St.-Nikolaus-Kirche ist 49 Meter hoch 100 Stufen und Sprossen führen zu Rheder Glocken

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Die Glocken der St.-Nikolaus-Kirche verteilen sich auf beide Türme des Gotteshauses. Wer sie sehen will, muss wie Pastor Karlheinz Fischer (links) und Theo Schütte vom Kirchenvorstand 100 Stufen und Sprossen zurücklegen. Foto: Jürgen EdenDie Glocken der St.-Nikolaus-Kirche verteilen sich auf beide Türme des Gotteshauses. Wer sie sehen will, muss wie Pastor Karlheinz Fischer (links) und Theo Schütte vom Kirchenvorstand 100 Stufen und Sprossen zurücklegen. Foto: Jürgen Eden

Rhede. Als „Rheder Dom“ wird gerne die katholische St.-Nikolaus-Kirche bezeichnet. Das imposante Gebäude wurde 1913 in der Ortsmitte vom Dombaumeister Wilhelm Sunder-Plassmann aus Münster errichtet. Pastor Karlheinz Fischer und Theo Schütte vom Kirchenvorstand öffneten im Rahmen des EZ-Adventskalenders das letzte Türchen und gewährten einen Einblick auf den Dachboden des Gotteshauses sowie in einen der beiden Glockentürme.

64 Betonstufen und 24 Sprossen auf einer Holztreppe führen in die Spitze, wo sich das Uhrwerk befindet. „Jeder der beiden Türme ist 49 Meter hoch“, erklärt Fischer. Mit der Höhe sind die jeweiligen Spitzen gemeint, auf denen sich der Hahn beziehungsweise das Kreuz befinden. Vom Dachboden aus, auf dem das Uhrwerk angebracht ist, ist ein weiter Blick über die Dächer Rhedes möglich. Bei gutem Wetter ist sogar die Aschendorfer St.-Amandus-Kirche sichtbar.

Auf Beschluss des Kirchenvorstands erfolgte in den 1970er-Jahren im Rheder Gotteshaus eine Umstellung des Zeitmessers vom rein mechanischen auf ein elektronisches Uhrwerk. Bis dahin war ein regelmäßiges Aufziehen per Hand erforderlich. Eine Aufgabe, der sich über mehrere Jahrzehnte der inzwischen verstorbene Bernd Stubbe ehrenamtlich widmete. Das alte Uhrwerk mit zwei Zifferblättern lagert heute beim Landwirtschaftsmuseum in Rhede.

Auf dem schmalen Dachboden des Kirchturms mit dem Uhrwerk befindet sich eine weitere kleine hölzerne Leiter, die über zwölf weitere Sprossen zum Glockenboden führt. Dort hängen zwei der insgesamt vier Kirchglocken des „Rheder Doms“. Eine Glocke aus dem Baujahr der Kirche ist nicht mehr vorhanden. Sie musste 1917, also während des Ersten Weltkrieges, abgegeben werden und wurde zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. 1922 konnte die Kirchengemeinde eine Ersatzglocke beschaffen. Ihr drohte während des Zweiten Weltkrieges das gleiche Schicksal des Einschmelzens. 1947, zwei Jahre nach Kriegsende, erreichte den Kirchenvorstand die erfreuliche Nachricht, dass die Glocke erhalten werden konnte.

Einen seltenen Einblick gestatteten Fischer und Schütte auch beim Gang auf den Dachboden. Über den Gewölben aus Drahtgeflecht, Putz und Dämmstoff befinden sich schmale Stege aus Holz. In den 1970er-Jahren erfolgte eine umfangreiche Isolierung und von 1988 bis 1990 eine Sanierung des gesamten Mauerwerkes. Der Innenraum der Kirche erfuhr 1999 eine umfassende Neugestaltung. Währenddessen feierte die Kirchengemeinde letztmalig über einen längeren Zeitraum die heiligen Messen in der alten Kirche aus dem Jahr 1478, die sich seit 1991 als Gedächtniskirche im Besitz des Landkreises Emsland befindet.


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