Keine Protestaktion geplant Milchpreis bringt auch emsländische Höfe in Existenznot

Von Aloys Schulte

Rund 200 Milchkühe hält Bernd Schulte-Lohmöller in Borsum. Foto: Archiv/Hermann HinrichsRund 200 Milchkühe hält Bernd Schulte-Lohmöller in Borsum. Foto: Archiv/Hermann Hinrichs

Rhede. Der zurzeit extrem niedrige Milchpreis macht Landwirten Sorgen um ihre Existenz. Mit 27 Cent pro Kilo liegt er weit unter dem Niveau, das zum Überleben der Höfe ausreichend wäre, nämlich 35 bis 40 Cent.

Diese Zahlen nannte Bernd Schulte-Lohmöller aus Rhede im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Kreisvorsitzende des Landvolks Aschendorf-Hümmling hält auf seinem Hof im Rheder Ortsteil Borsum rund 200 Milchkühe. Protestaktionen wie am Dienstagabend in Hesel, wo laut Presseberichten ostfriesische Bauern bei einem großen Lager des Discounters Aldi mit rund 80 Traktoren vorfuhren, sind derzeit im Emsland nicht geplant.

Sanktionen erzeugen Marktdruck

Als einen der Gründe für den Preisverfall sieht er den „Marktdruck“ durch die von der EU gegen Russland und umgekehrt verhängten Sanktionen. Der Export sei deutlich eingebrochen, so Schulte-Lohmöller. Hinzu komme, dass die Discounter in den Verhandlungen mit den Molkereien die Preise immer weiter zu drücken versuchten. „Die können die Lage derzeit ausnutzen. Das tun sie, auch wenn sie dabei nichts verdienen.“ Billige Milchprodukte seien ein Lockmittel, um Kunden in die Läden zu holen.

Psychologie im Spiel

Aus Sicht Schulte-Lohmöllers hat der seit Monaten andauernde Preisverfall auch einen psychologischen Hintergrund. Nach der Abschaffung der Milchquote hätten viele lamentiert, jetzt werde es ein Überangebot im Markt geben und ein massiver Preisverfall einsetzen. Die Milchmenge habe sich aber de facto gar nicht erhöht. „Viele haben das Gerede von zwangsläufig sinkenden Preisen geglaubt, und dann sinken sie auch“, so Schulte-Lohmöller. Mit zu niedrigen Erlösen aus der Lebensmittelproduktion haben nach seinen Angaben nicht nur die Milchbauern zu kämpfen. Die Schweinehalter seien ebenso mit einem Kilopreis von 1,40 Euro an der Grenze des Vertretbaren.

Politik muss handeln

Als Lösung setzt Schulte-Lohmöller nicht auf neue Marktregulierungen, wie sie aus seiner Sicht vom Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) gefordert werden. „Wir wollen nicht von Subventionen leben, sondern für den Markt zu fairen Preise produzieren.“ Um dies möglich zu machen, müsse die Politik für eine Verbesserung der Exportchancen sorgen und zum Beispiel die Grenze für staatliche Interventionen von 22 auf 25 Cent pro Kilo erhöhen. Das bedeute, dass Überschussmengen vom Staat aufgekauft würden, um die Preise zu stützen. Das würde vielen Betrieben in Notlage ein wenig helfen. Diese Maßnahme müsse auch nicht auf Kosten der Steuerzahler gehen. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass der Staat dabei durchaus Gewinn machen könne. Im Fall eines Preisanstiegs könnten die billig gekauften Mengen wieder veräußert werden.