Festgottesdienst mit Bischof Thuiner Schwestern wirken seit 100 Jahren in Rhede


Rhede. Vor 100 Jahren sind die ersten Thuiner Schwestern nach Rhede gezogen. Am kommenden Sonntag, 18. Dezember 2016, wird das Jubiläum des Wirkens des Franziskanerordens in der Einheitsgemeinde ab 10.30 Uhr mit einem Festgottesdienst im „Rheder Dom“ gefeiert. Zelebriert wird er vom Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode.

Inmitten des Ersten Weltkrieges erreichten die ersten drei Schwestern wenige Tage vor Weihnachten 1916 Rhede. Der legendäre Pastor Carl Gerhardy hatte sich dafür eingesetzt. Die Schwestern zogen ins alte Pfarrhaus ein, aus dem ab 1925 zunächst ein Krankenhaus und seit 1974 das Alten- und Pflegeheim St. Nikolausstift erwachsen ist. Den Grundstein dafür legten die Ordensschwestern. Sie bauten eine Kranken- und Altenpflegestation auf. Dazu gehörte auch, dass sie einst mit dem Rad oder zu Fuß von Haus zu Haus zu den Kranken und Sterbenden in Rhede, Neurhede, Borsum und Brual unterwegs waren, um an deren Betten zu wachen. Bis dahin waren die Kranken von Aschendorf aus versorgt worden. Die Verbindung war aber vor allem in den Wintermonaten häufig durch das Emshochwasser unterbrochen. Die Schwestern wirkten darüber hinaus unter anderem aber auch in der Gemeindeseelsorge beispielsweise im Kindergarten sowie als Gemeindereferentinnen.

Zeitweise waren bis zu sechs Thuiner Franziskanerinnen in Rhede aktiv. Aktuell sind es noch zwei – Schwester Bernharda (80) und Schwester Engelberta (76). Sie sind seit 20 beziehungsweise 22 Jahren da, womöglich aber nicht mehr allzu lange. „Wir bereiten uns sanft auf den Ruhestand der Schwestern vor“, sagt Frank Rosemann, Pfarrer der katholischen St.-Nikolaus-Kirchengemeinde, im Hinblick auf das Alter der beiden. Er weiß ihr Wirken zu schätzen. „Der gute Geist des Hauses hat mit ihnen zu tun“, sagt Rosemann. Das Duo kennt jeden Bewohner und Mitarbeiter mit Namen und kümmert sich um alles, was im alltäglichen Betrieb anfällt. Dazu gehört beispielsweise das Vorlesen der Ems-Zeitung, die Beteiligung an der Beschäftigungstherapie für die Bewohner und die Wäscheversorgung. Und auch sie leisten Sterbenden Beistand. „Sie sind einfach den ganzen Tag da“, sagt Rosemann.

zwei indische Schwestern zu Nachfolge bereit

Der Geist der Thuiner Schwestern ist aus seiner Sicht unverwechselbar. Und doch wollen Kirchengemeinde und Stift dafür Sorge tragen, dass er auch nach dem Abschied von Schwester Bernharda und Schwester Engelberta erhalten bleibt. Wenn sie eines Tages gehen, sollen zwei indische Schwestern ihre Nachfolge antreten.

Als Schwester Engelberta nach Rhede versetzt wurde, hätte sie nach eigenem Bekunden nicht gedacht, dass sie 22 Jahre bleiben würde. „Ich kannte das Emsland bis dahin überhaupt nicht“, sagt die gebürtige Nordrhein-Westfalin. Gerne erinnert sie sich an die Einweihung des Heim-Anbaus in den 90er-Jahren sowie an die Feiern zum 100-jährigen Bestehen der St.-Nikolaus-Kirche 2013.

Das Heim verfügt aktuell über 49 Plätze. Die Auslastung ist nach den Worten der Heimleiterin Marita Frerichs gut. In der Einrichtung sind rund 60 Menschen beschäftigt. Damit gehört das Heim zu den größten Arbeitgebern in Rhede. Geführt wird es Heim im Rahmen eines Geschäftsbesorgungsvertrages mit dem kirchlichen Träger inzwischen vom Caritas Pflegedienst Unterems aus Papenburg. Pfarrer Rosemann spricht in diesem Zusammenhang von einer notwendigen „strategischen Öffnung der Pflege in einer Hand“. Er meint damit einen Verbund aus ambulanter, teilstationärer und Tagespflege bis hin zur stationären Betreuung.

Erfahrene Belegschaft

Frerichs hat die Heimleitung im April von Monika Brunsen übernommen. Die neue Leiterin weiß die erfahrene Belegschaft zu schätzen. Sie bescheinigt ihr „ganz viel Charakter“ und hohe Beständigkeit. Das schlage sich auch in den wenigen Personalwechseln nieder. „So etwas schafft Sicherheit“, sagt Frerichs.

Rosemann ist der bisherigen Leiterin dankbar. „Monika Brunsen hat das Haus dahin gebracht, wo es heute steht“, sagt er. Um den Aspekt des Wohnens und des Lebens zu stärken, soll in dem Heim im kommenden ein Hausgemeinschaftskonzept weiter umgesetzt werden.

Wer mehr über die Geschichte der Thuiner Schwestern in Rhede lesen will, wird eine Ausstellung des Heimatforschers Albert Vinke empfohlen. Der Rheder Ehrenbürger hat viele Fotos und Berichten zusammengestellt, die im St. Nikolausstift auf Stellwänden dokumentiert werden. In dem Heim findet im Anschluss an das Pontifikalamt mit Bischof Bode ein Empfang statt.


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