Tennet lässt Trasse bei Rhede freilegen Erdkabel ins Umspannwerk Heede macht massive Probleme

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Heede/Rhede. Die erst 2015 neu verlegte Erdkabeltrasse DolWin 2, die große Offshore-Windparks vor Ostfriesland mit dem Umspannwerk in Heede verbindet, macht massive Probleme. Das hat der Netzbetreiber Tennet auf Anfrage bestätigt. Deshalb wird die Leitung derzeit in Teilen wieder freigelegt.

Die intensiven Erdarbeiten auf mehreren Feldern zwischen Rhede und Dörpen entlang der Autobahn 31 hatte in der Bevölkerung für Aufsehen gesorgt. Zu sehen waren jeweils ein Bagger, ein großer Container und ein Schlauch, aus dem Wasser in einen Graben fließt. Gearbeitet wurde dank eines großen Flutlichtmastes auch am frühen Morgen und am späten Abend. Eine öffentliche Ankündigung, was dort gemacht wird, hatte es nicht gegeben.

Einige dachten zunächst, es handelt sich um erste Erdarbeiten für die 380 Kilovolt(KV)-Leitung. Die wird allerdings wenige hundert Meter weiter südlich, also auf der anderen Seite des Umspannwerkes Dörpen-West, beginnen und bis Meppen führen. Bei einer Nachfrage unserer Redaktion bei der Sprecherin des Landkreis Emsland, Anja Rohde, hieß es zunächst: „Es ist anzunehmen, dass es sich um den Austausch defekter Muffen entlang der Seekabeltrasse DolWin2 handelt. Hier findet der Austausch an acht bis 15 Standorten statt. Genaueres kann hier die zuständige Gesellschaft Tennet mitteilen.“

Generalunternehmer ist der Baukonzern ABB

Die Angaben der Landkreis-Sprecherin bestätigte wenig später Cornelia Junge, Sprecherin der Tennet TSO GmbH mit Sitz in Lehrte in der Region Hannover. Sie berichtet, dass Tennet den Generalunternehmer für die Verlegung des Erdkabels, den der Schweizer Baukonzern ABB, dessen Deutschland-Zentrale in Mannheim sitzt , dazu aufgefordert hat, die Reparatur „schnellstmöglich durchzuführen“. Mit dem Bau der Leitung war im Frühjahr 2013 begonnen worden, sie wurden im Frühjahr 2016 abgeschlossen.

Die riesige Gleichstromverbindung verbindet drei Windparks mit etwa 240 „Mühlen“ vor Ostfriesland mit dem Umspannwerk in Heede. Es trifft bei Hilgenriedersiel östlich von Norden im Landkreis Aurich auf Land, unterquert bei Gandersum die Ems und verläuft etwa ab Bunde parallel zur Autobahn 31 bis Heede. Die 900 Megawatt starke Hochspannungsverbindung, die etwa der Leistung eines Großkraftwerkes entspricht, ist insgesamt 135 Kilometer lang – 45 Kilometer auf See, 90 Kilometer an Land. Das Vorgängerprojekt DolWin1 war im Juli 2015 erfolgreich ans Netz gegangen.

(Weiterlesen: Neues Stromkabel verbindet Nordsee-Windparks mit Umspannwerk in Heede)

Probleme bereits in Testphase

Durch die jetzige Rückmeldung von Tennet nach Recherchen unserer Redaktion wird deutlich, dass DolWin 2 bereits während der Testphase im Frühjahr 2016 Probleme macht. „Hintergrund der jetzigen Arbeiten ist, dass während der Testphase eine Kabelkomponente von DolWin2 mehrfach ausgefallen war“, berichtet Sprecherin Cornelia Junge. Probleme machten insbesondere die Verbindungen der einzelnen Kabelstücke, die Trasse konnte bei einer derartigen Länge natürlich nicht in einem Stück verlegt werden. An mehreren Stellen, in denen das Kabel dann mit sogenannten Muffen verbunden wurde, ist es zu Problemen gekommen.

Daraufhin hat Tennet, das in Europa 20.000 Kilometer Hoch- und Höchstspannungsleitungen betreibt, im Juni 2016 beschlossen, das System vom Netz zu nehmen und ABB aufgefordert, die Mängel zu beheben, berichtet die Sprecherin. Wohl auch, weil die Gefahr zu groß war, dass Strom ins Erdreich gelangt und zur Gefahr für Menschen und Tiere werden kann.

Planungen sahen noch spätere Erledigung vor

Danach dauerte es bis zum späten Herbst, bis der Baukonzern tatsächlich im Emsland mit Baggern anrückte, um die Bereiche freizulegen, in denen das Kabel verbunden wurde. Wegen des hohen Grundwasserspiegels in den meisten Bereichen mussten auch große Pumpen herbeigeschafft werden, die das Wasser in nahe Gräben pumpen. Im Vorfeld der Arbeiten gab es von ABB keine Information an die Medien.

Bis zu 15 Standorte alleine im Emsland sollen laut Landkreis betroffen sein. Eine Bestätigung dazu gibt es von ABB nicht, genauso wenig, ob und wie viele auf der weiteren Wegstrecke im Norden betroffen sind. Zum Verlauf der Arbeiten teilte Sprecherin Sandra Wiesner mit: „Der Austausch der Kabelkomponenten kommt gut voran. In Übereinstimmung mit den aktuellen Abschätzungen, sind wir auf dem Weg das Projekt im Frühling abzuliefern, unter der Voraussetzung, dass das Wetter und andere äußere Bedingungen zuträglich sind.“ Weitere Details „wollen wir nicht kommentieren“, so die Sprecherin und lobte abschließend die „gute Zusammenarbeit zwischen Tennet und ABB“.

(Weiterlesen: Tennet rüstet Umspannwerk in Heede weiter auf)

Die Aussagen von Tennet klingen weniger freundlich. Wörtlich heißt es von Sprecherin Cornelia Junge: „Wir können erst nach Abschluss der Nacharbeiten von ABB die Vorbereitung auf den Abnahmeverlauf von DolWin2 fortsetzen. Die Abschaltung des Offshore-Netzanschlusssystems DolWin2 wird voraussichtlich bis Ende Januar 2017 dauern.“ Dies sei gegenüber ursprünglicher Planungen von ABB „eine deutliche Verkürzung der Abschaltung“, der Baukonzern wollte die Arbeiten also offenbar erst im Frühjahr durchführen. Das wiederum wäre auch für die Landwirte, die dann ihre Felder bestellt hätten, von Nachteil gewesen.

Windpark-Betreiber steht Entschädigung zu

Pikantes Detail zum Abschluss: Jeder Tag, an dem der Offshore-Windpark in der Nordsee nicht oder nur in geringerem Umfang Strom liefern kann, kostet dem Stromkunden Geld. Denn dem Windpark-Betreiber stehen Entschädigungszahlungen aus dem Topf der Erneuerbare-Energien (EEG)-Umlage zu. Tennet berichtet. „Die Verkürzung der geplanten Abschaltung wird zu einer deutlichen Reduzierung der an die Offshore-Windparks zu entrichtenden Entschädigungszahlungen führen und in der Folge auch zu einer Entlastung der Stromkunden in Bezug auf die Offshore-Haftungsumlage. Tennet wird auch weiterhin konsequent daran arbeiten, mögliche diesbezügliche Belastungen von Stromkunden so gering wie möglich zu halten.“ Summen nannte Tennet nicht.


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