Miteinander ohne Grenzen Schülerin aus Frankreich für drei Monate in Rhede

Das tägliche, unkomplizierte Miteinander zwischen zwei Nationen erleben derzeit Barbara Cordes (links) und Maiwenn Guillaton an der Ludgerusschule in Rhede und in ihrem Alltag. Foto: SchuleDas tägliche, unkomplizierte Miteinander zwischen zwei Nationen erleben derzeit Barbara Cordes (links) und Maiwenn Guillaton an der Ludgerusschule in Rhede und in ihrem Alltag. Foto: Schule

Rhede. In Rhede nimmt zurzeit eine Austauschschülerin aus Frankreich für drei Monate am Unterricht der Ludgerusschule teil.

„Der Unterricht endet in Deutschland schon am frühen Nachmittag. Das gefällt mir besser als in Frankreich“, sagt Maiwenn Guillaton lachend. Seit Anfang Mai besucht die 16-Jährige die Ludgerusschule im Rahmen eines Austauschprogramms und nimmt dort für drei Monate am Unterricht der Realschule teil.

Maiwenn, die aus dem französischen Rennes stammt, und ihre deutsche Mitschülerin Barbara Cordes aus Brual beteiligen sich am individuellen Schüleraustauschprogramm „Brigitte Sauzay“, das vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) initiiert wird. Das Programm gibt Schülern der Klassen 8 bis 11 die Möglichkeit, drei Monate lang in der Familie eines französischen Austauschpartners zu leben und mit ihm zur Schule zu gehen. Im Gegenzug kommt der französische Schüler dann ebenfalls für drei Monate nach Deutschland. Den Zeitpunkt des Besuchs im Partnerland legen die Teilnehmer in Abstimmung mit den beteiligten Schulen selbst fest. Prinzip des Programms ist es, Frankreich kennenzulernen und französischen Schülern Deutschland und seine Kultur näher bringen.

Musik und Fußball

An der Ludgerusschule Rhede machte Lehrerin Verena Lowens die Schüler ihres Französisch-Wahlpflichtkurses auf das Programm aufmerksam. Der Neuntklässlerin Barbara Cordes gefiel der Gedanke an einen Austausch, sodass sie ihre Lehrerin um Zusatzinformationen bat. Nach Rücksprache mit ihren Eltern bewarb sie sich für das Programm und entdeckte via Internet die französische Bewerberin Maiwenn Guillaton, mit der seitdem reger Kontakt bestand.

Seit Mai lebt Maiwenn nun in der Familie Cordes in Brual und besucht gemeinsam mit ihrer Austauschpartnerin die 9. Klasse der Realschule in Rhede. Die Mädchen teilen das Interesse für Musik und Fußball. Das Verhältnis zwischen den beiden ist von herzlicher Freundschaft gekennzeichnet. „Als ob sich die beiden schon immer kennen“, urteilt Klassenlehrer Dietrich Heckenthaler. Die Sprache stellt im Alltag nur selten eine Hürde da. Vor allem für ihre Mitschüler sei der Besuch aus Frankreich sehr spannend, da so die erlernten Französisch-Kenntnisse praktisch angewendet würden, hat Lehrerin Verena Lowens beobachtet.

Schützenfest-Premiere

Für Maiwenn selbst ist der Unterricht auf Deutsch mithilfe der Lehrer und Mitschüler verständlich. So seien Mathematik, die Naturwissenschaften und Englisch kein Problem. In Frankreich hätten die Schüler zwar weniger Unterricht an einem Schultag, dafür ende die Schule in der Regel erst gegen 18 Uhr, so die Austauschschülerin.

Das Leben in Rhede gefällt der 16-Jährigen sehr, auch wenn ihr so mancher Brauch fremd erscheint. „Ich habe das erste Mal in meinem Leben Schützenfest gefeiert“, sagt Maiwenn. Praktischerweise habe sie dann auch ihren 16. Geburtstag reingefeiert – ganz emslandtypisch mit Schildaufstellen.

Auch die erste Begegnung Maiwenns mit einem Pfandflaschenautomaten sei interessant gewesen, da die Französin so etwas nicht gekannt habe, erzählt Barbara Cordes. Die Brualerin wird im September nach Rennes aufbrechen und dort für drei Monate bei ihrer neuen Freundin Maiwenn und deren Familie leben und das Schulleben in Frankreich kennenlernen.

Otto Büning, Schulleiter der Ludgerusschule, begrüßt die Teilnahme seiner Schülerin am internationalen Austauschprogramm: „Für uns als Europaschule hat es einen hohen Stellenwert, dass die Schüler fremde Sprachen und Kulturen intensiv kennenlernen und zu einem selbstverständlichen Teil ihres Alltages machen.“ Die Teilnahme am Schüleraustauschprogramm „Brigitte Sauzay“ gehe dabei über die an der Schule praktizierten Exkursionen nach Paris hinaus und ermögliche nicht nur einen Lernzuwachs bei allen Beteiligten, sondern lasse auch durch gemeinsame Alltagserfahrungen über drei Monate ein Miteinander ohne Grenzen erlebbar werden. Erfreulich sei auch, dass Maiwenn gemeinsam mit Schülern der Ludgerusschule und der niederländischen Partnerschule „Dollard College“ am niederländischen Feiertag „dagje Groningen“ teilgenommen hätten. „Das ist Europa pur“, so der Rektor.


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