Investition in Milchviehhaltung Borsumer Landwirtsehepaar setzt auf mehr „Breite“

Besser gegen Krisen gewappnet sehen sich die Borsumer Familien Staars und Schmock von Ohr. Theo Staars (links) übergab seinen Hof an Tochter Christina und Otto Schmock von Ohr. Neben der Jungbullenhaltung haben sie nun auch den Milchviehbetrieb erweitert. Foto: Jürgen EdenBesser gegen Krisen gewappnet sehen sich die Borsumer Familien Staars und Schmock von Ohr. Theo Staars (links) übergab seinen Hof an Tochter Christina und Otto Schmock von Ohr. Neben der Jungbullenhaltung haben sie nun auch den Milchviehbetrieb erweitert. Foto: Jürgen Eden 

jed Rhede. Lange gab es in der Landwirtschaft nur eine Richtung: Weg von einer breiten Aufstellung mit vielen unterschiedlichen Produkten hin zur Spezialisierung. Mittlerweile stellen sich auch im nördlichen Emsland Betriebe wieder „breiter auf, um so Marktschwankungen besser abfedern zu können. So auch auf den Höfen Schmock von Ohr und Staars in Borsum.

Als Ehepaar und zugleich Kinder beider Höfe haben Otto und Christina Schmock von Ohr die Hofnachfolgen gemeinsam angetreten. Auf dem Hof seines Vaters hat Otto Schmock von Ohr in der Borsumer Ortsmitte einen Betrieb für Bullenmast mit 850 Tieren errichtet. Der Rindfleischpreis ist zwar aktuell leicht unter Druck. Dennoch werden nach seinen Angaben aufgrund der Betriebsgröße Erlöse erwirtschaftet, die für den Lebensunterhalt der Familie und der Mitarbeiter ausreichen.

Vor drei Jahren für Investition entschieden

Alle sind sich jedoch bewusst, das eine Marktschwankung die Situation sehr schnell ändern kann. So rückte vor etwa drei Jahren die Überlegung in den Fokus, sich durch eine Investition in die Milchviehhaltung breiter aufzustellen. Was durchaus nichts Ungewöhnliches mehr ist: Viele Ackerbauern investierten in Biogas oder Windkraft. Andere Berufskollegen wie Schweinehalter und auch Milcherzeuger bauten Legehennenställe.

„Als wir die Investitionsentscheidung vor drei Jahren vornahmen, waren die Milchpreise sehr gut“, erinnert sich der Junglandwirt Schmock von Ohr. Rund 45.000 Euro mussten nach eigenen Angaben zunächst für Planungskosten ausgeben werden, bis sie dann im vergangenen Jahr den neuen Boxenlaufstall auf dem Hof von Theo Staars an der Borsumer Straße errichten konnten.

Weiche Liegeboxen und Massagebürsten

Alles ist computergesteuert. Per Handyapplikation setzen Schmock von Ohr und Staars beispielsweise die Spaltenschieber in Gang, die in der Gestalt von Rasenmäher- oder Staubsaugerroboter den Kuhdung vom Betonboden in die Spalten des Güllekanals schieben. Flexibilität erleben die 130 Kühe an den beiden Melkrobotern, die können sie aufsuchen, wann sie es wollen. Wellness bieten die weichen Liegeboxen und Massagebürsten.

Schwiegervater Theo Staars hatte bis zur Erweiterung rund 70 Milchkühe. Ohne das Engagement seiner Tochter Christina und seines Schwiegersohns hätte es wohl keine Hofnachfolge gegeben, so dass er den Betrieb in einigen Jahren mit Eintritt ins Rentenalter geschlossen hätte. „Wir hatten vor drei Jahren die grundsätzliche Überlegung, schließen oder weitermachen“, so Staars. Auch eine Übergabe ohne Erweiterung hätte aufgrund der fortlaufenden Abnutzungen von Gebäude und Maschinen hohe Investitionen erfordert.

Eine Marktbereinigung wird eintreten

Doch wie sind die Zukunftsaussichten für Milchviehhalter? Der Milchpreis ist zwar nach Staars Worten derzeit auf einem sehr niedrigen Niveau, so dass dort kein Geld verdient wird. Dennoch rechnen er und seine Familie damit, dass aufgrund der Verdrängung und Umstrukturierung auf anderen Höfen eine Marktbereinigung eintreten wird. Denn Betriebe mit 40 oder 50 Milchkühen werden aus Sicht vieler Experten dauerhaft nicht wirtschaftlich arbeiten können. Da Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, haben sie die Zuversicht, dass die Preise wieder ansteigen.


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