ihnen und den anderen Mitgliedern der sogenannten Kerngruppe gemeinsam ein passendes Konzept erarbeiten. Konkret soll es Heck zufolge so funktionieren, dass am Jahresanfang die Kosten für die Erzeugung berechnet werden, die dann auf die Mitglieder aufgeteilt werden. „Der Hof wird von den Mitgliedern getragen, und die bekommen, was auf dem Hof erwirtschaftet wird“, sagt Heimrath. Teilnehmer würden, so Heck, also nicht 20 Euro für 10 Kilogramm Gemüse bezahlen, sondern tragen die Risiken mit und erhalten einen verhältnismäßigen Ernteanteil – je nach Familiengröße. Die Menge aber beruhe auch auf Vertrauen, sagt Kristian Lampen. Nicht gedacht sei es, dass Mitglieder mehr bekommen, als sie verbrauchen und die Ware dann verschenken, ergänzt Heimrath.

In einer Solawi wird die Ernte vorfinanziert

Die Ernte wird damit „vorfinanziert“, wie der Verein Solawi auf seiner Webseite schreibt. Die Landwirte haben damit garantierte Abnehmer. Die Lebensmittel werden demnach „nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf, der von den Teilnehmern mit organisiert und finanziert wird“, heißt es weiter. Die Landwirte samt „Mitlandwirten“ produzieren saisonal und regional, und die Verbraucher konsumieren auf gleiche Weise.

Produktpalette soll ausgeweitet werden

Zum aktuellen Sortiment des Hofes Emsauen mit 95 Hektar Land gehören derzeit Fleisch, Wurst, Eier und Milch – alles in Bio-Qualität. Die Ware verkauft die Familie Lampen – auch Kristian Lampens Eltern sind noch aktiv am Betrieb beteiligt – teilweise direkt am Hof. Die Milch geht überwiegend an eine Bio-Molkerei. Für die Solawi ist angedacht, die Produktpalette zu erweitern. „Der Gemüseanbau soll ausprobiert werden“, sagt Heck. Auch ein Konzept für Milchverarbeitung komme in Frage. Ein Mitglied der Kerngruppe etwa sei ein Käser aus der Schweiz. „Er kann nützliches Wissen einbringen.“ All das solle in Absprache mit den Mitgliedern passieren.

Das Konzept, sagt Kristian Lampen, probieren er und die anderen jetzt aus, „weil die Zeit reif dafür ist“. Er meint: „Es tut sich gerade viel in der Welt.“ Es gebe viele Menschen, die in ihren Ländern nicht mehr leben könnten. Die Lebensmittelungerechtigkeit nehme zu.

125 Höfe betreiben laut Solawi-Verein solidarische Landwirtschaft

Deutschlandweit gibt es nach Angaben des Vereins Solawi 125 Höfe, die solidarische Landwirtschaft betreiben. Die tatsächliche Zahl dürfte höher sein, weil sich nicht alle dort registrieren. Der Hof in Rhede ist demnach der erste im Emsland, der sich an dieser Art zu Wirtschaften versucht. Damit das Konzept dort aufgeht, sollten zunächst rund 20 Familien – also circa 60 Menschen – einsteigen, sagt Kristian Lampen. Die Größe der Familie spiele aber keine Rolle. Auch Single-Haushalte können mitmachen. Die Investition sei am Anfang noch nicht so hoch. Details dazu und zu allen anderen Vorhaben rund um die Solawi in Rhede wollen das Ehepaar Lampen und die Kerngruppe Interessierten am Donnerstag, 9. März, um 19.30 Uhr im Rahmen der Arbeitsgruppe „Global denken, lokal handeln“ in der katholischen Kirchengemeinde St. Josef im Vosseberg vorstellen.