Aktion gegen Glyphosat „Pipi-Party“ in Rhede

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Rhede. Menschen sollen „Pipi-Partys“ feiern und „Fakten pinkeln“ fordert die Kampagne „Ackergifte? Nein danke!“. Was zunächst lustig klingt, hat einen ernsten Hintergrund.

Bei der sogenannten „Urinale 2015“ – so der Name der Aktion – sollen Bürger ihren Urin auf Rückstände des Pflanzengifts Glyphosat untersuchen lassen. Der Bio-Landwirt Kristian Lampen macht mit und lädt Bürger auf seinen Hof Emsauen nach Rhede ein, um Untersuchungssets zu verteilen und über mögliche Gefahren zu informieren. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt das Herbizid als „wahrscheinlich krebserregend“. In der Politik wird derzeit über eine Verlängerung der Genehmigung für das Mittel beraten. Start der Aktion in Rhede ist am Samstag ab 11 Uhr.

Die Urinale 2015 ist weder ein Wettbewerb noch eine Messe für Sanitäranlagen. Es geht um Daten. 22 Bio-Höfe, Gemeinschaftsgärten oder auch Vereine sind derzeit „Urinale-Vertragspartner“ – so die Bezeichnung auf der Homepage der Aktion, und verteilen bei den Veranstaltungen Umschläge mit kleinen Röhrchen, das Probanden zuhause bis zur Hälfte mit dem Mittelstrahl des Morgenurins auffüllen sollen. 1000 Untersuchungsergebnisse strebt der Initiator - die Bürgerinitiative (BI) Landwende – an, 2500 Anfragen nach Untersuchungssets seien seit Beginn der Aktion Anfang September bei der BI im mecklenburg-vorpommerschen Lassan eingegangen, sagt Jochen Schilk, Pressesprecher der BI. „Die Leute sind besorgt und wollen wissen: Wie belastet bin ich?“. Andere wiederum machten mit, um einen Beitrag zur Datengrundlage zu liefern.

Glyphosat in der aktuellen politischen Debatte

Aktuell wird das Thema auf Bundes- wie auf EU-Ebene diskutiert, denn die Genehmigung zur Verwendung des Unkrautvernichters Glyphosat läuft im Dezember 2015 aus. „Für eine Verlängerung ist eine erneute Prüfung nach aktuellem Stand von Wissenschaft und Technik erforderlich“, heißt es auf der Webseite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Deutschland sei in dieser Sache „Bericht erstattender Mitgliedstaat“. Schilk zufolge ist Glyphosat das weltweit am häufigsten verwendete Herbizid, das laut BMEL im Pflanzenschutz seit 1974 angewandt wird. Laut Schilk würden die Diskussionen bisher auf der Grundlage ungenügender Datenmengen geführt. „Stichproben zeigten schon, dass Probanden Glyphosat im Blut haben“, so der BI-Pressesprecher, der weiter sagt, dass der Hersteller die Anreicherung im Blut verneint.

80 Urin-Röhrchen hat Lampen vorrätig

Bio-Landwirt Lampen stellt Offenheit für das Thema Glyphosat fest. So zumindest hatte er es beim Papenburger Bauernmarkt Ende September erlebt. Dort hat er die Aktion Urinale bereits vorgestellt. Wie viele Bürger letztlich mitmachen, könne er aber nicht einschätzen. 80 Test-Sets hat er vorrätig: „40 der Röhrchen sind für das Labor gedacht und weitere 40 können an das Ministerium geschickt werden“, sagt Lampen. Letzteres wäre eine Art Protestaktion – ein vorgedrucktes Anschreiben ist inklusive. Diese Möglichkeit richte sich laut Lampen an diejenigen, die den Selbstkostenpreis für die Laboruntersuchung von 45 Euro nicht bezahlen können. Lampens Motivation für die Aktion ist klar: „Ich mache Biolandwirtschaft, weil ich keine Ackergifte einsetzen und den Boden und uns nicht vergiften möchte.“ Auch wer sich ausschließlich von Bio-Lebensmitteln ernähre, könne belastet sein. Die Öko-Nahrung könnte durch Nachbarfelder oder in späteren Arbeitsstufen Glyphosat abbekommen. Lampen selbst werde den Test am kommenden Samstag machen. Seine Pipi-Party beginnt am Samstag, 10. Oktober, um 11 Uhr in Rhede auf dem Bio-Hof Emsauen, Im Brook 5.


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